Radioaktive Partikel erreichen heute Europa

Sebastian

Umweltbundesamt: Radioaktive Partikel erreichen im Laufe des Tages Europa

23.03.2011

Während europäische und deutsche Behörden in den letzten Tagen immer wieder davon sprachen, radioaktive Partikel aus dem japanischen Kernkraftwerk Fukushima würden unter keinen Umständen Deutschland oder Europa erreichen, wird die heutige Meldung viele Menschen verunsichern. Denn Messstationen des Umweltbundesamt rechnen nun damit, dass tatsächlich Luftströmungen mit radioaktiven Partikel den mitteleuropäischen Raum erreichen. Allerdings gingen von den Partikeln keine gesundheitlichen Gefahren aus, wie man betonte. Die ankommende Radioaktivität werde „sehr, sehr gering“ sein, wie einer Sprecher der Umweltbehörde versicherte.

Mehr zum Thema:

Radioaktive Luftströmungen erreichen Europa
Im Verlauf des heutigen Tages könnten bereits erste verseuchte Luftströmungen Mitteleuropa erreichen. Hatten Experten und Behörden immer davon gesprochen, die Entfernung zum havarierenden Kernkraftwerk sei zu groß, um von einer Gefahr für Menschen in Europa zu sprechen, deutet nun alles daraufhin, dass die Geschehnisse in Japan sich zu einem weltweiten Problem ausweiten. Die Nachrichtenlage in Japan ist bisweilen sehr undurchsichtig, die Betreiberfirma TEPCO und die japanischen Behörden geben nur gefilterte und sich oftmals widersprechende Informationen bekannt. Viele Menschen in Japan zweifeln bereits an den öffentlich bekanntgegebenen Nachrichten. Auch internationale Behörden und Politiker kritisierten immer wieder die unzureichenden Informationen der japanischen Regierung. So kritisierte der Strahlenbiologe Edmund Lengfelder, die japanischen Behörden versorgen die Bevölkerung mit "gezielten Falschinformationen". Lengfelder vermutet, dass die Menschen in Japan nicht "angemessen" und der Wahrheit entsprechend unterrichtet werden. Demnach sind auch Meldungen aus Japan, die die Welt erreichen, kritisch zu bewerten.

Werte in Deutschland derzeit noch stabil
Weltweit steigen nun die Befürchtungen der Menschen, nun selbst von einer Strahlenlast betroffen zu sein. Der Leiter der Messstation des Umweltbundesamtes, Erich Wirth berichtete gegenüber dem Fernsehsender MDR, in den letzten Tagen wurden im US-Bundesstaat Kalifornien und in Island eine erhöhte Radioaktivität gemessen. „Von dort aus ist es nicht mehr weit bis Mitteleuropa“, sagte der Experte. Allerdings sei die ankommende Radioaktivität „sehr, sehr niedrig“. In Deutschland sind die Werte derzeit noch stabil. Er rechnet aber damit, dass eine sogenannte Spurenanalyse Werte feststellbar mache. Von einer Gefahr für die Gesundheit ist nach vorliegenden Daten nicht auszugehen.

USA verschärfen Importvorschrift
Die Lebensmittelbehörde in den USA hat im Zuge dessen eine Verschärfung der Importvorschriften umgesetzt. Lebensmittel aus den japanischen Präfekturen Fukushima, Ibaraki, Tochigi und Gunma dürften nur noch eingeführt werden, wenn zuvor alle Lebensmittel eine intensive Prüfung auf Radioaktivität durchliefen. Die Neuregelungen gelten vor allem für Milch, Milchprodukte, Gemüse und Obst. Japanische Behörden hatten in den letzten Tagen stark erhöhte Strahlenbelastungen in Lebensmitteln festgestellt. Auch das Leitungswasser ist mittlerweile von zum Teil sehr hohen Werten betroffen. Frankreich hat die EU aufgefordert, ebenfalls die Einfuhrbestimmungen zu verschärfen. Es seien "systematische Kontrollen aller frischen Lebensmittel" aus Japan notwendig. Ein Einfuhrverbot sei nach Meinung der Franzosen momentan nicht notwendig.

Massenproteste in Deutschland erwartet
Umweltschützer und Verbände in Deutschland rufen zu „massenhaften Protestaktionen“ am 26. März in Deutschland auf. In vier Großstädten wolle man Demonstrationen durchführen, wie die globalisierungskritische Initiative „Attac“ vermeldet. Bereits am vergangenen Montag hatten in 700 verschiedenen Orten Deutschlands Tausende Menschen einen sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie gefordert. (sb)