Quietscheenten ein Gesundheitsrisiko: In Badeenten lauern Millionen Keime

Alfred Domke

Krankheitserreger: Forscher finden in Badeenten Unmengen an gefährlichen Keimen

In vielen Badezimmern darf die bunte Quietsche-Ente nicht fehlen. So manches Kind mag ohne das Spielzeug gar nicht in die Wanne. Doch in den Plastiktierchen lauern Gefahren. Forscher fanden in dem Badespielzeug Unmengen an Keimen, die teilweise gefährliche Infektionen auslösen können.


Vielfältige Bakterienkulturen in Badeenten

Für viele Kinder machen sie das Baden zum Vergnügen: Kleine gelbe Enten oder auch mal ein giftgrünes Krokodil. In einer aktuellen Untersuchung hat sich jedoch gezeigt, dass das Badespielzeug oft voller gefährlicher Keime steckt. Die Forscher aus der Schweiz und den USA fanden in den Plastikspielsachen Pilze und Bakterien, die bei den Kindern teilweise Ohren-, Augen- und Darminfektionen verursachen könnten. Nebst dem Plastikmaterial tragen auch die Badenden selbst dazu bei, dass in den Entchen vielfältige Bakterienkulturen aufwachsen können.

Forscher haben in Badeenten Millionen Keime gefunden. Die Pilze und Bakterien könnten bei Kindern teilweise Ohren-, Augen- und Darminfektionen verursachen. (Bild: Claudia Marx/fotolia.com)

Kinder spritzen sich nicht selten braune Brühe ins Gesicht

In Badezimmern ist es in der Regel warm und feucht. Das sind ideale Bedingungen für das Wachstum von Biofilmen aus Bakterien und Pilzen, beispielsweise auf Duschvorhängen oder hinter Kästchen.

Im besonderen Maß gilt dies aber für Gummientchen und andere Spielsachen, die beim Baden verwendet werden. Denn im Innern der weichen Tierchen, können üppige Teppiche aus Bakterien und Pilzen wachsen.

Wenn ein Kind dann sein Spielzeug zusammen drückt, spritzt nicht selten eine braune Brühe daraus hervor.

Jetzt hat eine Gruppe von Forschern der Eawag (Eidgenössische Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz), der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und der Illinois-University (USA) untersucht, welche Faktoren diesen Bewuchs fördern und welche Arten von Mikroorganismen darin vertreten sind.

Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Fachjournal „NPJ Biofilms and Microbiomes“ veröffentlicht.

Potentiell krankheitserregende Bakterien in 80 Prozent der Entchen

Die Wissenschaftler haben dazu benutzte Badespielzeuge gesammelt und die Biofilme aus Bakterien und Pilzen auf der Innenseite charakterisiert, berichtet die Eawag in einer Mitteilung.

Parallel dazu wurden auch Tests mit neuen Gummientchen durchgeführt. Diese haben die Forscher elf Wochen lang Bedingungen ausgesetzt, wie sie in einem Haushalt realistisch wären – einige als Kontrollgruppe nur in sauberem Trinkwasser und einige im benutzten Badewasser samt Faktoren wie Seifenreste, Schmutz und Schweiß, aber auch Bakterien des menschlichen Körpers.

Anschließend wurden alle Entchen im Labor aufgeschnitten und untersucht. „Die Ergebnisse klingen nicht appetitlich“, heißt es in der Mitteilung. Zwischen fünf Millionen und 75 Millionen Zellen pro Quadratzentimeter tummelten sich auf den Plastikflächen.

Vor allem bei den unter echten Bedingungen genutzten Badeentchen aber auch zwischen den Kontrollgruppen gab es große Unterschiede in der Zusammensetzung der Biofilm-Gemeinschaften.

Auf 60 Prozent der real benutzten und auf sämtlichen im Schmutzwasser benutzten Kontroll-Entchen fanden sich diverse Pilze.

In 80 Prozent aller Entchen fanden die Forscher Vertreter potentiell krankheitserregender Bakterien, darunter Legionellen oder die als hartnäckige Krankenhauskeime bekannten Stäbchenbakterien Pseudomonas aeruginosa.

Auch Badende bringen Schmutz in die Wanne

Dann sind die Wissenschaftler den Ursachen für die üppigen Biofilme nachgegangen: Als erstes haben sie das Leitungswasser untersucht. Dieses weist in der Regel so niedrige Nährstoffkonzentrationen auf, dass Bakterien nur minimal wachsen können.

Doch die Entchen selbst bieten eine Nährstoffquelle. Denn aus dem weichen Plastikmaterial – häufig qualitativ minderwertige Polymere – wird viel organischer Kohlenstoff freigesetzt.

Beim Baden gelangen weitere wichtige Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor, aber auch zusätzliche Bakterien in die Wanne, zum Beispiel vom Körper der Badenden, durch mitgebrachten Schmutz oder von Pflegeprodukten wie Shampoos und Cremen.

Gefährliche Schadstoffe

Auch hierzulande waren in der Vergangenheit teilweise unerlaubt hohe Mengen verschiedener Schadstoffe in Wasserspielzeug wie Gummienten gefunden worden.

So berichtete der TÜV Rheinland über Funde von sogenannten Phthalat-Weichmachern, die laut den Experten im Verdacht stehen, „hormonell zu wirken und krebserregend zu sein“.

Zudem hatten einige Produkte zu hohe Werte an giftigen Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) enthalten, die ebenfalls im Verdacht stünden, Krebs zu verursachen.

Keime können Entzündungen und Infekte verursachen

Die Hauptautorin der aktuellen Studie, die Mikrobiologin Lisa Neu, setzt sich in ihrer Doktorarbeit – nicht nur am Beispiel der Gummientchen – damit auseinander, wie sich auf Plastik Biofilme bilden und wie die Materialien mikrobielle Prozesse im Trinkwasser beeinflussen.

Ihr Betreuer, Frederik Hammes, ist nicht erstaunt über die Ergebnisse: „Im Internet finden sich viele Foren und Blogs über schmutzige Badeenten, bloss wissenschaftlich untersucht wurden sie bisher kaum.“

Dabei seien die Spielzeuge äußerst spannende Forschungsobjekte, „denn sie bilden die Schnittstelle zwischen Trinkwasser, Kunststoffen, externen Verschmutzungen und anfälligen Endnutzern“, so Hammes.

Mit den anfälligen oder empfindlichen Nutzern spricht der Experte auf die (Klein-)Kinder an, die sich gerne auch bespritzen mit der Brühe aus den Entchen.

„Das kann die Immunabwehr stärken. Dann ist es positiv“, sagt der Forscher, „aber es kann auch zu Entzündungen an Augen und Ohren führen oder zu Magen-Darm-Infekten.“

Strengere Vorschriften

Also besser keine Badeentchen mehr in der Wanne? Nach jeder Nutzung aufwändig reinigen? Oder, wie im Internet auch empfohlen, schon vor der ersten Nutzung den Spritz-Spaß unterbinden und das Loch zukleben?

Hammes sieht noch einen weiteren Weg: Strengere Vorschriften für die Polymere, die für die Entchen verwendet werden.

Das habe für problematische Chemikalien schließlich auch geklappt, jetzt müsste man noch die Freisetzung des Kohlenstoffs mitberücksichtigen, so wie es bei den Tests für Trinkwasserleitungen aus Kunststoff heute schon gemacht wird. (ad)