Reiche Schwangere trinken öfter Alkohol

Fabian Peters

Schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Alkohol in der Schwangerschaft

12.09.2011

Frauen mit hohem Bildungsstand und guten Einkommensverhältnissen tendieren vermehrt zu Alkoholkonsum in der Schwangerschaft, während Frauen aus schlechter gestellten sozialen Milieus eher konsequent auf Alkohol verzichten, berichteten die Experten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).

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Als Zellgift greift Alkohol die Organe und das Nervensystem ungeborener Kinder an, wenn ihre Mütter in der Schwangerschaft trinken. Die gesundheitlichen Folgen sind gravierend. Rund 10.000 Kinder kommen jährlich mit entsprechenden Alkoholschäden – dem sogenannten fetalen Alkoholsyndrom oder dem fetalen Alkoholeffekt – zur Welt. Im Rahmen des Tages des alkoholgeschädigten Kindes am vergangenen Freitag informierte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über mögliche gesundheitliche Beeinträchtigungen, die durch den Alkoholkonsum der Schwangeren bei deren Kindern auftreten können.

Im Rahmen der Veranstaltung erklärte die Leiterin des Referats Suchtprävention der BZgA, Michaela Goecke, dass „20 Prozent der Frauen aus der sozialen Oberschicht in der Schwangerschaft gelegentlich Alkohol“ konsumieren, während dies bei lediglich 8,5 Prozent der Frauen mit niedrigem Bildungsstand und Einkommen der Fall sei. Eine überraschende Erkenntnis, galten doch bisher stets die Frauen aus einkommens- und bildungsschwachen Gesellschaftsgruppen, als besonders gefährdet. Die BZgA-Expertin betonte indes, dass bei Schwangeren „generell mehr Alkoholabstinente in der sozialen Unterschicht als in der Oberschicht“ zu finden seien. So können sich die Frauen mit hohem Bildungsniveau und gutem Einkommen, das gelegentliche Glas Wein oder Bier zum Abendessen offenbar deutlich schlechter verkneifen, als die Frauen aus einkommens- und bildungsschwachen Gesellschaftsschichten. Für Michaela Goecke ein Alarmsignal, denn „schon geringe Mengen Alkohol können dauerhafte Schäden beim ungeborenen Kind hinterlassen.“

Alkohol gelangt direkt in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes
Der aufgenommene Alkohol gelangt über die Plazenta unmittelbar in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes, wodurch dieses schnell den gleichen Alkoholpegel erreicht wie die Mutter, erklärten die Experten der BZgA im Rahmen des Tages des alkoholgeschädigten Kindes. Weil die Organe der Ungeborenen sich noch in der Entwicklung befinden, können die Kinder den Alkohol kaum abbauen und es drohen alkoholbedingte körperliche Fehlbildungen sowie Schädigungen der Organe und des Nervensystems, warnte die BZgA. Für die Kinder bringt der Alkoholkonsum der Schwangeren so oftmals lebenslange körperliche und geistige Beeinträchtigungen mit sich, weshalb „Schwangere und Stillende vollständig auf Alkohol verzichten“ sollten, warnte Michaela Goecke. Für die Expertin ist es völlig inakzeptabel, dass gerade Frauen mit hohem Bildungsniveau, die eigentlich Wissen sollten, welche Beeinträchtigungen ihrem Kind drohen, häufiger Alkohol in der Schwangerschaft konsumieren. Die gleiche Tendenz sei außerdem bei älteren Schwangeren zu beobachten, erläuterte die Leiterin des Referats Suchtprävention der BZgA. Demnach steigt die Neigung zum Alkoholkonsum während der Schwangerschaft nicht nur mit dem Bildungsniveau, sondern auch mit dem Lebensalter. Wider besseren Wissens, trinken bis zu 15 Prozent der Schwangeren mindestens einmal im Monat ein Glas Wein, Bier oder Schnaps und riskieren damit lebenslange gesundheitliche Beeinträchtigungen bei ihrem Kind, mahnte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. (fp)