Reduzierte Krebssterblichkeit in Deutschland – jedoch nicht bei diesen Krebserkrankungen

Alfred Domke

Darmkrebs: Sterblichkeit sinkt weiter – insbesondere in Deutschland

In einer Studie eines internationalen Forscherteams zeigte sich, dass die Krebssterblichkeit in der Europäischen Union in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. Dies gilt in Deutschland insbesondere bei Darmkrebs. Bei anderen Krebsarten nahm die Sterblichkeit jedoch zu.


Krebssterblichkeit ist rückläufig

Laut einer aktuellen Studie ist die Krebssterblichkeit in der EU in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Wie das internationale Forscherteam im Fachmagazin „Annals of Oncology“ berichtet, ist die Entwicklung vor allem bei Darmkrebs günstig. Bei dieser Krebsart schneidet Deutschland im europäischen Vergleich besonders gut ab. Bei anderen Krebsarten hat die Sterblichkeit jedoch zugenommen.

Die Krebssterblichkeit in der EU ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Dies gilt in Deutschland insbesondere bei Darmkrebs. Die Früherkennung hat maßgeblich zur Reduktion der Erkrankungsfälle beigetragen. (Bild: Wolfilser/fotolia.com)

Positiver Trend nicht bei allen Krebsarten

Erst vor wenigen Wochen veröffentlichten Wissenschaftler um Dr. Claudia Allemani von der London School of Hygiene & Tropical Medicine (Großbritannien) eine Studie, die zeigte, dass immer mehr Menschen Krebserkrankungen überleben.

Ein Forscherteam um Carlo La Vecchia, Professor an der medizinischen Fakultät der Universität Mailand (Italien), kam nun in einer Studie ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die Todesfälle durch Krebs – insbesondere durch Dickdarmkrebs – in Europa rückläufig sind.

Doch während dieser Trend für Männer für alle untersuchten Krebsarten positiv ist, sterben Frauen mittlerweile häufiger an Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Große Erfolgsgeschichte

Schon seit 2011 veröffentlicht das Team um Carlo La Vecchia Daten zur Krebssterblichkeit, jeweils mit Schwerpunkt auf einer bestimmten Tumorart. In diesem Jahr haben sich die Wissenschaftler auf Darmkrebs konzentriert.

„Der Rückgang der Todesfälle bei Dickdarmkrebs in Europa ist eine große Erfolgsgeschichte“, heißt es in einer Mitteilung der Europäischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie, die im Fachblatt „EurekAlert!“ veröffentlicht wurde.

Laut den Forschern, die auf Basis von WHO-Zahlen seit 1970 sowie der jüngsten Entwicklung Vorhersagen zur Mortalität aufstellen, werden den Prognosen zufolge 2018 in der EU fast 1,4 Millionen Menschen an Krebs sterben.

2012 habe die Zahl zwar nur bei 1,3 Millionen gelegen, doch die Bevölkerung werde inzwischen allgemein älter. Bei Berücksichtigung dieser Tatsache sei die Mortalität von 2012 bis 2018 bei Männern um gut zehn und bei Frauen um fünf Prozent gefallen.

Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs wird weiter sinken

Bei Darmkrebs ist der positive Trend besonders deutlich. Zwar stieg auch hier die absolute Zahl der Todesopfer wegen der höheren Zahl älterer Menschen, doch bei Miteinbeziehung dieses Umstands fiel die Mortalität seit 2012 um 6,7 Prozent bei Männern und 7,5 Prozent bei Frauen.

Den Angaben zufolge sterben derzeit jährlich knapp 16 von 100.000 Männern und gut neun von 100.000 Frauen an Darmkrebs.

Doch die Zahl der Todesfälle durch Darmkrebs wird laut den Forschern vermutlich weiter sinken:

„Der Rückgang der Sterblichkeit, den wir für 2018 prognostizieren, stellt eine der wichtigsten Erfolgsgeschichten in der klinischen Onkologie dar. Diese Verbesserung der Sterberaten in Europa erfolgt ohne einen einzigen großen Durchbruch und ist auf eine verbesserte Diagnose und Behandlung der Krankheit zurückzuführen“, so Carlo La Vecchia.

Bessere Früherkennung

„Faktoren, die das Risiko von Darmkrebs erhöhen, sind Tabak, Alkohol, Adipositas, Diabetes, eine sitzende Lebensweise und eine ungesunde Ernährung“, erläuterte der Studienautor weiter.

Medizinern zufolge kann eine gesündere Lebensweise das persönliche Krebsrisiko deutlich senken.

Laut dem Experten hat wohl unter anderem der „Einsatz von Aspirin, hauptsächlich zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen, sowie ein effektives Screening“ zu einer Senkung der Erkrankungsraten beigetragen.

„Die Verfügbarkeit der Koloskopie zur Untersuchung von Blutungen und anderen frühen Symptomen hat die Frühdiagnose in ganz Europa verbessert“, sagte La Vecchia.

Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lungenkrebs bei Frauen

Wie die Studie zeigte, schneidet Deutschland unter den sechs bevölkerungsreichsten Staaten der EU (Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien) bei Darmkrebs besonders gut ab.

Den Angaben zufolge sei die Entwicklung seit 2012 hier am günstigsten. Demnach sank die Sterblichkeit bei Männern um über 14 und bei Frauen um gut 15 Prozent.

Die höchste Mortalität in der EU hat laut den Prognosen Lungenkrebs mit 32 von 100.000 Männern und 15 von 100.000 Frauen.

In ihrem Fazit schreiben die Studienautoren, dass sie von einem weiteren Rückgang der Krebs-Mortalitätsraten in der EU und ihren wichtigsten Ländern ausgehen. „Ausnahmen sind Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lungenkrebs bei Frauen.“ (ad)