Psychische Störungen: Knapp ein Drittel betroffen

Heilpraxisnet

30 Prozent der Deutschen leiden unter psychischen Störungen

Rund ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland leidet jährlich an einer diagnostizierbaren psychischen Störung. Neben Depressionen zählen Angststörungen, Suchterkrankungen und psychosomatische Erkrankungen zu den häufigsten auftretenden Leiden. Neunzehn Professoren und Klinikchefs aus den Bereichen Psychologie und Psychosomatik kamen laut Medienberichten bei der Untersuchung seelischer Krankheiten in Deutschland zu dem Ergebnis, dass rund 30 Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres eine diagnostizierbare psychische Störung aufweist.

Folgen psychosozialer Krisen nicht beherrschbar
Die 19 Professoren und Klinikchefs warnen in der aktuellen Ausgabe des „Focus" nicht nur vor den gesellschaftlichen Folgen und den persönlichen Konsequenzen für die Betroffenen, sondern weisen auch auf die wirtschaftlichen Aspekte hin, die mit einer derartig hohen Anzahl psychischer Erkrankungen einher gehen. Es zeichne sich ab, dass die Kosten und Folgen psychosozialer Krisen in unserer Gesellschaft zukünftig nicht mehr beherrschbar seien, so die Aussage der Experten.

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Bei ihrer Analyse der seelischen Krankheiten in Deutschland kamen sie zu dem Ergebnis, dass rund 30 Prozent der Deutschen jährliche mindestens einmal an einer diagnostizierbaren psychischen Störung leiden, dabei sind Depressionen, Angststörungen, psychosomatische Erkrankungen und Suchterkrankungen die häufigsten auftretenden Leiden.

Adäquate Behandlung zukünftig nicht gesichert
Joachim Galuska, Ärztlicher Direktor der Psychosomatischen Kliniken Bad Kissingen, Thomas Loew, Universitätsprofessor für Psychosomatische Medizin in Regensburg und Johannes Vogler, Chefarzt der Klinik Isny-Neutrauchburg haben die jetzige Warnung in der „Focus“-Berichterstattung initiiert. Den drei Initiatoren zu Folge löst die enorm gestiegene Zahl der psychischen Störungen zum Beispiel bei der Behandlung erhebliche Probleme aus. Laut ist aufgrund der Vielzahl der Diagnosen eine adäquate Behandlung der Patienten zukünftig nicht mehr möglich. Auch wenn hohen zusätzliche Geldsummen zur Finanzierung bereitgestellt würden, müssten Psychologen, Psychotherapeuten und Psychiater drei bis fünf Mal mehr Patienten behandeln, als sie können, erklärten die Experten

Negative Wirtschaftliche Konsequenzen
Auch auf die wirtschaftlichen Folgen durch die steigenden Behandlungskosten weisen Galuska, Loew und Vogler hin. Der „Focus“ beziffert die Kosten für die Behandlung psychischer Störungen in Deutschland, unter Berufung auf neue Berechnungen des Statistischen Bundesamtes und des Robert Koch-Instituts, auf 28,6 Milliarden Euro im Jahr 2008. Mit 64.000 neuen Rentner, die aufgrund einer psychischen Erkrankung in den Ruhestand gegangen sind, ist auch hier ein besorgniserregender Rekord erreicht. Zudem seien im Jahr 2008 etwa 763.000 Erwerbstätigenjahre durch psychische und Verhaltensstörungen ausgefallen, erläuterten die Experten im dem aktuellen Bericht. Psychische Störungen sind derzeit die viert-häufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherungen, wobei die Zahl der Krankheitstage durch psychische Störungen sei 1991 um etwa 33 Prozent gestiegen ist.

Psychische Störungen in allen Industrieländern
Doch nach Aussage der Fachleute steht Deutschland nicht allein vor einem derartigen Phänomen. Sämtliche entwickelten Industrieländer leiden in ähnlicher Weise an einer massiven Zunahme der psychischen Störungen sowie den entsprechenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen. Weder die Kosten noch die Folgen dieser wachsenden Zahl psychosozialer Krisen innerhalb unserer Gesellschaft sind auf Dauer zu bewältigen, so das Fazit der Experten. Daher rufen sie im Rahmen des „Focus“-Artikels alle Mitbürger dazu auf, sich an der Diskussion zur Lösung des Problems zu beteiligen.

Jeder sollte sich bewusst sein, dass „Seelenfrieden (…) sich nicht erkaufen“ lässt, betonten die Professoren und Klinikchefs und „deshalb müssen wir dringend über diesen Befund reden. Jetzt.“ Mit dieser Forderung stehen die Uni-Professoren bei weitem nicht alleine dar. So hat zum Beispiel auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits mehrfach auf die gesellschaftlichen Folgen einer wachsenden Zahl psychischer Störungen hingewiesen. Laut einer Studie der WHO leidet weltweit jeder vierte Arztbesucher an entsprechenden psychischen Erkrankungen. Deutsche Studien gingen bisher von ca. 8 Millionen Deutschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen aus. So gehören derartige Leiden zu den häufigsten Beratungsanlässen in der allgemeinmedizinischen Praxis. Manche Experten weisen jedoch auch darauf hin, dass ein Teil des Anstieges bei den psychischen Störungen den verbesserten Diagnosen und Behandlungen zuzuschreiben ist. Entsprechende Leiden und deren Behandlung seien heute entstigmatisiert, wodurch sich die Akzeptanz von Psychotherapien erhöht habe – mit entsprechendem Effekt auf die Statistik. (fp, 26.10.2010)