Rezeptfreigabe: Absatz der Pille danach gestiegen

Heilpraxisnet

„Pille danach“: Rasantes Verkaufs-Wachstum nach Rezeptfreigabe

30.03.2015

Seit Mitte März ist die Abgabe der „Pille danach“ in Deutschland auch ohne Rezept möglich. Die Pille kann nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen werden, um eine Befruchtung zu verhindern. Die Verkaufszahlen sind seit der Rezeptfreigabe in die Höhe geschnellt.

Absatz seit Rezeptfreigabe rasant gestiegen
Nach der Aufhebung der Rezeptpflicht ist der Absatz der „Pille danach“ in Deutschland rasant gestiegen. Einer Meldung der Nachrichtenagentur dts zufolge berichtete der Branchendienst „Apotheke Adhoc“, dass alleine in der ersten Woche nach der Freigabe fast ein Drittel mehr Packungen abgegeben wurden als üblich. Zahlen des Marktforschungsunternehmens IMS Health zufolge wurden in der 12. Kalenderwoche 13.500 Packungen der „Pille danach“ in den Apotheken abgegeben. Auf den ganzen Monat hochgerechnet entspricht dies 54.000 Packungen. Vergleicht man die Zahlen mit denen von März 2014, als 41.000 Packungen abgegeben wurden, ergibt sich ein Anstieg von 31 Prozent.

Hersteller sieht großes Wachstumspotential
Der Hersteller HRA Pharma erwartet allerdings trotz des markanten Anstiegs auf das Jahr gerechnet geringere Zuwächse. Laut HRA-Deutschlandchef Klaus Czort sei im Startmonat März wegen der großen öffentlichen Aufmerksamkeit mehr zu erwarten gewesen, die Kurve werde aber abflachen. Für die Zukunft sieht er aber Wachstumspotential. So gebe es in Deutschland einen Bedarf für den Fall von Risikosituationen – dazu zählen alle Arten von Verhütungspannen sowie ungeschützter Verkehr – von jährlich 2,4 Millionen Packungen. Mit zuletzt 400.000 Packungen im Jahr sei man davon Czort zufolge noch sehr weit entfernt.

Jahrelang kontroverse Diskussionen
Das Thema „Pille danach“ hatte über Jahre zu kontroversen Diskussionen geführt, bis Deutschland per EU-Recht zur Freigabe verpflichtet wurde. Zwar sind zwei Wirkstoffe nun rezeptfrei, doch den Angaben zufolge wurde in der Selbstmedikation bislang nur EllaOne (Ulipristal) abgegeben. Der „Bayrische Rundfunk“ (BR) hatte vor wenigen Wochen über die Präparate berichtet. Demnach sind beide umso wirksamer, je früher die Einnahme erfolgt. Zu beachten sei zudem, dass die Wirksamkeit der Präparate bei Übergewicht nachlässt. So verliere der Wirkstoff Ulipristal ab 95 Kilogramm Körpergewicht seine Wirkung, wie der „BR“ unter Berufung auf die Berufsverbände der Frauenärzte berichtete.

Mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen
Zu bedenken seien außerdem auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, wie Antibiotika, Antidepressiva, Antiepileptika oder Johanniskrautpräparaten. Weiter wurde berichtet, dass bei drei von 100 Frauen trotz Einnahme der Wirkstoffe eine Schwangerschaft auftrat und das Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Unterbauchschmerzen, Blutungen, Übelkeit und Erbrechen auftreten können. Wenn Frauen nach der Einnahme erbrechen, wird zu einer wiederholten Einnahme geraten. Laut „BR“ liegt der Preis für die Pille zwischen 16 und 18 Euro. Wenn ein Rezept vorliegt, werden die Kosten bei jungen Frauen bis zum Alter von 20 Jahren von der Krankenkasse übernommen. (ad)

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>Bild: Wilhelmine Wulff / pixelio.de