Riskante Schlankheitsarzneien: Diät-Pillen helfen kaum beim Abnehmen

Alfred Domke
Todesfälle bekannt geworden: Schlankheitsmittel können die Gesundheit gefährden
Wer sich vorgenommen hat, im neuen Jahr die angefutterten Kilos der Feiertage wieder loszuwerden, sollte nicht auf Schlankheitsmittel vertrauen. Die meisten Diät-Pillen können ihr Wunderversprechen nicht halten und manche bergen gar ein tödliches Gesundheitsrisiko.

Nach den üppige Feiertagen das Gewicht reduzieren
Wer nach den üppigen Feiertagen den Winterspeck schneller loswerden will, sollte nicht unbedingt auf Schlankheitsmittel vertrauen. Diese versprechen zwar oft wahre Wunder, helfen aber meist nur wenig. Im schlimmsten Fall können sie sogar tödliche Folgen haben. Darauf weist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in einer aktuellen Mitteilung hin. Besonders Mittel, die im Internet angeboten werden, können demnach die Gesundheit schwer schädigen.

Schlankheitsmittel versprechen oft wahre Wunder, helfen meistens aber nur wenig. Außerdem enthalten manche dieser Diät-Pillen oder -Pulver gesundheitsgefährdende Substanzen. Es kam sogar zu Todesfällen. (Bild: BillionPhotos.com/fotolia.com)

Nahrungsergänzungsmittel dürfen keine arzneiliche Wirkung entfalten
Schlankheitsmittel sind häufig in arzneimitteltypischer Form als Tabletten, Kapseln oder in Pulverform unter der Bezeichnung Nahrungsergänzungsmittel (NEM) auf dem Markt zu finden.

Wie die Experten erläutern, sind NEM – anders als Arzneimittel – nur dazu bestimmt, dem Körper zusätzlich Vitamine, Mineralstoffe und andere Stoffe zuzuführen, um die normale Ernährung zu ergänzen.

Mehr zum Thema:

Nahrungsergänzungsmittel dürfen demnach keine arzneiliche Wirkung entfalten – und damit auch keine Abnehmwirkung ohne reduzierte Kalorienzufuhr.

Außerdem durchlaufen Nahrungsergänzungsmittel kein behördliches Zulassungsverfahren, in dem die gesundheitliche Unbedenklichkeit vorab nachgewiesen werden muss. Der Hersteller oder Importeur, der für die Sicherheit seiner Produkte verantwortlich ist, muss sein Nahrungsergänzungsmittel beim BVL anzeigen, bevor er es in Verkehr bringt.

Illegale Substanzen zugesetzt
Dem Bundesamt zufolge versuchen einige Geschäftemacher, ihre Schlankheitsmittel wirksam zu machen, indem sie ihnen illegale Substanzen zusetzen.

Solche Produkte werden hauptsächlich im Internet vertrieben und häufig als „100 % natürliche“ oder „rein pflanzliche“ Nahrungsergänzungsmittel angeboten.

Sie enthalten allerdings nicht deklarierte pharmakologisch wirkende Stoffe in hohen Dosierungen.

Todesfälle durch Schlankheitsmittel
Zu den oftmals verwendeten gefährlichen Beimischungen gehört unter anderem Sibutramin, ein Stoffe, der als Appetitzügler zur Reduktion von starkem Übergewicht in Arzneimitteln verwendet worden war.

Obwohl er 2010 aufgrund seiner massiven Nebenwirkungen als Arzneimittelwirkstoff in der EU verboten wurde, werden immer wieder Lebensmittel gefunden, die Sibutramin enthalten. Teilweise lagen die Sibutramingehalte dabei weit über den therapeutisch eingesetzten Dosierungen. Es kam sogar zu Todesfällen.

Laut BVL handelte es sich bei den Produkten um als Nahrungsergänzungsmittel vertriebene Erzeugnisse oder Aufgussgetränke, die als „Slimming Tea“ oder „Weight loss coffee“ angeboten wurden.

Industriechemikalie in Diät-Pillen
Zudem finden sich in Produkten aus dem Internet oftmals auch chemisch-synthetische illegale Beimischungen, wie 2,4-Dinitrophenol (DNP), eine Industriechemikalie, die bei der Synthese von Farbstoffen, Holzschutzmitteln, Insektiziden und Sprengstoffen verwendet wird.

Wird DNP in geringer Dosis über einen längeren Zeitraum eingenommen, kann es zu Schädigungen von Leber, Niere, Blutbildung, Herz-Kreislauf- und Nervensystem kommen. In verschiedenen Ländern gab es in den vergangenen Jahren mehrere Todesfälle, die auf den Konsum von Produkten mit unerlaubt zugesetztem DNP zurückzuführen waren.

So etwa in England, wo eine junge Frau innerlich verbannt ist, nachdem sie Tabletten mit Dinitrophenol genommen hatte, wie britische Medien berichteten.

Kammerflimmern und Herzinfarkt
Das BVL weist außerdem darauf hin, dass manche als „rein pflanzlich“ deklarierte Nahrungsergänzungsmittel bedenkliche natürliche Wirkstoffe wie Synephrin enthalten, das den Energieverbrauch erhöhen, die Nahrungsaufnahme reduzieren und die Magentätigkeit steigern soll.

Synephrin kommt in geringen Mengen in vielen Zitrusfrüchten vor, in Schlankheitsmitteln wird es meist in hohen Mengen in Kombination mit Koffein angeboten, wobei der Stoff häufig hinter der Bezeichnung Bitterorangenextrakt versteckt wird und Koffein hinter der Bezeichnung pflanzlicher Extrakte wie Guarana, Kaffee oder Grüntee-Extrakt.

Synephrin und Koffein wirken beide auf das Herz-Kreislauf-System. Die Einnahme solcher Kombinationspräparate kann gefährliche Folgen haben, die von Schlafstörungen, Bluthochdruck und Herzrasen bis zu Kammerflimmern und Herzinfarkten reichen.

Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher
Das BVL hat in seiner Mitteilung auch einige Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher parat. Da Nahrungsergänzungsmittel keine pharmakologische Wirkung entfalten dürfen, sollte man bei schnellen und unrealistischen Erfolgsversprechen grundsätzlich skeptisch sein.

Vorsicht ist zudem angebracht bei Produkten, die exklusiv im Internet vertrieben werden. Erfahrungsberichte und Empfehlungen in Diskussionsforen und Chatrooms entpuppen sich oft als getarnte Werbung.

Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht von Privatpersonen erworben werden. Beim Online-Shopping kann das Impressum des Anbieters auf Vollständigkeit überprüft werden.

Da Mittel aus dem Ausland gegebenenfalls in Deutschland als Arzneimittel angesehen werden können, besteht die Möglichkeit, dass die Einfuhr verboten ist, die Ware vom Zoll beschlagnahmt wird und es zu einer Anzeige kommt.

Weil gerade Produkte aus dem Internet gefährliche illegale Substanzen enthalten können, sollte man sich vor dem Kauf genau über die unbekannten Zutaten informieren.

Holen Sie sich im Zweifelsfall vor der Bestellung von Produkten zur Ergänzung der Ernährung fachlichen Rat, etwa beim Arzt oder Apotheker. (ad)