Psychologiestudien: Musik macht Männer wesentlich attraktiver

Nina Reese
Musik beeinflusst die Einschätzung von Gesichtern des anderen Geschlechts
Musik hat viele positive Effekte. Sie kann beispielsweise bei schlechter Stimmung helfen, Trost spenden, Schmerzen lindern und die Konzentration fördern. Eine neue Studie der Universität Wien hat gezeigt, dass Musik auch bei der Partnerwahl eine Rolle spielt. Demnach empfinden Frauen Männer als attraktiver, wenn sie zuvor Musik gehört haben. Die Ergebnisse der Studie wurden nun in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „PLOS ONE“ veröffentlicht.

Effekt auf die sexuelle Anziehung
Mit der nicht sehr charmanten Redewendung „sich jemanden schön trinken“ wird das Phänomen beschrieben, dass eine Person immer attraktiver wird, umso mehr Alkohol man selbst trinkt. Doch nicht nur Alkohol kann einen Einfluss darauf haben, wie wir die Attraktivität des Gegenübers einschätzen. Auch Musik hat offenbar einen Effekt auf die sexuelle Anziehung.

Musik kann Einfluss darauf haben, wie attraktiv wir jemanden finden. (Bild: Katia Fonti /fotolia.com)

Zu diesem Ergebnis sind nun Forscher der Universität Wien im Rahmen einer aktuellen Studie gekommen. Ein Team von PsychologInnen um Manuela Marin und Helmut Leder untersuchte, inwiefern Musikerleben einen Einfluss auf die subjektive Bewertung von Gesichtern des anderen Geschlechts hat.

„Die Attraktivität des Gesichts ist eines der wichtigsten körperlichen Merkmale, welche die Partnerwahl beeinflussen kann. Wir wollten herausfinden, wie Musik die Wahrnehmung dieses Merkmales verändern kann“, so Helmut Leder von der Fakultät für Psychologie der Universität Wien, laut einer aktuellen Pressemitteilung.

Schon der Begründer der Evolutionstheorie, Charles Darwin, habe die Annahme vertreten, dass sich die Musik durch sexuelle Selektion entwickelt habe – vergleichbar mit Vogelgesang während der Paarungszeit. Darwin nach fungieren die für das Musizieren notwendigen motorischen und kognitiven Fähigkeiten als Signal für gute Gene und erhöhen damit den Fortpflanzungserfolg, so die Forscher. Derzeit gebe es jedoch nur wenige empirische Befunde, die diese Theorie stützen.

Knapp 100 Probanden bewerten Fotos
Die Studie umfasste insgesamt 96 Teilnehmer, welche zu gleichen Teilen in drei Gruppen eingeteilt wurden: Frauen in der fruchtbaren Phase ihres Zyklus, Frauen in der unfruchtbaren Phase und Männer. Die Wissenschaftler spielten den Probanden zunächst Musikausschnitte mit verschiedenem emotionalem Gehalt vor und zeigten ihnen anschließend Fotos von neutral schauenden Gesichtern des anderen Geschlechts. Dieses bewerteten die Männern und Frauen in Hinblick auf seine Attraktivität auf einer Skala, ebenso wurde die Bereitschaft für ein Date mit dieser Person dokumentiert. Eine Kontrollgruppe bewertete die Gesichter, ohne Musik gehört zu haben.

Keine Veränderung bei Männern
Das Ergebnis: Das Hören von Musik führte bei den Frauen dazu, dass sie die Gesichter der Männer attraktiver einschätzen und eher zu einer Verabredung bereit waren als die Kontrollgruppe. Ob sie sich dabei in der fruchtbaren oder unfruchtbaren Hälfte ihres Zyklus befanden, spielte keine große Rolle, berichten die Forscher. Den größten Effekt im Vergleich zu den Kontrollbedingungen habe „hocherregende und somit komplexe Musik“ gehabt, so die Mitteilung. Bei den Männern hingegen hatte die Musik keinen Einfluss auf die Bewertung der Bilder.

Weitere Forschung notwendig
Die Ergebnisse würden den Wissenschaftlern zufolge neue Möglichkeiten eröffnen, um die Bedeutung von Musik bei der Partnerwahl zu untersuchen. Es gelte beispielsweise zu klären, ob musikalische Fähigkeiten z.B. Schwächen im Bereich der Fitness ausgleichen können.

„Die empirischen Befunde, dass Musik die Kraft besitzt, menschliches Verhalten in Bezug auf die Partnerwahl zu beeinflussen, nehmen zu. Aber wie kann man Darwins Theorie mit anderen biologischen und sozialen Theorien zur Entstehung von Musik in Einklang bringen? Musik kann den sozialen Zusammenhalt fördern, und sie spielt auch eine Rolle in der Mutter-Kind Beziehung. Bis wir diese Zusammenhänge verstehen, ist es noch ein weiter Weg“, so Manuela Marin, die mittlerweile am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck tätig ist. (nr)