Razzia bei Hamburger Arzt: Verdacht auf Betrug

Heilpraxisnet

Hausdurchsuchung bei Hamburger Arzt: Mediziner steht unter dem Verdacht falsche Abrechnungen bei der Krankenkasse eingereicht zu haben.

Hamburg. Schwangerschaftsberatung für Kinder und Seniorinnen im Alter über 80 Jahre? Anscheinend kein Problem für einen Hamburger Arzt der nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit kuriosen Abrechnungen die gesetzlichen Krankenkassen um erhebliche Summen geprellt haben soll.

Die Polizei hat die die Privatwohnung und die Praxisräume eines Hamburger Arztes durchsucht. Der Mediziner soll über mehrere Jahre die Krankenkassen mit Hilfe falscher Abrechnungen betrogen haben. Nach monatelangen Ermittlungen hatte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch eine entsprechende Hausdurchsuchung eingeleitet.

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800 Kilometer für Hausbesuche, 22 Stunden Arbeitstag
Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat der Mediziner die verschiedensten Methoden genutzt, um seine Abrechnungen mit den gesetzlichen Krankenkassen künstlich zu erhöhen. So rechnete der Arzt zum Beispiel extrem häufig Beratungen zur Empfängnisverhütung ab. Bereits bei vierjährige Mädchen aber auch Seniorinnen im Alter bis zu 83 Jahre, stellte der Arzt laut Berichterstattung von „NDR Info“ den Krankenkassen eine umfassende Schwangerschaftsberatung in Rechnung. Zudem hat er im Schnitt fast 100 Behandlungen bei Hausbesuchen pro Tag angegeben, was normale Arbeitstage des Mediziners von etwa 22 Stunden voraussetzt. In Einzelfällen hat der Arzt nach eigenen Angaben für Hausbesuche eine Strecke von mehr als 800 Kilometern zurückgelegt und an den entsprechenden Tagen rund 50 Hausbesuche an den verschiedensten Orten in Rechnung gestellt.

Abrechnungsbetrug verursacht Schäden in Milliardenhöhe
An anderen Tagen hat der Mediziner laut Abrechnungsunterlage mehr als 450 Kilometer zurückgelegt und dabei über 80 Untersuchungen unter 20 verschiedenen Adressen durchgeführt. Der Hamburger Arzt gab in den Abrechnungen an, bei seinen Hausbesuchen häufig alle Familienmitglieder eines Haushalts behandelt zu haben. Ob die Patienten dabei mit dem Arzt gemeinsame Sache machten, ist bislang ungeklärt. Auch zu der genauen Schadenssumme wollte sich die Hamburger Staatsanwaltschaft bisher nicht äußern. Von dem möglichen Betrug sind laut „NDR Info“ mehrere gesetzliche Krankenkassen wie zum Beispiel die Techniker Krankenkasse, die AOK Rheinland/Hamburg und die DAK betroffen. Nach Angaben der gesetzlichen Krankenversicherungen entstehen im Gesundheitswesen durch Missbrauch und Abrechnungsbetrug jährlich Schäden in Milliardenhöhe. In den kommenden Wochen wird die Staatsanwaltschaft die beschlagnahmten Unterlagen überprüfen und gegebenenfalls in einer entsprechenden Anklageschrift zusammenfassen. (fp, 11.11.2010)