Rätselhaftes Leid: Patient muss nach einem Bier zwanghaft sich selbstbefriedigen

Alfred Domke
Rätselhafte Krankheit: Junger Mann onaniert nach kleinem Bier öffentlich ohne Scham
Wissenschaftler aus China berichten über einen weltweit bislang einmaligen Fall. Ein junger Mann des Landes entwickelt nach dem Konsum von nur sehr geringen Mengen Alkohol psychotische Symptome. Unter anderem masturbiert er dann schamlos in der Öffentlichkeit.

Psychotische Symptome bei Alkoholismus
Dass sich bei Patienten mit Alkoholismus oft psychotische Symptome entwickeln, ist bekannt. So kann es bei manchen Betroffenen während oder kurz nach der Einnahme von Alkohol zu Wahrnehmungsstörungen oder Wahnvorstellungen kommen. Wissenschaftler aus China berichten nun jedoch über einen Fall, bei dem solche Symptome auch schon nach kleinsten Mengen Alkohol auftreten – und zwar bei einem jungen Mann, der nicht alkoholabhängig ist.

Ein kleines Bier richtet bei Erwachsenen in der Regel keinen großen Schaden an. Bei einem jungen Chinesen kann der Konsum eines Glases aber heftigste psychotische Symptome auslösen. Zum Beispiel masturbiert er dann öffentlich. (Bild: Nitr/fotolia.com)
Ein kleines Bier richtet bei Erwachsenen in der Regel keinen großen Schaden an. Bei einem jungen Chinesen kann der Konsum eines Glases aber heftigste psychotische Symptome auslösen. Zum Beispiel masturbiert er dann öffentlich. (Bild: Nitr/fotolia.com)

Bislang einzigartiger Fall
Wie die chinesischen Wissenschaftler des „Department of Psychiatry, Xiamen Xianyue Hospital“ in Xiamen und der „School of Nursing, Sun Yat-Sen University“ in Guangzhou im Fachjournal „Neuropsychiatric Disease and Treatment“ berichten, gibt es nach ihrer Kenntnis bislang keine ähnlichen Fälle, die in der Fachliteratur festgehalten wurden. Ihren Angaben zufolge gab der Patient die Einwilligung zur Veröffentlichung des Fallberichts.

Schamlos in der Öffentlichkeit onaniert
Laut dem Bericht entwickelte der 24-jährige Herr Z. nur zehn Minuten, nach dem er zwei Gläser Bier (200 Milliliter) getrunken hatte, psychotische Symptome. Der zuvor gesunde Student wurde sehr aufgeregt und fing an zu schreien, dass seine Eltern in Gefahr seien und er gehen müsse, um sie zu retten.

Außerdem masturbierte er in der Öffentlichkeit, ohne Scham zu empfinden und dass, obwohl zwei Kommilitoninnen dabei waren. Daraufhin wurde er umgehend in ein Krankenhaus gebracht.

Patient hat Angst um seinen Vater
Dort dauerte sein merkwürdiges Verhalten an. Er forderte, dass die Tür und die Vorhänge geschlossen werden. Wenn die Schwestern das Licht einschalteten schrie er sie an. Als er seinen Vater sah, ergriff er dessen Hände, als ob er befürchte, ihn zu verlieren. Der Patient schloss zwar die Augen, konnte aber die ganze Nacht nicht schlafen. Alle fünf Minuten rief er nach seinem Vater, um sicherzustellen, dass er der Nähe war. Antwortete dieser nicht, wurde der junge Mann sehr nervös.

Medikamente brachten Besserung
Die Untersuchungen per Magnetresonanztomographie (MRT) und 24-Stunden-Elektroenzephalogramm ergaben nichts auffälliges. Auch weitere Tests zur Diagnostik psychischer Störungen lieferten keine Erklärung für das Verhalten des 24-Jährigen. Genauso wenig wie die 0,2 Promille, die bei ihm gemessen wurden. Er hatte in den drei Monaten zuvor ohnehin nur zwei oder drei Mal Alkohol konsumiert.

Die Mediziner schlussfolgerten daher, dass es sich um vorübergehende psychotische Symptome handelte und nicht um Schizophrenie. Sie gaben dem Patienten deswegen Quetiapin, einen Arzneistoff, der zur Behandlung psychischer Störungen eingesetzt wird. Schon kurz darauf konnte Herr Z. symptomfrei entlassen werden.

Finger weg vom Alkohol
Doch nur rund 40 Tage später wiederholte sich das Ganze, nachdem er mit Verwandten ein kleines Bier getrunken hatte. Der Vater brachte ihn in die Klinik, wo er erneut die erfolgreiche medikamentöse Therapie erhielt. Der Alkoholpegel war auch in diesem Fall kaum der Rede wert.

Als er rund 30 Tage danach wieder ins Krankenhaus kam und die Ärzte hörten, dass Herr Z. zuvor drei Gläser Bier á 150 Milliliter getrunken hatte, schlussfolgerten sie, dass die kleine Menge Alkohol bei dem Patienten offenbar der Auslöser für die Anfälle ist.

Die Mediziner rieten dem Mann daraufhin, die Finger von Bier zu lassen. Und das wirkte: „Seitdem hat er aufgehört, die Medizin zu nehmen und trinkt auch keinen Alkohol mehr. Außerdem bringt er wieder gute Leistungen an der Universität (so wie zuvor)“, schreiben die Ärzte.

Genaue Ursache noch immer unklar
Den Wissenschaftlern Da-Li Lu und Xiao-Ling Lin ist es allerdings noch immer nicht ganz klar, warum die geringen Mengen Alkohol eine so große Wirkung haben. In ihrer Veröffentlichung spekulieren sie darüber, ob sich bei Herrn Z. möglicherweise doch frühe Symptome einer Schizophrenie zeigen und der Alkohol die damit verbundenen psychotischen Episoden fördert. Es könnte aber auch sein, dass der Patient unter einer Angststörung leidet, die mit Alkoholkonsum in Verbindung steht. (ad)