Richtiger Umgang mit HIV-Infektionen gefragt

Fabian Peters

Wie reagieren bei der HIV-Infektion eines Bekannten?

01.12.2011

Auch heute noch erkranken in Deutschland jährlich rund 2.700 Menschen an AIDS. Insgesamt leiden derzeit rund 73.000 Personen hierzulande an der Immunschwächekrankheit und etwa 500 Betroffene sterben pro Jahr an den Folgen ihrer Erkrankung. Um auf die Risiken einer HIV-Infektion hinzuweisen, über die Folgen, Behandlungsansätze und den bestmöglichen Umgang mit Betroffenen zu informiere, richtet UNAIDS (das AIDS-Programm der Vereinten Nationen) seit 1988 jährlich am ersten Dezember den Welt-AIDS-Tag aus.

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Dieses Jahr steht der Welt-AIDS-Tag unter dem Motto „Positiv zusammen leben – Aber sicher!“, wobei nicht nur der positive Umgang der AIDS-Patienten mit ihrer Krankheit sondern auch die angemessene Reaktion der Freunde, Bekannten, Kollegen und Familie thematisiert werden soll. In erster Linie ist AIDS für die Erkrankten ein erheblicher Schicksalsschlag, doch auch das persönliche Umfeld der Betroffenen hat oftmals Schwierigkeiten einen angemessenen Umgang mit den HIV-Infizierten zu finden. Aus diesem Grund informieren die Experten auf dem diesjährigen Welt-AIDS-Tag ausführlich darüber, wie Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen am besten auf die AIDS-Erkrankung reagieren sollte.

Welches ist die richtige Reaktion auf die HIV-Infektion?
Anlässlich des heutigen Welt-AIDS-Tages informierte Heike Gronski von der Deutschen AIDS-Hilfe in Berlin darüber, wie die bestmögliche Reaktion des Umfelds auf die AIDS-Erkrankung eines Bekannten ausfallen sollte. Dabei sei vor allem „entscheidend, direkt darüber zu reden“, betonte Gronski. Für die Betroffenen sei es ohnehin schwierig genug, sich mit ihrer Erkrankung zu offenbaren, daher sollte sich das Umfeld bei einer solchen Öffnung nicht verschließen, erklärte Heike Gronski. Zwar ist die Erkrankung auch für Freunde und Kollegen oft ein Schock, doch diese sollten einen möglichst offenen Umgang mit den Betroffenen bewahren. Der Expertin der Deutschen AIDS-Hilfe zufolge müsste das Umfeld der AIDS-Patienten diesen idealerweise das Gefühl vermitteln, dass die HIV-Infektion keine Veränderung in ihrer persönlichen Beziehung darstellt. Als wünschenswerte Reaktionen bezeichnete Gronski Sätze wie: „Wir bleiben weiter befreundet.“; oder „Du kannst natürlich weiter hier arbeiten.“

Ängste und Befürchtungen im Gespräch mit den AIDS-Kranken thematisieren
Der richtige Umgang mit den AIDS-Patienten ist laut Heike Gronski generell von der Beziehung zu den Erkrankten abhängig, wobei unter Freuden, Verwandten und mit dem Lebenspartner die emotionale Aufbereitung der neuen Lebenssituation im Vordergrund stehen sollte. Im Arbeitsumfeld sind hingegen zum Beispiel die Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit, die Ansteckungsrisiken und ein diskreter Umgang mit der Erkrankung von erhöhtem Interesse. In jedem Fall sollten Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen jedoch das offene Gespräch mit den Betroffenen nicht scheuen. Auch ist der Mut der AIDS-Patienten, sich mit ihrer Erkrankung zu offenbaren, von den Eingeweihte grundsätzlich entsprechend zu würdigen, denn den wenigsten Infizierten fällt dieser Schritt leicht. Im Gespräch mit den HIV-Infizierten sollten die Eingeweihten auch vor schwierigen Fragen nicht zurückschrecken und dabei die eigene Ängste und Befürchtungen thematisieren, erklärte die Expertin der Deutschen-AIDS-Hilfe. Fragen wie: „Was heißt das für unseren Umgang miteinander?“; „Gibt es ein Infektionsrisiko?“ oder „Bist du jetzt häufig krank?“ sind durchaus erlaubt und können dazu beitragen unbegründete Ängste abzubauen, so Gronski weiter. Dabei ist es laut Aussage der Expertin hilfreich, wenn HIV-Positive und -Negative sich schon vor dem Gespräch Informationen zu möglichen Fragen beschaffen.

Kommunikation über die HIV-Infektion nur mit Einverständnis der Betroffenen
Die Eingeweihten sollten mit den Betroffenen auch thematisieren, wie in Zukunft mit der Information über die AIDS-Erkrankung umzugehen ist. Hier steht laut Aussage von Heike Gronski die Frage im Vordergrund, ob die Infizierten ihre Krankheit lieber geheim halten möchten oder ob auch mit anderen darüber gesprochen werden kann, „und wenn ja, mit wem?“ Stammt die Information über die AIDS-Erkrankung eines Bekannten von Dritten, sollte am besten direkt nachgefragt werden, ob diese Kommunikation der Erkrankung für den Betroffenen überhaupt in Ordnung geht. Denn „jeder hat das Recht darauf, dass seine Krankengeschichte nicht in der Öffentlichkeit ausgebreitet wird, wenn er das nicht will“, so die Aussage der Expertin der Deutschen AIDS-Hilfe. Dies gelte auch im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, doch vor allem am Arbeitsplatz sollte das Informationsrecht ausschließlich bei den Betroffenen liegen und die Eingeweihten nicht ohne Einverständnis der Erkrankten über die HIV-Infektion ihres Kollegen diskutieren. Allerdings ist unter Umständen auch ein offenes Gespräch in größere Runde hilfreich, wenn bereits das Gerücht der HIV-Infektion eines Mitarbeiters die Runde macht, erklärte Heike Gronski. Kursieren derartige Gerüchte „ist es vielleicht sogar sinnvoll, die Infektion in größerer Runde zu thematisieren, etwa bei einer Teambesprechung“, um den Infizierten die Chance zu geben, selbst öffentlich über ihre Erkrankung zu sprechen, so die Expertin der Deutschen AIDS-Hilfe weiter. Allerdings ist ein solches Gespräch nur nach Rücksprache mit den Betroffenen in Erwägung zu ziehen. Lehnen HIV-Infizierten eine derart offenen Kommunikation ihrer Erkrankung ab, sollten auch die Kollegen dies respektieren. (fp)