Risiken und Folgen postpartaler Diabetes vielfach unterschätzt

Fabian Peters
Frauen mit postpartaler Diabetes haben ein erhöhtes Diabetes-Typ-2-Risiko
Einige Ärzte und Hebammen unterschätzen das Risiko postpartaler Diabetes bei Frauen. Diese Form von Diabetes können Frauen als Folgeerkrankung einer Schwangerschaftsdiabetes entwickeln. Erkrankte Frauen haben eine erhöhte Wahrscheinlichkeit im späteren Leben an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Bisherige Forschungen konzentrieren sich meist auf andere Ursachen der Diabetes Typ 2. Die Krankheit wird zum Beispiel mit Übergewicht in Zusammenhang gebracht und kann entstehen, wenn der Körper nicht genug des Hormons Insulin produziert oder das Hormon nicht richtig verwendet wird, um den Blutzucker in Energie umzuwandeln. Nun hat eine aktuelle Studie festgestellt, dass Frauen, die an einer speziellen Form der Diabetes während der Schwangerschaft erkrankt sind, ein erhöhtes Risiko haben, später Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

In vielen Ländern unterstreichen medizinischen Richtlinien die Bedeutung von regelmäßigen Screenings, um Typ 2-Diabetes bei Frauen festzustellen, die vorher an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt waren. Forscher der Queen Mary University of London stellten nun fest, dass ein Mangel an Konsens unter den Hausärzten, Geburtshelfern und Hebammen in Bezug auf die Verantwortung für ein sofortiges postpartales Screening besteht, so die Mitteilung der Nachrichtenagentur „Reuters“. Etwa vier von fünf Hebammen und die Hälfte der Geburtshelfer seien unsicher im Umgang mit den Gefahren von Diabetes oder hätten die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen, die diese Komplikation während der Schwangerschaft entwickelten, auch später in ihrem Leben Probleme mit der Erkrankung bekommen, unterschätzt.

Frauen haben nach durchlebter Schwangerschaftsdiabetes eine erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko. (Bild: Kzenon/fotolia.com)
Frauen haben nach durchlebter Schwangerschaftsdiabetes eine erhöhtes Typ-2-Diabetes-Risiko. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Viele Mediziner unterschätzen die Gefahren von Schwangerschaftsdiabetes
Die Mehrheit der Ärzte wisse zwar, dass Schwangerschaftsdiabetes ein großer Risikofaktor für spätere Diabetes-Erkrankungen darstelle. Trotzdem würden besorgniserregend viele Mediziner die Gefahr unterschätzen, zitiert „Reuters“ den Hauptautor der Studie, Dr. Girish Rayanagoudar von der „Queen Mary University of London“. Etwa die Hälfte aller Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes würden Typ-2-Diabetes innerhalb von fünf Jahren entwickeln. Diese Gefahr bestehe auch, wenn anfängliche Screenings nach der Schwangerschaft normal ausfallen, warnt der Forscher.

Befragung von 106 Ärzten zu postpartalen Screening
Um zu verstehen, wie Hausärzte, Geburtshelfer und Hebammen über die Risiken informiert waren und postpartale Screenings einsetzten, befragten die Forscher 106 britische Ärzte in „East London“ und „West Midlands“. Fast alle befragten Ärzte sagten, dass sie Beratung zur Ernährung und Bewegung anbieten als Teil ihrer postnatalen Versorgung für Frauen, die Schwangerschaftsdiabetes hatten. Die meisten der Frauen, seien drei oder sechs Monaten nach der Entbindung auf Diabetes untersucht worden. Wenn diese Untersuchungen normal abliefen, wurden weitere Screenings jährlich durchgeführt.

Mangel an Konsens unter Ärzten und Hebammen führt zu Problemen
Die Ergebnisse der Studie zeigen nach Ansicht der Forscher, dass die Einführung einer einheitlichen Screening-Strategie erforderlich ist. Es gelte das Bewusstsein über die langfristigen Folgen von Schwangerschaftsdiabetes zu verbessern, werden die britischen Experten von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Die durchgeführte Studie sei zwar relativ klein, aber die festgestellten Ergebnisse würden durch andere Forschungen zum Thema Diabetes-Typ-2-Screening bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes unterstützt. Der Mangel an Konsens zu dem Screening sei besonders besorgniserregend für Frauen mit einem erhöhten Risiko, Diabetes Typ 2 zu entwickeln, nach dem sie an einer Schwangerschaftsdiabetes erkrankt waren, erklärte Dr. Sanjay Kalra, Berater am „Bharti Hospital“ in Haryana (Indien) in einer Stellungsnahme gegenüber der Nachrichtenagentur „Reuters“. Beispielsweise seien Frauen südasiatischer Abstammung und fettleibige Frauen eher von der Entwicklung einer Diabetes Typ 2 nach durchlebter Schwangerschaftsdiabetes betroffen. Um das Risiko von Diabetes nach der Geburt zu minimieren, sei es wichtig, dass die betroffenen Frauen auf eine gesunde Ernährung und genügend Bewegung achten. Außerdem könnte Stillen das Potenzial haben, Diabetes zu verhindern, so der Mediziner Dr. Sanjay Kalra.(as)