Risiko: Schlafmangel begünstigt Diabetes

Astrid Goldmayer

Schlafmangel durch Schlafstörungen kann das Auftreten von Diabetes Typ II begünstigen

12.04.2012

Schlafmangel führt zu einem erhöhten Diabetes-Risiko. Das fanden US-amerikanische Forscher mittels einer Studie heraus. Durch unzureichenden Schlaf werde zudem die Entstehung von Übergewicht begünstigt, heißt es im Fachblatt „Science Translational Medicine“, in dem die Studienergebnisse veröffentlicht wurden. Ganz besonders sind Schichtarbeiter gefährdet.

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Schlafmangel verlangsamt Stoffwechselprozesse im Ruhezustand
Dass Schlafmangel nicht nur zu Konzentrationsstörungen führen kann sondern auch eine Unterfunktion der Bauchspeicheldrüse begünstigt, fanden Orfeu Buxton vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und sein Team kürzlich heraus. Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, und Vielflieger haben demnach ein erhöhtes Risiko für Diabetes Typ II. Laut Forschern verursachen Schlafmangel und eine Verschiebung des des Tag-Nacht-Rhythmus eine Störung der inneren Uhr. Das könne dazu führen, dass die Bauchspeicheldrüse nur noch eine geringere Menge Insulin produziere und sich der Zucker im Blut konzentriere. Durch den erhöhten Blutzuckerspiegel kann Diabetes ausgelöst werden. Bei den Probanden beobachteten die Forscher darüber hinaus einen verlangsamten Stoffwechsel im Ruhezustand. Dies kann die Entstehung von Übergewicht begünstigen.

Für die Studie wurden 21 Probanden fast sechs Wochen lang im Krankenhaus untergebracht und untersucht. Die Wissenschaftler nahmen dabei gezielt Einfluss auf ihre Schlaf- und Wachzeiten, in dem sie festlegten, wann und wie viel die Studienteilnehmer schlafen durften. Zudem legten sie die Ernährung fest. Während die Probanden in ersten Tagen ausreichend Schlaf bekamen, wurde die Schlafdauer anschließend für drei Wochen auf 5,6 Stunden pro 24 Stunden reduziert. Die Teilnehmer sollten dabei mal nachts und mal tagsüber schlafen. Die Forscher konnten beobachten, dass sich der Stoffwechsel in den Ruhezeiten deutlich durch den Schlafmangel und die Unregelmäßigkeit des Schlafs verlangsamte. Der Körper verbrannte weniger Kalorien. Auf ein Jahr gerechnet hätte dies bei den Probanden zu einer Gewichtszunahme von fast sechs Kilo geführt, berichten die Wissenschaftler.

Schlafmangel führt zur erhöhten Blutzuckerwerten
Nach den Mahlzeiten hatten die Probanden zudem einen höheren Glucose-Gehalt im Blut. Es werde vermutet, dass die Insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse nur noch geringere Mengen Insulin produzierten. Die Forscher wiesen bei einigen Probanden so hohe Blutzuckerwerte nach, dass von einer Diabetes-Vorstufe, einem sogenannten Prä-Diabetes, gesprochen werden konnte.

Nachdem die Probanden neun Tage lang ausreichend und im regelten Rhythmus schliefen, verschwanden die Auffälligkeiten wieder, heißt es im Fachblatt „Science Translational Medicine“. Die Forscher schreiben, dass ihre Untersuchungsergebnisse frühere Studien untermauern. „Es ist erwiesen, dass ausreichender Schlaf wichtig für die Gesundheit ist und dass die beste Zeit zum Schlafen nachts ist“, berichtet Buxton.

Ursachen für Schlafmangel
Schlafmangel ist ein ernsthaftes gesundheitliches Problem. Ganz ohne Schlaf kann kein Mensch überleben. Warum der Mensch schlafen muss, ist bisher jedoch noch nicht eindeutig wissenschaftlich erklärt.

Immer mehr Menschen in Deutschland leiden an Schlafstörungen und entsprechendem Schlafmangel, mit teilweise schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Die Schlafforschung, die sogenannte Somnologie, kennt inzwischen rund 80 verschiedene Schlafstörungen, die von Einschlafschwierigkeiten, über Durchschlafprobleme bis hin zum Schlafwandeln reichen können. Die häufigsten Ursachen von Schlafstörungen sind Stress und psychische Beschwerden, gefolgt von Schmerzen und Lärm. Bei Stress werden oft Belastungen auf der Arbeit und die Sorgen um den Arbeitsplatz als Auslöser für Schlafstörungen angegeben. (ag)