PSA-Test zur Vorsorge von Prostatakrebs umstritten

Heilpraxisnet

PSA-Test als Vorsorge gegen Prostatakrebs umstritten

23.09.2014

Prostatakrebs ist bei deutschen Männern die häufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste Krebstodesursache. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt. Im gesetzlichen Früherkennungsprogramm ist eine Tastuntersuchung vorgesehen. Nicht beinhaltet dabei ist der sogenannte PSA-Test, eine spezielle Blutuntersuchung. Dieser Test gilt als umstritten.

Häufigste Krebserkrankung bei deutschen Männern
In Deutschland ist Prostatakrebs die häufigste Krebserkrankung bei Männern und die dritthäufigste Krebstodesursache. Dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge ist die Zahl der Neuerkrankungen in den vergangenen Jahren gestiegen. Ab einem Alter von 45 Jahren besteht für Männer hierzulande im Rahmen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms die Möglichkeit einer Untersuchung auf Prostatakrebs. Dabei sind die Abtastung der Genitalien und der dazu gehörigen Lymphknoten in der Leiste vorgesehen. Zudem wird die Prostata vom Enddarm aus abgetastet. Nicht enthalten ist hingegen der PSA-Test, eine spezielle Blutuntersuchung, die von den Patienten selbst bezahlt werden muss. Dieser Test gilt als umstritten.

Screening führt zu unnötigen Behandlungen
Bei dieser Untersuchung wird eine Blutprobe auf die Konzentration eines Enzyms aus der Prostatadrüse, das „prostataspezifisches Antigen“, untersucht. Ein hoher Wert kann auf ein Prostatakarzinom hinweisen, muss aber nicht. So berichteten etwa Forscher vor kurzem im Fachmagazin „The Lancet“, dass viele Gesunde nur durch einen Blutwert zu Krebspatienten gemacht würden. Das Screening führe demnach zu unnötigen Behandlungen und hätte bei 800 Männern lediglich einen Tod durch Prostatakrebs verhindert.

Überbehandlung von Gesunden billiger für Gesundheitssystem
Der Direktor der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums des Saarlandes, Michael Stöckle, findet es nach der „Lancet“-Studie enttäuschend, dass der schützende Effekt des PSA-Screenings auch nach einigen Jahren nicht größer ausfällt. Dennoch ist er dafür, dass vor allem jüngere Männer sich testen lassen. Sogar eine drastische Überbehandlung von Gesunden nach einem erhöhten PSA-Wert könne für das Gesundheitssystem billiger sein, als den Krebs in spätem Stadium zu bekämpfen. Kritiker führen aber an, dass der PSA-Test zu unspezifisch sei und nicht jeden Tumor erkennt.

Von Behandlung im frühen Stadium wird abgeraten
Wird jedoch tatsächlich eine Krebserkrankung diagnostiziert, – etwa durch eine Biopsie, bei der operativ Gewebeproben entnommen werden – bleibt die weitere Behandlungsmethode strittig. So gibt es vereinzelt Mediziner, die bei Prostatakrebs im frühen Stadium von einer Behandlung abraten und meinen der Krebs solle vorerst „aktiv überwacht“ werden. Erst wenn er nachweislich wächst, solle eingegriffen werden. Zu den Befürwortern dieses Abwartens gehört auch der Berliner Urologe Lothar Weißbach. Laut der „Welt“ sagte er: „In Deutschland wird zu viel operiert.“ Viele Patienten wüssten nicht, dass Prostatakrebs nur für wenige Menschen lebensbedrohlich sei. Krankenhäuser würden pro Eingriff bei einer Prostatabehandlung mehrere Tausend Euro verdienen.

Jede achte Prostatakrebs-OP lebensrettend
Die Deutsche Gesellschaft für Urologie wehrt sich gegen solche Kritik. Weißbachs Aussagen würden durch seine eigene Studie nicht belegt. Doch auch andere Untersuchungen kommen zu kritischen Ergebnissen. So belegt etwa eine Langzeituntersuchung aus Schweden, dass nur jede achte Operation des Prostatakrebs lebensrettend ist. Michael Stöckle, ein Urologe von der Uniklinik Saarland, hofft, dass künftig neue Tests entwickelt werden, die genauer zwischen gefährlichen und ungefährlichen Tumoren unterscheiden können. Die Nachteile der Überwachung, wie das Abtasten und die Blutabnahme, die vierteljährlich und möglicherweise bis ans Lebensende stattfinden, seien unangenehm, wie Weißbach sagte. Zudem müssten bei einigen Patienten bis zu vier Biopsien gemacht werden. In manchen Fällen könne die Eingriffe zu einer Sepsis führen oder Nerven beschädigen, die für die Potenz wichtig sind.

Eingriff führt häufig zu Inkontinenz und Impotenz
Außerdem kann das Abwarten bei manchen Patienten doch zu einem tödlichen Verlauf der Krebserkrankung führen. Auch die psychische Belastung könne sehr hoch sein. Bei Patienten, die sich für eine Operation entscheiden, wird die Prostata teilweise oder ganz entfernt. Allerdings kann dieser Eingriff den Krebs nicht immer stoppen und führt zudem oft zu Inkontinenz oder Impotenz. Auch wenn sich die Methode in den vergangenen Jahren gebessert habe, verliere mehr als die Hälfte der Männer nach der Entfernung der Prostata ihre Potenz. Dies hänge von der Größe des Tumors ab. „Da wo man potenzerhaltend operieren kann, müsste man vielleicht erst gar nicht operieren“, so Stöckle.

Bestrahlung wird nur von wenigen Deutschen gewählt
Ein anderer Weg ist die Bestrahlung, die laut Thomas Wiegel, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Ulm hierzulande aber eher selten gewählt wird. „Die Deutschen sind Freunde davon, etwas auszuschneiden, das gibt ihnen Sicherheit.“ Auch diese Methode wurde in den vergangenen Jahren verbessert und hat eine ähnliche Erfolgsaussicht wie die Operationen. Egal, welche Behandlung zum Einsatz kommt: Grundsätzlich gilt, dass ein Tumor umso besser behandelt werden kann, je früher das Stadium ist, in dem er gefunden wird.

Sterberisiko bei Prostatakrebs senken
Zu einer sehr positiven Einschätzung der Screenings kam erst kürzlich eine europäische Langzeitstudie. Die „European Randomised Study of Screening for Prostate Cancer“ (ERSPC), die 1993 in acht europäischen Ländern gestartet war, kam zu dem Ergebnis: PSA-Test senkt Sterberisiko bei Prostatakrebs um bis zu 20 Prozent. Prof. Peter Hammerer von der Arbeitsgemeinschaft Urologische Onkologie hatte dazu vor wenigen Wochen gegenüber der „dpa“ erklärt, dass das Screening zwar kein perfekter Test sei, aber helfen könne, Risiken abzuschätzen. Vor allem sei es wichtig, dass die Männer über die Vor- und Nachteile aufgeklärt würden, um die Aussagekraft des Tests einschätzen zu können. (ad)

Bild: Christoph Droste / pixelio.de