Risiko Tampon: Frau lag wegen toxischem Schocksyndrom im Sterben

Alfred Domke

Mit Verdacht auf Grippe in die Klinik: Mutter wäre fast wegen Tamponkrankheit gestorben

In den USA wäre eine 37-Jährige Frau beinahe am toxischen Schocksyndrom (TSS) gestorben. Laut einem Medienberichte dauerte es einige Tage, bis sich die Patientin wegen ihrer Beschwerden in ein Krankenhaus begab und Ärzte die sogenannte „Tamponkrankheit“ diagnostizierten. Zunächst war die Frau davon ausgegangen, dass sie an Grippe leidet.


US-Amerikanerin beinahe gestorben

Das regelmäßige Wechseln von Tampons und Binden gehört zur richtigen Intimhygiene während der Menstruation dazu. Bleiben Tampons zu lange in der Scheide, drohen laut Fachleuten mitunter sogar lebensbedrohliche Gefahren, wie das sogenannte toxische Schocksyndrom (TSS). Diese Krankheit hätte Aimee Haller Follis fast das Leben gekostet. Laut einem Bericht der britischen Zeitung „The Sun“ lag die 37-jährige Frau aus Philadelphia (US-Bundesstaat Pennsylvania) wegen der sogenannten „Tamponkrankheit“ tagelang im Krankenhaus. Die Patientin schwebte in Lebensgefahr. Sie dachte zunächst, sie leide an einer Grippe.

In den USA wäre eine zweifache Mutter fast am toxischen Schocksyndrom (TSS) gestorben. Die Krankheit wird meist durch Tampons ausgelöst, die zu lange im Körper bleiben. (Bild: Michal Ludwiczak/fotolia.com)

Patienten dachte zunächst sie leide an Grippe

Der Leidensweg der zweifachen Mutter begann im Mai vergangenen Jahres. Ein paar Tage zuvor war sie mit ihrer Familie umgezogen.

Als sie mitten in der Nacht krank wurde, war die 37-Jährige nach eigenen Angaben nicht sonderlich besorgt.

„Als ich mitten in der Nacht mit Fieber erwachte, dachte ich, ich wäre erschöpft von all dem Hin und Her des Umziehens, also blieb ich im Bett. Ich dachte, ich hätte die Grippe, da die Symptome denen einer Grippe ähnelten“, so Frau Follis laut der „Sun“.

Aber im Laufe der Tage verschlechterte sich ihr Zustand. „Ich nahm rezeptfreie Fiebermedikamente, dehydrierte aber mehr und mehr“, sagte sie. „Ich wurde immer schwächer. Ich konnte nicht essen, ich fing an mich zu übergeben. Ich fühlte mich immer schlechter.“

Als sie kaum mehr in der Lage war, zu stehen, brachte sie ihr Mann ins Chester County Hospital in West Chester, Pennsylvania.

Extrem hohes Fieber und sehr niedriger Blutdruck

Im Krankenhaus stellten die Ärzte fest, dass die Patientin sehr hohes Fieber um die 41 Grad hatte und ihr Blutdruck gefährlich niedrig war.

Laut Frau Follis wurden in der Notaufnahme mehrere Tests durchgeführt. „Ich hatte einen MRT- und CT-Scan, aber sie konnten nichts herausfinden.“

Sie erklärte: „Ich hatte stechende Schmerzen in meinem ganzen Bauch. Ich zitterte so sehr, weil mir kalt war, obwohl mir heiß war und ich Fieber hatte.“

Nach etwa zwei Stunden bemerkte ein Spezialist, dass die Infektion in ihrem Gebärmutterhals war und sie an einem toxischen Schocksyndrom litt.

Toxisches Schocksyndrom kann tödlich enden

Umgangssprachlich wird TSS auch als „Tamponkrankheit“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine Infektionskrankheit mit dem Bakterium Staphylococcus aureus.

Typische Symptome sind neben hohem Fieber unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Blutdruckabfall, Hautausschlag sowie ferner Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall.

Bei entsprechenden Symptomen sollte unbedingt schnell ein Arzt aufgesucht werden.

Eine Infektion kann zu schweren Kreislauf- und Organversagen führen.

Zwar tritt die Krankheit mit einem Fall pro 200.000 Einwohner äußerst selten auf, kann aber tödlich enden, wie der Fall der13-jährigen Jemma-Louise Roberts aus Großbritannien zeigte.

Das Mädchen aus dem Großraum Manchester starb vor wenigen Jahren am toxischen Schocksyndrom.

Einem großen Teil der Bevölkerung ist die Krankheit durch den Fall des ehemaligen Vogue-Models Lauren Wasser bekannt geworden. Bereits vor Jahren wurde ihr wegen TSS ein Bein amputiert. Und erst vor wenigen Wochen wurde berichtet, dass sie wegen Spätfolgen auch ihr zweites Bein verlor.

Bakterien gelangen häufig über Tampons in den Körper

Die Bakterien Staphylococcus aureus können zwar theoretisch durch jede Wunde in den Körper eindringen, doch häufig gelangen die Erreger laut Fachleuten über Tampons in den Organismus, vor allem wenn diese zu lange im Körper bleiben.

Frau Follis glaubt jedoch im Nachhinein nicht, dass es daran lag, dass sie einen Tampon vergessen hatte, sondern dass eine Faser des Tampons die Infektion verursacht hat.

Die Patientin wurde auf die Intensivstation gebracht, wo sie mit Antibiotika und Medikamenten zum Blutdruck senken, versorgt wurde.

„Ich war fünf Tage auf der Intensivstation und bekam die maximale Menge an Blutdruckmedikamenten, die man bekommen kann. Ich wurde flüssig ernährt, hatte einen Katheter und trug Windeln. Ich konnte nicht gehen“, so Follis.

Zudem habe sie Probleme beim Atmen gehabt und wurde künstlich beatmet.

Krankheit hat sich nachhaltig ausgewirkt

Einige Tage später konnte sie aus der Klinik entlassen werden. Ganz gesund wurde sie jedoch nicht. Die Krankheit habe sich nachhaltig ausgewirkt.

Die Frau verlor etwa die Hälfte ihrer Haare und erlitt eine Fehlgeburt, die sie mit dem toxischen Schocksyndrom in Verbindung bringt. Darüber hinaus büßte sie an Muskelkraft ein und hatte einen vorübergehenden Sehverlust.

Während ihres Martyriums habe sie eine Art Nahtoderfahrung gehabt: „Ich sah ein weißes Licht in der Ferne, in der oberen linken Ecke“, sagte Follis der „Sun“.

Sie habe ihre nächsten Verwandten „gesehen“. „Niemand hat mit mir gesprochen, aber alle lächelten und hatten ein weißes Licht hinter sich. Sie waren alle zusammen da. Es war eine sehr beruhigende Erfahrung. Ich war so glücklich, sie zu sehen. Ich wusste, dass sie da waren. Ich wusste, woher sie kamen, aber ich wollte nicht dorthin gehen.“ (ad)