Quelle für PCB- & Dioxin-Belastung nachgewiesen

Fabian Peters

Landwirtschaftsministerium informiert über PCB

06.07.2012

In den vergangenen Monaten wurden in drei Landkreisen Niedersachsens PCB- und Dioxin-verseuchte Eier entdeckt. Nun hat das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium über den Sachstand bei der Suche nach den Ursachen der Kontamination informiert.

Seit Jahresbeginn wurde in mehreren Legehennenbetrieben der Landkreise Emsland, Aurich und Oldenburg eine Grenzwertüberschreitung bei der PCB- und Dioxin-Belastung der Eier festgestellt. Bei der anschließende Suche nach den Ursachen fiel der Verdacht schnell auf Kontaminationen durch belasteten Boden im Bereich der Auslaufflächen. Für die Betriebe in den Kreisen Oldenburg und Aurich hat sich dieser Verdacht bestätigt, im Landkreis Emsland steht der endgültig Nachweis noch aus.

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Quelle der PCB-Belastung im Landkreis Emsland noch unklar
Dem niedersächsischen Landwirtschaftsministerium zufolge haben im Landkreis Emsland „die Ergebnisse der amtlichen Proben der Eier zu einer Bestätigung des Befundes im Rahmen der Eigenkontrollen des Bio-Legehennenbetriebes geführt.“ In den vier Stallabteilungen hatte der Summenwert aus Dioxin und dl-PCB in den Eiern den zulässigen Grenzwert von maximal fünf Pikogramm je Gramm Fett überschritten, so die Mitteilung des Ministeriums. Die gemessenen Werte lagen demnach zwischen 17,07 und 43,26 Pikogramm je Gramm Eifett. Eine Kontamination über das verwendete Futtermittel konnte den Behörden zufolge im Rahmen der Ermittlungen als Eintragsursache ausgeschlossen werden. Derzeit werden laut Angaben des Ministerium „systematisch weitere Kontaminationsquellen untersucht.“ Dabei konzentrieren sich die Ermittlungen auf die Auslaufflächen des Betriebes. Bis eine endgültige Bewertung der Kontaminationsquelle im Landkreis Emsland feststeht, werden voraussichtlich jedoch noch mehrere Wochen vergehen. Solange bleibt der Betrieb gesperrt.

Kontaminierte Auslauffläche und Bausubstanz im Landkreis Aurich
Im Landkreis Aurich wurde in drei Legehennenbetriebe eine Grenzwertüberschreitung bei der Belastung der produzierten Hühnereier festgestellt. Nach wochenlangen Untersuchungen liegt nun die in Abstimmung mit dem Landkreis Aurich, dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und dem Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Hildesheim erarbeitete abschließende Stellungnahme des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vor. Diese kommt zu dem Ergebnis, dass bei allen drei betroffenen Betrieben die wesentliche Ursache für die Belastung der Lebensmittel in den Auslaufflächen der stallnahen Bereiche identifiziert werden konnte. Die Bodenproben haben „eine unterschiedliche Belastungssituation der naturnahen Böden zu den von Menschen durch Materialeinträge veränderten Böden festgestellt“, so die Mitteilung des Landwirtschaftsministeriums. Bevor die Auslaufflächen erneut genutzt werden können, müssen dem Ministerium zufolge „konsequente Sanierungsmaßnahmen erfolgen.“ Außerdem haben sich bei einem der drei Betriebe Hinweise auf Eintragsquellen durch die bauliche Substanz des Legehennenstalls ergeben, so dass auch hier entsprechende Sanierungsmaßnahmen erforderlich sind, bevor eine erneute Nutzung erfolgen kann. Die Behörden fanden eine erhöhte PCB-Belastung in einer aufgepickten Wandverkleidung. Die drei Betriebe des Landkreises Aurich bleiben bis zu Sanierung weiterhin amtlich gesperrt.

Sanierungsmaßnahmen im Landkreis Oldenburg abgeschlossen
Im Landkreis Oldenburg sind die Untersuchungen und die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen am weitesten fortgeschritten. „Nachdem die Untersuchung von Bodenmaterialien aus dem Auslaufbereich des Betriebs deutlich auffällige Befunde erbracht hatte, wurden die Auslaufflächen inzwischen saniert“, so die Mitteilung des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Im Anschluss an die Sanierungsmaßnahmen hätten die Bodenproben keine auffälligen Werte mehr ergeben, so dass nun erneut Junghennen eingestallt werden können. Allerdings bleibt der Betrieb vorerst weiterhin „gesperrt und wird durch amtliche Kontrollen engmaschig begleitet“, erklärte das Landwirtschaftsministerium.

Boden als Quelle für PCB und Dioxin
Die Dioxin-Belastung bei den Betrieben in den drei niedersächsischen Landkreisen verdeutlicht, dass insbesondere bei den Bio-Betrieben und der Freilandhaltung verstärkt auch Kontaminationen des Bodens als mögliche Quelle für PCB- und Dioxin-Verseuchungen der Eier bedacht werden müssen. Bisher fiel der Verdacht meist zuerst auf die Futtermittel, doch die verbesserten Kontrollen scheinen nach dem Dioxin-Skandal um belastetes Futtermittel Anfang 2011 tatsächlich Wirkung zu zeigen. Stattdessen werden nun jedoch vermehrt Kontaminationen durch PCB- oder Dioxin-verseuchten Boden im Bereich der Auslaufflächen registriert. (fp)