Resistente Keime am Leipziger Uniklinikum

Fabian Peters

Verschärfte Hygienemaßnahmen am Universitätsklinikum Leipzig

05.06.2012

Seit dem Jahr 2010 sind zahlreiche Patienten des Leipziger Universitätsklinikums an einer Infektion mit multiresistenten Erregern erkrankt. Knapp die Hälfte der infizierten Patienten ist mittlerweile verstorben, allerdings bleibt bisher unklar, ob die Todesursache die multiresistenten KPC-Keime waren.

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Auf welchem Weg sich die multiresistenten Keime aus der Gattung Klebsiella pneumoniae im Universitätsklinikum Leipzig verbreiten konnten, ist weiterhin ein Rätsel. Daher sollen nun auch Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) bei der Aufklärung helfen, so die heutige Mitteilung der sächsischen Gesundheitsministerin Christine Clauß (CDU). Außerdem wurden die Hygienemaßnahmen zur „Eindämmung des multiresistenten KPC-Keims“ ausgeweitet, erklärte das Klinikum. Demnach sollen „ab sofort alle auf die Intensivstationen und über die Zentrale Notaufnahme aus anderen Krankenhäusern aufgenommenen Patienten bereits bei Aufnahme auf KPC untersucht sowie Mitarbeiter getestet“ werden. Bleibt die Frage, wieso dies bei der auffälligen Häufung der KPC-Infektionen bislang nicht geschehen ist.

Mehr als 60 Patienten mit multiresistenten Keimen infiziert
Wie der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, Prof. Dr. Wolfgang E. Fleig, gestern in einer Pressemitteilung erläuterte, erfolgte in den vergangenen Tagen nochmals eine „gründliche Aufarbeitung aller Daten aus den zurückliegenden zwei Jahren.“ Das Ergebnis: 63 Patienten haben sich seit 2010 mit den multiresistenten KPC-Keimen infiziert, 30 Patienten, bei denen KPC nachgewiesen wurde, sind in der Zwischenzeit verstorben. Wie sich die gegen zahlreiche Antibiotika resistenten Keime in dem Klinikum derart verbreiten konnten, ist weiterhin unklar. Erstmals wurden sie im Juli 2010 bei einem Patienten nachgewiesen, der aus einem griechischen Krankenhaus in das Universitätsklinikum verlegt wurde. „Zur Klärung der Übertragungskette und zur weiteren Eindämmung arbeitet das Universitätsklinikum Leipzig eng mit den Landesbehörden und dem von den Landesbehörden beauftragten Robert-Koch-Institut zusammen“, so die aktuelle Mitteilung des Klinikums. Professor Fleig erläuterte, man verspreche sich „von einem koordinierten gemeinsamen Vorgehen weitere Unterstützung bei dem schwierigen Umgang mit diesem Keim.“

Zusammenhang zwischen dem Tod der Patienten und den KPC-Keimen?
Ob die KPC-Keime im Zusammenhang mit dem Tod der infizierten Patienten stehen, soll im Rahmen der laufenden Untersuchungen ebenfalls noch einmal überprüft werden. Allerdings seien „aufgrund des komplexen Erkrankungsgeschehens bei diesen durchgehend schwerkranken Patienten für den Einzelfall Aussagen zu einem ursächlichen Zusammenhang medizinisch extrem schwierig“, so die Mitteilung des Universitätsklinikums Leipzig. Daher sollen die vier hinzugezogenen „renommierten Experten aus den Bereichen Krankenhaushygiene, Infektiologie, Chirurgie und Intensivmedizin“, die Krankheitsverläufe der Verstorbenen noch einmal kritisch prüfen, berichtet das Klinikum. Wie das Ergebnis aussehen wird, lässt sich bislang nur erahnen. Allerdings hatte das Universitätsklinikum in einer früheren Mitteilung bereits erklärt, es sei bekannt, „dass der Krankheitsverlauf von stationär behandelten Patienten durch eine Kolonisierung oder Infektion mit multiresistenten Bakterien negativ beeinflusst wird“, und dass „dies auch für die am Universitätsklinikum Leipzig mit KPC kolonisierten bzw. infizierten Patienten“ gelte. So liegt die Vermutung nahe, dass zumindest bei einigen der verstorbenen Patienten auch ein Zusammenhang zwischen ihrem Tod und den KPC-Keimen besteht. (fp)