Rheuma: die wichtigsten Fragen

Heilpraxisnet

26.03.2015

Rheuma betrifft in Deutschland und Österreich fast 22 Millionen Menschen und gehört damit zu den großen Volkskrankheiten. Univ.-Doz. Dr. Bertram Hölzl, Facharzt für innere Medizin und wissenschaftlicher Leiter des Gasteiner Heilstollens, beantwortet wichtige Fragen zu rheumatischen Erkrankungen und erklärt, was Betroffene selbst gegen die Krankheit tun können:

Was genau verbirgt sich hinter Rheuma?
„Unter dem Oberbegriff ‚Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises‘ fassen Mediziner zwischen 200 und 400 Krankheiten zusammen, die zum Teil ähnlich, oft aber auch sehr unterschiedlich in Erscheinung treten. Gemeinsames Merkmal aller Krankheiten sind starke Schmerzen. Rheuma betrifft grundsätzlich Menschen in allen Altersklassen – auch Kinder.“

Welche Symptome deuten auf Rheuma?
„Da es sich um verschiedene Erkrankungen handelt, sind auch die Symptome oft sehr unterschiedlich. Bei der rheumatoiden Arthritis – die häufigste Form des entzündlichen Rheumas – sind erste Anzeichen manchmal Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder auch leichtes Fieber. Typischerweise treten geschwollene oder gerötete Gelenke auf. Betroffene klagen oft auch über eine morgendliche Gelenksteifheit. Die Beschwerden können plötzlich, aber auch schleichend auftreten. Typisch für Rheuma sind symmetrische Lokalisationen der Beschwerden, also beispielsweise beide Hände, Schultern, Knie- oder Fußgelenke. Schreitet die Krankheit weiter fort, verformen sich Gelenke, die Beweglichkeit vermindert sich und der Patient hat starke Schmerzen.“

Wie wird die Krankheit erkannt?
„Im Anfangsstadium ist es für einen Arzt sehr schwierig, die Krankheit festzustellen. Bei vielen Rheumaformen können mithilfe von Blutuntersuchungen der sogenannte Rheumafaktor und andere Antikörper nachgewiesen werden.“

Wie wird behandelt?
„Die meisten rheumatischen Erkrankungen gelten als nicht heilbar, wenngleich es heute viele moderne medikamentöse Behandlungsformen gibt, welche jedoch auch mit beträchtlichen Nebenwirkungen verbunden sein können. Meist wird mit einer Kombination aus entzündungshemmenden und schmerzstillenden Arzneien medikamentös behandelt. Um betroffene Gelenke beweglich zu erhalten, ist regelmäßige Physiotherapie meist wichtiger Teil der Behandlung. Bei manchen Betroffenen ist eine Operation im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung unumgänglich, bei der zerstörte Gelenke durch eine Prothese ersetzt werden.“

Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten?
„Ja, bei Rheuma helfen Kuren in warmen Heilstollen ausgesprochen gut. Im Gasteiner Heilstollen beispielsweise herrschen hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit – ein Klima bei dem sich schmerzende Muskeln gut entspannen. Zudem tritt aus dem Berggestein Radon in geringen Mengen aus, das bei Rheumatikern die Aktivität von Entzündungszellen sowie Schmerzbotenstoffen hemmt. Diese Effekte der sogenannten Radonwärmetherapie halten über viele Monate nach einem Behandlungszyklus an. Patienten berichten über anhaltende Schmerzlinderung bis hin zur völligen Beschwerdefreiheit und deutlich niedrigeren Medikamentenbedarf. Diese Radonwärmetherapie erfährt besonders bei rheumatischen Krankheitsbildern eine große Anerkennung.“

Was kann jeder selbst gegen Rheuma tun?
„Die meisten Rheuma-Patienten haben vor allem bei Wind und Unterkühlung in den betroffenen Gelenkregionen mehr Schmerzen. Sie sollten die Gelenke deshalb warmhalten. Zudem wirkt Bewegung rheumatischen Gelenkversteifungen entgegen, sie verhindert den muskulären Abbau und stärkt die Knochen. Starke Muskeln wiederum entlasten strapazierte Gelenke. Besonders eignen sich gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Aquagymnastik, Tanzen, Walking oder Funktionstraining. Sport kann zusätzlich entzündliche Schübe reduzieren, dies belegte kürzlich eine Studie aus Großbritannien. Zusätzlich helfen Betroffenen oft auch Entspannungsübungen zu Hause. Autogenes Training, Meditation, Yoga oder Tai Chi lassen sich besonders gut nutzen, um die Kontrolle über Schmerzen wieder zu erlangen und Blockaden in Muskeln zu lösen.“ (pm)

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