Praxisgebühr-Abkehr: Fünf Euro pro Arztbesuch?

Heilpraxisnet

Werden demnächst 5 Euro je Arztbesuch von den Versicherten abverlangt?

Wie eine Studie der Krankenkasse Barmer-Gek. offenbarte, gehen die Bundesbürger immer häufiger zum Arzt. Ein niedergelassener Arzt in Deutschland behandelt laut der Barmer Studie etwa 45 Patienten pro Tag und hat pro Patient gerade einmal acht Minuten die Behandlung und Diagnose Zeit. Laut Studie haben Ärzte in Deutschland doppelt soviele Patientenkontakte im internationalen Vergleich. Im Jahr 2004 gingen die Bundesbürger 16,4 mal zum Arzt. Im Jahr 2009 gingen die Deutschen schon 18,1 mal im Jahr zum Arzt. Die Praxisgebühr von 10 Euro je Quartal wurde u.a. eingeführt, um "überflüssige Arztbesuche" zu minimieren. Doch das Gegenteil war der Fall, wie die Barmer-Studie belegt. Es ist offensichtlich nicht gelungen, teure Doppeluntersuchen zu vermeiden und qualifizierte Arztbesuche zu fördern.

Nun werden Stimmen lauter, die eine Abkehr von der Praxisgebühr befürworten. Laut Bild spricht sich der Gesundheitsökonom Thomas Drabinski vom Institut für Mikrodaten-Analyse für die Abschaffung der Praxisgebühr aus. So sagte Drabinski: "Die Praxisgebühr ist gescheitert. Sie hat keine abschreckende Wirkung. Überflüssige Arztbesuche konnten nicht wie erhofft begrenzt werden."

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Statt der Praxisgebühr gibt es Vorschläge die eine Gebühr je Arztkontakt zwischen 2,50 bis 5 Euro fordern. Alternativ sollen Zuzahlungen je nach Höhe der Behandlungskosten realisiert werden.

Der Gesundheitsexperte der SPD, Karl Lauterbach spricht sich allerdings für eine gänzliche Streichung der Praxisgebühren aus. Den Wegfall der Praxisgebühren könnte durch Einsparungen bei überteuerten Medikamenten aufgefangen werden. Zudem solle für den ersten Arztbesuch eines Patienten eine Hausarzt-Pflicht eingeführt werden, so Lauterbach.

Etwa 10 Millionen gesetzlich Versicherte müssen in Deutschland sich noch in diesem Quartal mit Zusatzbeiträgen für ihre Krankenversicherungen einrichten. Viele Krankenkassen planen laut Medienberichten Erhöhungen ihrer Versicherungsbeiträge.
(23.01.2010)