Resistenzenbildung bei der Krebsimmuntherapie entschlüsselt

Volker Blasek

Warum es bei der Immuntherapie von Krebs zu Resistenzen kommt

Bisher sind nur etwa zehn bis zwanzig Prozent der angewendeten Immuntherapien bei Krebspatienten ein Erfolg. Aktuelle Daten zeigen, dass ein Teil der Patienten nach ein bis zwei Jahren Resistenzen gegen die Behandlung entwickeln. Dieser ungünstige Verlauf trägt zu der geringen Erfolgswahrscheinlichkeit bei. Eine Forschungsarbeit der Medizinischen Universität Innsbruck liefert nun eine wegweisende Erkenntnis zu diesem Thema. Die Forscher haben entschlüsselt, warum sich diese Resistenzen bilden und liefern damit Anhaltspunkte für die Optimierung der Immuntherapie.

„Die Interaktion zwischen Tumor und Immunsystem ist höchst differenziert und komplex und benötigt noch viel Aufklärungsarbeit“, erläutert Zlatko Trajanoski, führender Bioinformatiker am Biozentrum der Medizin Uni Innsbruck in einer Pressemitteilung zu den Forschungsergebnissen. Die Forscher konnten belegen, dass Tumore im Verlauf der Immuntherapie genetisch homogener werden. Daraus resultiere, dass die Tumorzellen vom Immunsystem nicht mehr erkannt werden und die Tumore wieder beginnen zu wachsen. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit wurden im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

Forscher der Universität Innsbruck entschlüsseln die Gründe für eine verstärkte Resistenzbildung bei der Krebsimmuntherapie. Diese Erkenntnisse haben das Potenial, die Erfolgsrate der Krebsimmuntherapie zukünftig zu erhöhen. (Bild: Alexander Raths/fotolia.com)

Welche Rolle spielt die Homogenität eines Tumors?

Versuche an Mäusen zeigten den Forschern, dass sich im Laufe einer Immuntherapie die genetische Vielfalt eines Tumors verkleinert. Somit überlebten diejenigen Tumorzellen, die vom Immunsystem nicht angegriffen werden. „Im Rahmen der Immuntherapie erfolgt eine sogenannte Immuneditierung, das heißt, Tumorzellen mit gewissen Mutationen werden eliminiert, wodurch die genetische Heterogenität des Tumors verkleinert wird“, erklärt Trajanoski die neue Erkenntnis. In diesem Fall wäre eine Therapieunterbrechung vorteilhaft. Die Forscher entdeckten jedoch auch Tumore, bei denen diese Homogenität nicht auftrat. Laut Trajanoski sind solche Tumoren, die eine breite genetische Streuung aufweisen, auch die, bei denen die Immuntherapie erfolgreich ist.

Besondere Herausforderungen

Trajanoski berichtet über die enorme Komplexität des Themas. Schon die Selektion der individuellen Immuntherapien stelle eine besondere Herausforderung dar, die der Unterstützung durch die Bioinformatik bedarf. „Um nun auch Resistenzentwicklungen prognostizieren zu können, sollte eine umfassende Analyse der Tumorprobe auf deren genetische Heterogenität erfolgen, die schließlich eine Anpassung der Therapie hinsichtlich Dosierung und Zeitmanagement erlauben würde“, schlagen die Wissenschaftler um Zlatko Trajanoski vor.

Weitere Studien sind erforderlich

Die Innsbrucker Forschungsarbeit wurde durch die Unterstützung des Doktoratskollegs MCBO, des Horizon2020 Projektes APERIM und der Tiroler Krebshilfe ermöglicht. In zukünftigen Studien müssen umfassende Analysen von Tumorproben auf deren genetische Vielfalt erstellt werden. Laut den Wissenschaftlern würden sich dadurch zukünftige Resistenzen prognostizieren lassen und die Therapie könne entsprechend angepasst werden. (vb)