Rauchen schädigt die Gene schon nach Minuten

Fabian Peters

US-Studie: Giftstoffe des Tabakrauchs verbreiten sich im Körper innerhalb von Minuten. Rauchen kann die Gene bereits nach einer Zigarette schädigen.

17.01.2011

US-Wissenschaftler haben herausgefunden, dass bereits der erste Zug an einer Zigarette die Gene schädigen kann. Die giftigen Inhaltsstoffe des Tabakrauchs entfalten innerhalb von Minuten ihre gesundheitsgefährdende Wirkung, so die Aussage der US-Forscher unter Bezug auf ihre aktuellen Untersuchungsergebnisse.

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Neben den bereits bekannten negativen Sofortwirkungen des Rauches wie gereizte Augen, trockene Mund- und Nasenschleimhaut, schlecht durchblutete, matt wirkende Haut und eine Verschlechterung des Geschmackssinns, haben die US-Wissenschaftler im Rahmen ihrer Studie nun eine unmittelbare Wirkung der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) festgestellt. Binnen Minuten nach dem Rauchen einer Zigarette entfalten die PAK im Körper ihre Wirkung, welche zu krebsfördernden genetischen Veränderungen führen kann, berichten Stephen S. Hecht von der University of Minnesota und Kollegen von den Ergebnissen ihrer Studie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Research in Chemical Toxicology“.

PAK entfalten schädliche Wirkung binnen Minuten
Die US-Forscher hatten im Rahmen ihrer Untersuchung normalen Zigaretten zusätzliche, markierte PAK hinzugefügt, um den Weg der Giftstoffe im Körper von zwölf freiwilligen Testpersonen nachverfolgen zu können. Dabei habe ihre Studie ergeben, dass nur 15 bis 30 Minuten nach dem Rauchen vergehen, bis die PAK sich im Blut zu einer Substanz verwandeln, welche genetische Veränderungen und Krebs verursachen könne. So sei schon der erste Zug an einer Zigarette schädlich und potenziell krebserregend, berichten die Forscher der University of Minnesota in Minneapolis. Denn nach Aussage von Stephen S. Hecht werden die PAK im Tabakrauch mit Lungentumoren und mindestens 18 weiteren Krebsarten in Verbindung gebracht, wobei allein Lungenkrebs etwa 3.000 Todesopfer weltweit fordere. Dabei gehen die Fachleute davon aus, dass 90 Prozent der Lungenkrebserkrankungen, 73 Prozent der chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen und 65 Prozent der Mundboden-Krebsfälle sowie ein Drittel aller koronaren Herzerkrankungen auf das Rauchen zurückzuführen sind.

Genetische Veränderungen bereits nach der ersten Zigarette
Die festgestellten, binnen Minuten eingetretenen, schädlichen Effekte von Zigaretten, kämen dabei einer direkten Injektion in den Blutkreislauf gleich, so die US-Wissenschaftler weiter. Bereits nach 15 bis 30 Minuten hätten die tödlichen PAK ihren höchsten Wirkungsgrad erreicht, betonte der Studienleiter Stephen S. Hecht. Die US-Wissenschaftler warnten daher davor, zu glauben, dass mit dem Rauchen rechtzeitig vor dem Auftreten einer ernsthaften Erkrankung wieder aufgehört werden kann. Denn die genetischen Schäden könnten unter Umständen schon nach der ersten Zigarette auftreten, so die Aussage der US-Forscher. Ihre Studienergebnisse sollten daher eine eindeutige Warnung an alle Menschen sein, so das Fazit der Wissenschaftler. Darüber hinaus verwiesen Hecht und Kollegen auf die Einzigartigkeit ihrer aktuellen Untersuchung. Es sei ein Novum, denn dank der direkten Untersuchungsmethode konnten die Auswirkungen des Rauchens auf den menschlichen Stoffwechsel erstmals verfolgt werden, ohne andere Faktoren wie Luftverschmutzung und Ernährung dabei berücksichtigen zu müssen, betonte Stephen S. Hecht.

Schadstoffe im Tabakrauch: Vielfältige Gefährdung der Gesundheit
Die Untersuchung der US-Wissenschaftler setzt am Kernproblem des Tabakrauchens an, denn die Schadstoff-Aufnahme beim Rauchen ist enorm. Fachleuten gehen davon aus, dass bei einem täglichen Zigarettenkonsum von einer Schachtel (20 Zigaretten) über einen Zeitraum von 20 Jahren die Lunge der Betroffenen insgesamt sechs Kilogramm Rauchstaub und jährlich eine Tasse Teer („Kondensat“) aufnimmt. Dadurch sinke die Lebenserwartung der Raucher im Schnitt um sechs Jahre. Außerdem verursacht beispielsweise das Nikotin Durchblutungsstörungen und das Kohlenmonoxid Sauerstoffmangel in allen Organen. Des weiteren gilt Tabakrauchen als Risikofaktor für eine Vielzahl verschiedener Krebsformen, wie unter anderem Rachen-, Kehlkopf-, Speiseröhren-, Lungen-, Magen-, Nieren- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs. Außerdem werden Asthma, Chronisch obstruktive Lungenkrankheiten (COPD, „Raucherhusten“), Lungenemphyseme, chronische Bronchitis und andere Lungenerkrankungen ebenso durch das Rauchen begünstigt wie Potenzstörungen, Schlaganfälle, koronare Herzkrankheiten und Herzinfarkte. Darüber hinaus stehe das Risiko von peripheren arteriellen Verschlusskrankheit („Raucherbein“), anderen Gefäßkrankheiten, Leberzirrhosen, Magen-Darm-Geschwüren, chronischem Zahnfleischschwund (Parodontitis), Schwächungen des Immunsystems, vorzeitiger Hautalterung sowie einer verzögerten Wundheilung ebenfalls in direktem Zusammenhang mit dem Tabakrauchen. Auch altersbedingte Makuladegenerationen (europaweit die häufigste Ursache für Erblindung) und irreversible Einschränkungen der Leistungsfähigkeit des Gehirns können nach Einschätzung der Experten Folge des Zigarettenkonsums sein.

Das trotz der binnen Minuten eintretenden negativen Wirkung der PAK nicht jeder Raucher automatisch erkrankt, ist nach Aussage der US-Wissenschaftler auf die Selbstheilungskräfte des Körpers zurückzuführen, welche je nach Raucher gut oder weniger gut funktionieren können. Das Risiko einer Erkrankung sei jedoch dennoch bereits nach der ersten Zigarette gegeben, so das Resumé von Stephen S. Hecht und Kollegen. (fp)