RKI warnt vor Tuberkulose in Deutschland

Fabian Peters

Tuberkulose auch in Deutschland eine ernstzunehmende Erkrankung

22.03.2011

Tuberkulose zählt zu den Krankheiten, die in Deutschland eigentlich als annähernd besiegt galten. Doch trotz rückläufiger Neuerkrankungen bleibt Tuberkulose auch hierzulande eine ernstzunehmende Krankheit, warnt das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin.

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Zwar seien die Tuberkulose-Fälle auch im Jahr 2009 erneut zurückgegangen, der Trend habe sich jedoch deutlich verlangsamt, erläuterte der Experte des RKI, Walter Haas am Montag in Berlin. Immer noch erkranken jährlich tausende Menschen in Deutschland an Tuberkulose. Laut Angaben des RKI ist eine Tuberkulose-Erkrankung dabei für Kinder besonders gefährlich, da die Krankheit bei ihnen häufig einen sehr schweren Verlauf nimmt und zu bleibenden Behinderungen führen kann.

Tuberkulose weltweit tödlichste Infektionskrankheit
Tuberkulose ist den Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge weltweit mit rund 9,4 Millionen Erkrankungen und 1,8 Millionen Todesfällen jährlich die gefährlichste Infektionskrankheit und für die meisten Todesfälle verantwortlich. Die bakterielle Infektion wird durch verschiedene Arten von Mykobakterien verursacht und befällt beim Menschen am häufigsten die Lungen. Den Zahlen der WHO nach ist Tuberkulose bis heute insbesondere im asiatischen und afrikanischen Raum relativ stark verbreitet. In Afrika ist Tuberkulose vor allem in den Ländern südlich der Sahara teilweise noch ein erhebliches Problem. Auch in einigen osteuropäischen Ländern ist Tuberkulose nach wie vor eine weit verbreitete Erkrankung. Die Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für Mykobakterien, Sabine Rüsch-Gerdes, erklärte, dass „wir mit unseren deutschen Tuberkulosezahlen“ im Vergleich zu Osteuropa „auf einer Insel der Seligen“ leben. Dennoch seien die vom RKI im Jahr 2009 erfassten 4.444 Tuberkulose-Fälle (154 Todesopfer) ein Zeichen dafür, dass die Krankheit auch hierzulande ein immer noch ernstzunehmendes gesundheitliches Risiko darstelle.

Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland rückläufig
Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen um 68 Fälle zurückgegangen, womit sich der rückläufige Trend der letzte Jahre zwar fortgesetzt jedoch deutlich verlangsamt habe, erklärten die Experten des RKI. Insgesamt verringere sich die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen deutlich langsamer als früher und die Vorgaben der WHO zu einer Halbierung der Tuberkulose-Fälle bis 2015 werden auch hierzulande voraussichtlich nicht erreicht werden, mahnte das RKI. Das RKI sieht sich traditionell in einer besonderen Verantwortung bei der Bekämpfung von Tuberkulose, da der Erreger 1882 vom Namensgeber des Instituts, Robert Koch, entdeckt worden war. Heute sei gut ein Drittel der Lungentuberkulosen in Deutschland durch einen besonders ansteckenden Erreger verursacht, was die Behandlung erheblich erschwere und das Risiko einer Ausbreitung wieder erhöhe, warnte das RKI.

Tuberkulose ist äußerst ansteckend
Die mangelnde Expertise der Mediziner bei der Behandlung von Tuberkulose, ist nach Einschätzung der Experten des RKI ebenfalls ein Problem. Insbesondere „Hausärzten fehlt heute oft die Erfahrung mit dieser Krankheit“, betonte der RKI-Experte, Walter Haas. Der Präsident des RKI, Reinhard Burger ergänzte, dass die abnehmende Erfahrung bei der Tuberkulose-Behandlung das Risiko einer massiven Streuung des Erregers erhöhe und nannte als Beispiel einen Fall aus dem norddeutschen Raum, bei dem ausgehend von einer Erkrankung insgesamt 37 Personen mit Tuberkulose infiziert wurden. Übertragen wird Tuberkulose in der Regel durch die sogenannte Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch, wobei infizierte Personen die Erreger durch Husten als Aerosole (winzige Tröpfchen in der Luft) ausstoßen und diese von ihren Mitmenschen aufgenommen werden. Die Erreger können sich stundenlang in der Raumluft halten, so dass vor allem bei vielen Menschen auf engem Raum und bei schlechter Hygiene ein erhöhtes Übertragungsrisiko besteht. Nach entsprechender Diagnose lässt sich Tuberkulose mit Hilfe einer monatelangen Antibiotika-Behandlung meist erfolgreich bekämpfen. Allerdings stellt hierbei die zunehmende Anzahl von Antibiotika-resistenten Erregern ein wachsendes Problem dar, so die Aussage der Experten des RKI.

Zunahme der Tuberkulose Erkrankungen bei Kindern
Bei der Entwicklung der Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland beunruhigt die Experten des RKI vor allem die wachsende Verbreitung der besonders ansteckenden Tuberkulose-Form und die Zunahme im Bereich der Tuberkulose-Erkrankungen von Kindern. Seit 2008 sei die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen bei Kindern wieder gestiegen und dieser Trend setze sich auch in den vorläufigen Zahlen für das Jahr 2010 fort, warnte der RKI-Experte Walter Haas. Um das Problem in den Griff zu bekommen fordert das RKI eine bessere Kontrolle der Infektionskrankheit und unter anderem mehr Fortbildungen für Ärzte. Die Bevölkerung müsse ebenfalls besser informiert werden, betonte der RKI-Präsident Burger. Hierfür sei zum Beispiel der Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März gut geeignet.

Symptome der Tuberkulose
Eine Tuberkulose Erkrankung verläuft meist in mehreren Stadien wobei die Erreger bereits Jahre im Körper der Betroffenen schlummern können bevor die Krankheit ausbricht. Im allgemeinen lassen sich verschiedenen Phasen der Tuberkulose unterscheiden, wobei die von den Betroffenen ausgehende Ansteckungsgefahr äußerst unterschiedlich ausfallen kann. Die Symptome treten oft erst deutlich nach der eigentlichen Infektion auf und können bei schwerem Krankheitsbild beispielsweise zu erheblichen Beeinträchtigungen des Allgemeinzustandes, Fieber, geschwollene Lymphknoten, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Husten und Atemnot führen. Darüber hinaus sind auch durch die Tuberkulose bedingte Hirnhautentzündungen möglich, die sich durch Kopfschmerzen, steifer Nacken, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle und Fieber äußern und unbehandelt tödlich enden können. Wer Symptome bei sich bemerkt oder mit einem nachweislich Tuberkulose-Infizierten Kontakt hatte, sollte dringend einen Arzt aufsuchen, nicht nur um sich selber zu schützen, sondern auch um seine Mitmenschen vor einer möglichen Ansteckung zu bewahren. (fp)