Resistente Darmkeime am Uniklinikum Jena

Fabian Peters

Frühchen am Uniklinikum Jena mit resistenten Darmkeimen besiedelt

08.06.2012

Im Universitätsklinikum Jena wurden bei mehreren Frühchen ein resistenter Darmkeim nachgewiesen. Allerdings ist es „durch konsequente krankenhaushygienische Maßnahmen und regelmäßige Untersuchungen der Patienten gelungen, eine großflächige Verbreitung des so genannten VRE-Keims auf der Frühgeborenenstation in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Jena (UKJ) zu verhindern“, so die aktuelle Pressemitteilung des Klinikums.

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Seit Ende April wurden die Vancomycin-resistenten Enterokokken (VRE) bei vierzehn Frühgeborenen in dem Jenaer Klinikum nachgewiesen. Keines der Kinder ist jedoch an einer Infektion erkrankt und acht betroffene Frühgeborene konnten bereits wieder aus der Klinik entlassen werden, so die Mitteilung des Universitätsklinikums. Derzeit werden laut Angaben des Direktors der Kinderklinik, Professor Dr. James Beck, noch fünf Frühchen stationär versorgt, bei denen eine Keimbesiedlung nachgewiesen wurde. Eines der betroffenen Babys ist in der Zwischenzeit verstorben, was jedoch nicht auf die resistenten VRE-Keime, sondern die körperliche Unreife nach nach einer extrem frühen Geburt zurückzuführen sei, betonte Prof. Beck.

Nachweis resistenter Darmkeime am Universitätsklinikum Jena
Erstmals wurde der resistente Darmkeim im Universitätsklinikum am 24. April in der Kinderklinik „im Rahmen der Routinediagnostik bei einem Frühgeborenen nachgewiesen.“, so die Pressemitteilung des Jenaer Universitätsklinikums. Dies war „der erste Nachweis in unserer Klinik seit Jahren“, erläuterte Prof. Dr. James Beck. Bei der Untersuchung der Patientenproben im Institut für Mikrobiologie des UKJ „zeigte sich, wie hartnäckig der Keim ist“, ergänzte die Leitende Krankenhaushygienikerin des UKJ, Dr. Ute Dobermann. „Zum Glück konnten wir eine Erkrankungswelle verhindern“, jedoch „gab es in den Folgewochen noch weitere Einzelfälle von zeitlich versetzten Besiedlungen, die allerdings in keinem einzigen Fall zu einer Erkrankung führten“, so Dr. Ute Dobermann weiter. Der letzte Nachweis erfolgte am 29. Mai. Seither wurde laut Angaben des Klinikums keine weiteren VRE-Besiedlungen festgestellt.

Antibiotikaeinsatz als Ursache der Resistenzen
Da die Besiedlung mit den resistenten Darmkeimen bei den betroffenen Frühchen „keine Erkrankungsanzeichen“ ausgelöst hat, war „eine Therapie mit speziellen Reserveantibiotika nicht nötig“, erklärte Prof. Beck. Allerdings wurden unmittelbar nach dem Nachweis „die in solchen Fällen erforderlichen zusätzlichen Hygienemaßnahmen“, wie „das Tragen spezieller Schutzkleidung und die Patientenisolation“, umgesetzt, so die Mitteilung des Klinikums. Derzeit laufen außerdem die „Untersuchungen, ob die Enterokokken einem oder verschiedenen Stämmen angehören“, da sich die Mediziner hier „einen möglichen Hinweis auf die Quelle des Keimes“ erhoffen, berichtet das UKJ. Denn bisher bleibt unklar, auf welchem Wege sich die resistenten Keime in dem Universitätsklinikum verbreiten konnte. Als Teil der normalen Darmflora von Mensch und Tier sind Enterokokken generell relativ weit verbreitet. „Wahrscheinlich durch den Antibiotikaeinsatz, zum Beispiel in der Tierhaltung oder durch übermäßigen Gebrauch in der Medizin, entstehen die gegen Vancomycin resistenten Enterokokken (VRE)“, so die Pressemitteilung des UKJ.

Drohende Blutvergiftungen bei Infektionen mit VRE
Die Darmkeime „können bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem schwere Infektionen bis hin zur Sepsis“ (Blutvergiftung) hervorrufen, beschreiben die Mediziner des Klinikums die gesundheitlichen Risiken. Schwierig sei die Eliminierung der VRE, da diese über eine extrem hohe Umweltresistenz verfügen. „Nur mit enorm hohem hygienischem Aufwand“ lassen sich die Erreger laut Angaben des Klinikums beseitigen. Zur Verbreitung der Erreger erläuterten die Experten, dass schätzungsweise rund sieben Prozent der Bevölkerung Vancomycin-resistente Enterokokken in sich tragen, ohne daran zu erkranken. Dem Leiter der Sektion „Klinische Infektiologie“ am UKJ, Professor Dr. Mathias Pletz, zufolge ist „die resistente Variante nicht aggressiver, sondern im Falle einer tatsächlichen Infektion nur schwieriger zu behandeln.“ Die Experten des UKJ zeigten sich erleichtert, dass die Eindämmung der Erreger derart reibungslos verlaufen ist.

Konsequente Krankenhaushygiene erforderlich
Dem Medizinischen Vorstand des Universitätsklinikums Jena, Prof. Dr. Klaus Höffken, zufolge zeigt die aktuelle Situationen, „wie wichtig die konsequente Krankenhaushygiene und vor allem auch die gezielte Suche nach solchen Keimen“ ist. Denn nur bei intensiven Routinekontrollen könne man die resistenten Keime finden und zeitnah entsprechende Schutzmaßnahmen einleiten. Allerdings verdeutlichen die häufigen Nachweise antibiotikaresistenter Erreger in den Krankenhäusern deutschlandweit auch, dass „die Resistenz vieler Keime eine wachsende Herausforderung für die medizinische Versorgung in den Kliniken“ darstellen. Am UKJ gebe es „daher unter anderem. eine neue Forschergruppe, die an nachhaltigen Strategien gegen solche multiresistenten Keime arbeitet“, erläuterte Höffken. (fp)