Private Krankenversicherung mit Beitragserhöhungen

Sebastian

Unisex-Tarife: Die Private Krankenversicherung wird für die meisten Versicherten teurer

15.11.2012

Ab dem Jahre 2013 sind sogenannte Unisex-Tarife in Deutschland Pflicht. Mit dieser Neuregelung werden vor allem die Tarife der Privaten Krankenversicherung für Männer deutliche Preissteigerungen erleben. Im Gegensatz dazu werden die PKV-Tarife für Frauen kaum günstiger. Experten gehen davon aus, dass auch hier leichte Preissteigerungen möglich sind. Zum Jahreswechsel werden dann noch einmal die Tarife der Altkunden ebenfalls Teuerungsraten erleben, die aber allen Anschein nach in der Mehrheit „moderat ausfallen werden“.

Die privaten Krankenversicherung wird für viele Versicherungsnehmer deutlich kostenintensiver. Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden des Branchenriesen Signal Iduna, Reinhold Schulte, der gleichzeitig auch Verbandsvorsitzender der privaten Krankenversicherer (PKV) ist, „werden insbesondere die Beiträge für Männer steigen“. Das liege, so Schulte gegenüber der „Rheinischen Post“, vor allem an den neuen „Unisex-Tarifen“, „zu denen uns der Europäische Gerichtshof verpflichtet hat.“ In Zukunft müssen die Männer „die längere Lebenszeit der Frauen mitbezahlen“.

Bis zur Gesetzesänderung wurden die Tarife in der PKV Geschlechter differenziert berechnet. Zum einen gehen Frauen in der Regel häufiger zum Arzt und zum anderen leben sie in Deutschland durchschnittlich fünf Jahre länger. Aus diesem Grund mussten Frauen im Vergleich zu den Männern auch höhere Tarifbeträge zahlen. Dagegen wurde vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt. Das EU-Gericht sah es als erwiesen an, dass hier eine Ungleichbehandlung stattfinde. Aus diesem Grund verlangten die Richter eine Ausgabe von Geschlechtsneutralen Policen. Diese werden am 21. Dezember starten. Ab diesem Stichtag dürfen Versicherer nur noch Unisex-Tarife verkaufen. Bestandskunden können aber ihre bisherigen Policen behalten.

Bis zu 30 Prozent höhere PKV-Beiträge für Männer
Experten der Branche schätzen, dass der Beitragsunterschied bei etwa 30 Prozent liege. Richard Klumpp, Versicherungsexperte aus Hamburg, schätzt, dass „Männer in dieser Größenordnung mit einem Aufschlag in den neuen Tarifen rechnen müssen“. Teilweise „könnten noch höhere Aufschläge auf die Männer zukommen“, so Klumpp.

Wer aber meint, die Tarife der Frauen werden nun im Gegensatz dazu deutlich günstiger, irrt. In der Praxis wird es so sein, dass Versicherungsnehmerinnen kaum Kosten einsparen. Denn ab 2013 werden die meisten Anbieter den Zins für die Altersrückstellung von momentan 3,5 Prozent auf 2,75 Prozent senken, weiß der Experte zu berichten. „Die Differenz müssen dann die Versicherten drauf zahlen“. Darüber hinaus werden zahlreiche Versicherer ihr Leistungsspektrum erweitern. „Sogenannte Lockangebote sollen der Vergangenheit angehören, die Billigtarife schadeten der Branche im Ansehen sehr“. Daher wird zum Beispiel die Psychotherapie als Versicherungsleistung oft standardmäßig aufgenommen, wie auch Schulte erklärte. Denn die ehemaligen Einsteigertarife mit sehr niedrigen Beiträgen entpuppten sich schon einige Zeit später als echte Kostentreiber für Versicherte mit Preisanstiege von teilweise bis zu 60 Prozent.

Tarifanhebungen sollen für Altkunden moderat ausfallen
Es gibt aber auch gute Nachrichten. Wer bereits Mitglied einer Privaten Krankenversicherung ist, muss sich keine große Sorgen machen. Zwar werden zum Jahreswechsel erneut Tarifanhebungen erwartet, diese sollen aber nach Bekunden der Versicherer „moderat ausfallen“. Laut Schulte habe dies eine Umfrage bei den Unternehmen ergeben. Im letzten Jahr hatten die Versicherungsanbieter ihre Tarife zum Teil drastisch erhöht. Das sorgte für wenig Verständnis und großen Unmut. Viele Versicherer wollen nun ihre Tarife zum Jahresbeginn stabil halten. „Trotzdem wird es Tarife geben, die angepasst werden", berichtet Schulte.

Was tun bei Tarifsteigerungen?
Was sollen aber Versicherte unternehmen, wenn sie dennoch von Erhöhungen der Tarife betroffen sind. Oft treffen die Preisanstiege ältere Menschen, die sowieso nur wenig Geld zur Verfügung haben. Ein Systemwechsel in die gesetzliche Krankenkasse ist nicht möglich, das verbietet der Gesetzgeber und wäre auch unfair den Kassen gegenüber. Allerdings können Betroffene innerhalb des Versicherungsunternehmen einen günstigeren Tarif wählen, der zwar weniger Gesundheitsleistungen beinhaltet, dafür aber weniger laufende Kosten verursacht. Oft wollen die Versicherer einen Tarifwechsel verhindern. Sie sind jedoch gesetzlich dazu verpflichtet, einem Wechsel in einen anderen Tarif zuzustimmen. Vorteil ist, dass die angesparte Altersrückstellung dann mitgenommen werden kann. Wer aber gänzlich den Anbieter wechseln will, kann seine Rückstellungen fürs Alter nicht mitnehmen und fängt quasi wieder von vorn an. Ein Sprecher der Verbraucherzentralen betonte: „Eine zusätzliche Gesundheitsprüfung bei einem Tarifwechsel innerhalb der Versicherungsunternehmen ist gestattet“. Wird aber der Anbieter gewechselt, kann dieser eine Prüfung einholen.

Eine weitere Möglichkeit ist, den Selbstbehalt zu erhöhen. Zwar müssen Versicherte dann einen höheren Anteil der medizinischen Behandlungen beim Arzt selbst bezahlen, können aber so die laufenden Beitragszahlungen senken. „Das sollten aber nur junge Versicherte ins Auge fassen“, rät ein Sprecher der Verbraucherzentralen. Wer älter ist, ist oft auch anfälliger für Erkrankungen und muss dann unter Umständen mehr für seine Gesundheit zahlen, als vorher. Auch von dem Stichtag sollten sich Bürger nicht beeindrucken lassen. „Versicherungskonzerne lieben Stichtage, um potentielle Kunden unter Druck zu setzen“. Wer vorhat eine PKV abzuschließen, sollte sich weiterhin die Zeit nehmen, genau zu vergleichen. Und das am Besten bei einer Beratungsstelle, die keine Provision für den Verkauf einer Versicherungspolice bekommt. (sb)