Revolution des Rauchens: US-Behörde plant Nikotingehalt von Zigaretten massiv zu senken

Alfred Domke
US-Gesundheitsbehörde: Zigaretten sollen wesentlich weniger Nikotin enthalten
Der Nikotingehalt in Zigaretten soll soweit abgesenkt werden, dass Raucher nicht mehr süchtig werden. Das hat die US-Gesundheitsbehörde FDA mitgeteilt. Die Maßnahme soll dazu beitragen, Erkrankungen und Todesfälle durch Tabakkonsum zu reduzieren.

Drastische Reduzierung des Nikotingehalts in Zigaretten
Jedes Jahr sind weltweit rund sieben Millionen Todesopfer durchs Rauchen zu verzeichnen. Raucher erkranken und sterben nicht nur an Lungenkrebs. Tabakkonsum erhöht auch das Risiko für mehrere andere Krebsarten und weitere Erkrankungen wie Raucherlunge beziehungsweise Raucherhusten, Asthma, chronische Bronchitis sowie Herzinfarkt und Schlaganfall. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat nun eine Maßnahme angekündigt, durch die Erkrankungen und Todesfälle durch das Rauchen enorm gesenkt werden könnten: durch die drastische Reduzierung des Nikotingehalts in Zigaretten.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat angekündigt, dass der Nikotingehalt in Zigaretten so stark gesenkt werden soll, dass Raucher nicht mehr abhängig werden. Diese Maßnahme soll dazu beitragen, Erkrankungen und Todesfälle durch Tabakkonsum zu reduzieren. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Kinder besser schützen
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA (Food and Drug Administration) hat einen neuen umfassenden Plan zur Tabak- und Nikotinregulierung angekündigt, „um Kinder besser zu schützen und die mit Tabakkonsum verbundenen Krankheiten und Todesfälle deutlich zu reduzieren“, schreibt die Behörde in einer Mitteilung.

Den Angaben zufolge soll der Nikotingehalt in Zigaretten soweit abgesenkt werden, dass er Raucher nicht mehr abhängig macht.

Wie es heißt, sind die nun bekanntgegebenen Pläne die umfassendsten Bemühungen seit der Kongress 1965 gefordert hatte, Gesundheitsrisiken auf den Verpackungen kenntlich zu machen. Aus dem Weißen Haus hieß es, dass das Vorhaben unterstützt werde.

Abhängigkeit von Zigaretten
Nach Angaben der FDA spielt die Frage der Sucht bei den aktuellen Plänen eine herausragende Rolle.

„Der überwältigende Anteil der Todesfälle und Erkrankungen durch Tabak wird durch die Abhängigkeit von Zigaretten verursacht – dem einzigen legalen Produkt, dass bei bestimmungsgemäßer Anwendung die Hälfte seiner Langzeitnutzer umbringt“, erklärte FDA-Chef Scott Gottlieb.

„Ohne Kurswechsel werden 5,6 Millionen der heute lebenden jungen Menschen später durch Tabakkonsum vorzeitig sterben. Eckpfeiler unserer Bemühungen muss sein, sich eine Welt vorzustellen, in der Zigaretten keine Sucht mehr verursachen oder stützen und in der Erwachsene, die Nikotin noch brauchen oder wollen, es aus alternativen und weniger schädlichen Quellen bekommen können“, so Gottlieb.

Laut der FDA-Mitteilung seien auch Maßnahmen geplant, zu prüfen, wie der Zugang und die Verwendung von medikamentösen Nikotin-Produkten verbessert werden kann.

Zwar braucht man für den Ausstieg aus der Sucht vor allem einen festen Willen, doch in manchen „Fällen kann eine medikamentöse Hilfestellung bei der Entwöhnung hilfreich sein“, schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) auf seiner Webseite.

„Nikotinersatz in Form von Pflaster, Kaugummi, Lutschtablette oder Inhaler bzw. auch verschreibungspflichtige Medikamente kommen zur Unterstützung des Rauchstopps in Frage“, so die Experten.

Aktienkurse stürzten ab
Den großen Tabakkonzernen schmecken die neuen Pläne der FDA offenbar gar nicht. Medienberichten zufolge stürzten die Aktienkurse mancher der Unternehmen nach der Ankündigung der Gesundheitsbehörde ab.

Am schlimmsten traf es wohl den amerikanischen Altria-Konzern, doch auch Philip Morris, British American Tobacco (BAT) und Imperial Brands hatten – zumindest vorübergehend – einen Kursrutsch zu verzeichnen.

Allerdings hatten die Aktienkurse von Tabakfirmen zuvor auch Rekordstände erreicht.

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa befürchtet Neil Wilson vom Handelshaus ETX Capital, dass die Auswirkungen der FDA-Pläne für die Branche kaum zu überschätzen seien.

Zum einen seien erhebliche Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne zu befürchten. Und zum anderen könnten außer der FDA auch weitere Gesundheitsbehörden zu ähnlichen Maßnahmen greifen – etwa in Europa. (ad)