Positiver Trend: Ärzte verschreiben Kindern weniger Antibiotika

Alfred Domke

Weniger Antibiotika-Verschreibungen für Kinder

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder kritisiert, dass Ärzte Antibiotika zu häufig, in vielen Fällen unnötigerweise und oftmals nur auf Verdacht verordnen. Nun gibt es eine positive Meldung: Laut einer aktuellen Auswertung sind die Antibiotika-Verschreibungen – zumindest für Kinder – zurückgegangen.


Antibiotika für Kinder nur im Notfall

Obwohl Experten immer wieder davor warnen, dass die Antibiotika-Gabe in der Kindheit gesundheitliche Folgen haben kann, und Kinder solche Präparate nur im Notfall erhalten sollten, wurden die Medikamente in der Vergangenheit viel zu oft auch für die Kleinsten verordnet. Allerdings werden solche Mittel inzwischen von Eltern vermehrt kritisch bewertet. Und offenbar sind mittlerweile auch mehr Ärzte bei den Verschreibungen zurückhaltender.

Einer aktuellen Auswertung zufolge verschreiben Ärzte Kindern immer weniger Antibiotika. Solche Medikamente sollten den Kleinen ohnehin nur im Notfall verordnet werden. (Bild: ladysuzi/fotolia.com)

Zahl der Verschreibungen ist rückläufig

Wie eine Auswertung der Versichertendaten der KKH Kaufmännische Krankenkasse ergab, verschreiben Ärzte Kindern immer weniger Antibiotika.

Demnach wurden im Jahr 2016 bundesweit 425 Antibiotika-Rezepte pro 1.000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahre ausgestellt – das waren 33 Prozent weniger als noch 2008.

Bei den unter Einjährigen verzeichnete die KKH im selben Zeitraum sogar einen Rückgang um 51 Prozent: 2016 vergaben Mediziner demnach nur noch 95 Antibiotika-Rezepte pro 1.000 Säuglingen.

Schlimme Folgen für die Gesundheit

„Es ist sehr positiv, dass Antibiotika bei Kindern zunehmend sorgsamer eingesetzt werden“, sagte Sven Seißelberg, Apotheker bei der KKH. „Denn besonders bei Säuglingen kann eine häufige Einnahme schlimme Folgen für die Gesundheit haben.“

Dazu zählen vor allem ein erhöhtes Risiko für chronisch entzündliche Darmerkrankungen sowie für Asthma und Übergewicht.

Forschern zufolge leiden etwa Babys, die während der Stillzeit ein Antibiotikum bekommen, häufiger unter Infektionen und sind in der Folge öfter auf weitere Antibiotika angewiesen.

Experten nennen als Grund die schädliche Wirkung der Medikamente auf die Darmflora: Sie reduzieren die Darmbakterien nicht nur zahlenmäßig, sondern sorgen auch für eine geringere Vielfalt.

Auch wenn stillende Mütter ein Antibiotikum bekommen, kann das dem Baby schaden, da es die Inhaltsstoffe über die Muttermilch aufnimmt. „Wenn Antibiotika nötig sind, sollten sie möglichst zielgerichtet eingesetzt und keine Breitspektrum-Medikamente verschrieben werden“, so Seißelberg. (ad)