Regionale Unterschiede bei Kaiserschnitt-Geburten

Fabian Peters

Immer mehr Kinder in Deutschland kommen per Kaiserschnitt zur Welt, so eines der Ergebnisse des „Faktencheck Gesundheit zum Thema Kaiserschnitt“ der Bertelsmann Stiftung. Die am Dienstag veröffentlichte Erhebung zeigt außerdem massive regionale Unterschiede bei der Häufigkeit von Kaiserschnitten.

14.11.2012

„Bundesweit wird mittlerweile jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren und der Anteil steigt weiter an“, berichtet die Bertelsmann Stiftung. Den aktuellen Ergebnissen des Faktenchecks Gesundheit zufolge ist in einigen Regionen inzwischen schon fast jede zweite Geburt ein Kaiserschnitt. „Die häufig genannten Begründungen wie das steigende Alter der Mütter oder der – nicht belegbare – Trend zum Wunsch-Kaiserschnitt scheinen“ bei der Zunahme Kaiserschnitte jedoch „eine untergeordnete Rolle zu spielen“, so die Bewertung der Bertelsmann Stiftung.

Keine medizinischen Gründe für den Anstieg der Kaiserschnitt-Geburten
Zwingende medizinische Gründe für einen Kaiserschnitt lagen den Angaben der Bertelsmann Stiftung zufolge „nur bei zehn Prozent aller Kaiserschnittgeburten vor.“ In den meisten Fällen hätten die Geburtshelfer einen Ermessensspielraum, der offensichtlich von Region zu Region sehr unterschiedlich genutzt werde. So sei auch „bei Risikosituationen wie Beckenendlage, Zwillingsgeburt oder einem vorherigen Kaiserschnitt“ im Prinzip eine natürliche Geburt möglich. Trotzdem werde hier sehr häufig ein Kaiserschnitt durchgeführt, wobei auch Haftungsfragen eine Rolle spielen dürften, erläuterte die Bertelsmann Stiftung. Da immer weniger dieser Risikogeburten in den Kliniken durchgeführt werden, fehle den Ärzten heute oftmals „die Erfahrung mit komplizierteren natürlichen Geburten.“ Der Faktencheck Kaiserschnitt habe jedoch auch gezeigt, dass die medizinischen Leitlinien den Ärzten oft nicht ausreichend Orientierung bieten und an dieser Stelle weiterentwickelt werden müssen, so die Mitteilung der Bertelsmann Stiftung.

Massive regionalen Unterschiede bei der Kaiserschnitt-Rate
Die im Zuge der aktuellen Auswertung festgestellten regionalen Unterschiede bei den Kaiserschnitt-Geburten sind durchaus beachtlich. So weisen einige Regionen wie beispielsweise die Stadt Dresden (17 Prozent) eine Kaiserschnitt-Rate deutliche unter 20 Prozent auf, während in anderen wie der Stadt Landau mit knapp 51 Prozent einen dreimal so hohe Quote erreicht wird. In einigen „Teilen von Rheinland-Pfalz, Bayern und Niedersachsen liegt die Kaiserschnitt-Rate zum Teil weit über 40 Prozent“, während mehrere Gebiete in den neuen Bundesländern auffallend wenig Kaiserschnitt-Geburten verzeichnen, betonte die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Petra Kolip, Mitautorin der Studie. Die Experten sehen die Gründe für die regionalen Variationen bei den Kaiserschnitt-Geburten vor allem in unterschiedlichen Risikobewertungen der Geburtshelfer. Laut Mitteilung der Bertelsmann Stiftung gibt es „in Deutschland offenbar kein einheitliches Vorgehen bei der Entscheidung darüber, ob ein Kaiserschnitt notwendig ist oder nicht.“ Den werdenden Eltern wird daher geraten, dies zu berücksichtigen und sich vorab gut zu informieren. Selbstverständlich können Situationen auftreten, in denen ein Kaiserschnitt unumgänglich wird, um das Leben von Mutter und Kind zu schützen, doch nicht jede drohende kompliziertere Geburt mache einen Kaiserschnitt erforderlich, so die Position der Experten. (fp)