DAK-Report: Immer mehr Doping im Job

Heilpraxisnet

Immer mehr Arbeitnehmer nehmen leistungssteigernde Medikamente

17.03.2015

Für die meisten Menschen in Deutschland sind die Herausforderungen im Arbeitsalltag intensiver geworden. Immer mehr von ihnen greifen wegen zunehmendem Stress zu leistungssteigernden Medikamenten. Dies zeigt der neue DAK-Gesundheitsreport.

Immer mehr Arbeitnehmer betreiben „Doping im Job“
Die Arbeitsbelastung im Job nimmt für die meisten Deutschen zu. Jeder Dritte fühlt sich überfordert, zeigte eine Studie, die kürzlich veröffentlicht wurde. Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland greifen zu Medikamenten, etwa um die Angst vor einer Päsentation zu vetreiben, die Leistung zu steigern oder sich für ein Kundengespräch locker zu machen. „Doping im Job“ ist längst Alltag in deutschen Büros, wie aus dem neuen DAK-Gesundheitsreport hervorgeht. Wissenschaftler untersuchten für die repräsentative Studie die Arzneimitteldaten von 2,6 Millionen erwerbstätigen Versicherten und fanden laut einem Artikel von „Stern Online“ heraus, dass Beschäftigte immer öfter zu Betablockern, Ritalin und Co. greifen, um sich gegen Herausforderungen im Arbeitsalltag zu wappnen.

Drei Millionen Deutsche haben bereits gedopt
Diejenigen, die zu solchen Medikamenten greifen, stehen in der Regel unter hohem Druck, haben Stress oder fühlen sich überlastet. Drei der rund 42 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland haben das sogenannte Hirndoping („Neuro-Enhancement“) mindestens einmal ausprobiert. Die DAK vermutet, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegen dürfte. Dem Report zufolge schlucken rund eine Million Berufstätige regelmäßig Pillen, um die Leistung zu steigern oder die Stimmung zu verbessern. Von 4,7 Prozent im Jahr 2008 auf aktuell 6,7 Prozent sei die Zahl der Arbeitnehmer, die schon einmal Hirndoping betrieben haben, gestiegen. Der Vorstandschef der DAK, Herbert Rebscher, sagte: „Auch wenn Doping im Job in Deutschland noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal.“

Frauen und Männer geben unterschiedliche Gründe an
Vier von zehn Dopern schlucken bei konkreten Anlässen Medikamente, wie beispielsweise vor einem wichtigen Meeting oder einer Präsentation. „Frauen nehmen eher bestimmte Mittel gegen Depressionen. Sie wollen die Stimmung verbessern, Ängste und Nervosität abbauen“, erläuterte Rebscher. So wurde von jeder fünften Frau als Grund für den Medikamentenmissbrauch der Kontakt mit vielen Menschen angegeben. Männer hingegen würden versuchen, mit Hilfe der Tabletten berufliche Ziele zu erreichen. „Hier sind es meist anregende Mittel. Sie wollen wach bleiben, stark und leistungsfähig sein.“

Risiken durch Nebenwirkungen werden verdrängt
Der Großteil der Betroffenen verdrängt, dass der Missbrauch von Medikamenten große Risiken birgt. So können verschiedene der „Wachmacher“ oder Antidepressiva Nebenwirkungen wie Bluthochdruck, Angstzustände, Schwindel, Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder gefährliche Herzrhythmusstörungen wie Herzrasen oder Herzstolpern zur Folge haben. Zudem besteht eine Abhängigkeitsgefahr und bei manchen Mitteln steigt anfangs sogar das Suizidrisiko. Zudem seien mögliche Langzeitfolgen von Antidepressiva bei Gesunden noch völlig unklar, warnte Klaus Lieb, Facharzt und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz.

Unsicheres Beschäftigungsverhältnis erhöht Missbrauchsgefahr
Dem Report zufolge werden zum Hirndoping am häufigsten (60,6 Prozent) Medikamente gegen Angst, Nervosität und innere Unruhe missbraucht. 34 Prozent der Arbeitnehmer schlucken Mittel gegen Depressionen. Wie es heißt, bekommt mehr als jeder Zweite die Tabletten von seinem Arzt, jeder Siebte von Bekannten und Familienangehörigen und jeder Zölfte bestellt sie ohne Rezept im Internet. Lieb warnte, dass dies eine „riskante Praxis“ sei. Medikamentenfälschungen, die keiner Kontrolle unterliegen, könnten der Gesundheit erheblich schaden. Von den Forschern wurden auch Faktoren bestimmt, die das Risiko für den Missbrauch von Medikamenten erhöhen: Dazu zählen ein unsicheres Beschäftigungsverhältnis, einfache Tätigkeiten sowie eine hohe Arbeitsbelastung. Dies widerspricht dem Vorurteil, wonach es in erster Linie Top-Manager und Kreative sind, die sich mit Medikamenten zu Höchstleistungen trimmen. (ad)

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>Bild: Michael Berger / pixelio.de