Psychologie: Menschen äußern weit mehr als sechs Kategorien von Emotionen

Alexander Stindt
Mehr Kategorien emotionaler Reaktionen feststellbar, als bislang angenommen
Bisher nahmen Experten an, dass Menschen die folgenden sechs Emotionen empfinden können: Glück, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung. Forscher fanden jetzt aber heraus, dass es in Wirklichkeit 27 getrennte Kategorien von menschlichen Emotionen gibt.

Die Wissenschaftler der University of California, Berkeley stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Menschen scheinbar 27 verschiedene Kategorien von Emotionen empfinden können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS).

Lange Zeit gingen Forscher davon aus, dass Menschen nur sechs verschiedene Emotionen empfinden können. Bei einer neuen Untersuchung wurde jetzt festgestellt, dass es bei Menschen in Wirklichkeit 27 verschiedene Kategorien von Emotionen zu geben scheint. (Bild: iko/fotolia.com)

Teilnehmer sahen verschiedene emotionale Videoclips
Für ihre Untersuchung analysierten die Forscher mit der Hilfe von neuartigen statistischen Modellen die Reaktionen von mehr als 800 Männern und Frauen auf über 2.000 emotionale Videoclips. Dabei identifizierten die Mediziner 27 verschiedene Kategorien von Emotionen und schufen eine multidimensionale, interaktive Karte. Diese zeigt, wie die Emotionen miteinander verbunden sind. Es waren 27 verschiedene Kategorien von Emotionen nötig, um die Gefühle und Reaktionen auf die Videos zu beschreiben, nicht wie früher angenommen nur sechs, erklärt Autor Professor Dacher Keltner von der University of California, Berkeley.

Erkenntnisse könnten zu verbesserter psychiatrischer Behandlung führen
Im Gegensatz zu der Vorstellung, dass jeder emotionale Zustand für sich alleine steht, stellte die Studie fest, dass alle Emotionen miteinander verbunden sind. Emotionale Erfahrungen sind sehr viel umfangreicher und nuancierter als bisher gedacht, erläutert Autor Dr. Alan Cowen. „Unsere Hoffnung ist jetzt, dass die Erkenntnisse anderen Wissenschaftlern und Medizinern helfen, die emotionalen Zustände zu erfassen, welche den Stimmungen, Gehirnaktivitäten und ausdrucksstarken Signalen zugrunde liegen“, so der Experte weiter. Dies könnte laut Dr. Cowen zu einer verbesserten psychiatrischen Behandlung führen.

853 Teilnehmer betrachteten eine Auswahl aus 2.185 emotionalen Videoclips
Für die Studie sah sich eine demographisch vielfältige Gruppe von 853 Männern und Frauen online eine zufällige Stichprobe von 5 bis 10 Sekunden langen Videos an, welche eine breite Palette von Emotionen hervorrufen sollten. Die Themen aus den 2.185 Videoclips, die aus verschiedenen Online-Quellen für die Studie gesammelt wurden, beinhalteten beispielsweise Geburten und Babys, Hochzeiten, Tod und Leiden, Spinnen und Schlangen, physische Stürze, sexuelle Handlungen und Naturkatastrophen.

Probanden wurden in drei Gruppen unterteilt
Drei getrennte Gruppen von Studienteilnehmern beobachteten die Sequenzen von Videos und berichteten danach von ihren Emotionen. Die erste Gruppe meldete ihre emotionalen Reaktionen auf 30 verschiedene Videoclips. Die Antworten spiegelten eine reiche und nuancierte Reihe von emotionalen Zuständen wider, fügt Dr. Cowen hinzu.

Probanden bewerteten das Auftreten von Gefühlen, welche durch die Videos ausgelöst wurden
Die zweite Gruppe von Probanden bewertete bei den Videos, wie stark verschiedene Gefühle bei ihnen auftraten. Zu diesen gehörten beispielsweise Bewunderung, ästhetische Wertschätzung, Vergnügen, Wut, Angst, Ehrfurcht, Langeweile, Ruhe, Verwirrung, Verachtung, Verlangen, Enttäuschung, Ekel, empathische Schmerzen, Neid, Aufregung, Angst, Schuld, Schrecken, Interesse, Freude, Nostalgie, Stolz, Romantik, Traurigkeit, Zufriedenheit, sexuelles Verlangen, Überraschung, Sympathie und Triumph.

Wissenschaftler identifizieren insgesamt 27 verschiedene Kategorien von Emotionen
Dabei fiel den Mediziner auf, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer die gleiche Kategorie von Emotionen für jedes Video zeigte. Die dritte Gruppe beurteilte ihre emotionalen Reaktionen zu jedem Video auf einer Skala von 1 bis 9. Die Forscher konnten vorhersagen, wie die Teilnehmer die Videos bewerten würden, abhängig davon, welche Emotionen bei den vorherigen Teilnehmer aufgetreten waren. Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass Studienteilnehmer in der Regel die gleichen oder ähnliche emotionale Reaktionen auf jedes Video. Durch die Auswertung einer Fülle von Daten war es den Wissenschaftlern nach eigenen ANgaben möglich, 27 verschiedene Kategorien von Emotionen zu identifizieren. (as)