„Rote Glut“: Überall Badeverbot an Hollands Küste

Sebastian
Gesundheitsgefahr durch „Rote Glut“: Badeverbot an Hollands Küste
An Hollands Küste kam es zu einer Invasion von Meeresleuchttierchen. An drei Stränden wurde daraufhin ein Badeverbot ausgesprochen. Die leuchtenden Schwärme – „Rote Glut“ genannt – seien zwar nicht giftig, könnten jedoch Irritation der Haut und der Atemwege verursachen und stellen somit eine leichte Gesundheitsgefahr dar.

Bedrohlich leuchtende Schwärme
An drei Stränden der holländischen Küste ist das Baden nach einer Invasion von Meeresleuchttierchen zeitweise verboten gewesen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Allerdings zogen sich die bedrohlich leuchtenden Schwärme von Mikroorganismen – von den Medien als „Rode Gloed“ (Rote Glut) bezeichnet – schnell wieder zurück. Daraufhin holten Rettungsschwimmer ihre roten Warnflaggen in Scheveningen, Wassenaar und Katwijk (Provinz Südholland) wieder ein. Das Naturschauspiel wurde auch von zahlreichen deutschen Urlaubern verfolgt. Die winzigen Meeresleuchttierchen (Noctiluca scintillans) waren am Sonntag vor den Küsten an den auch bei Bundesbürgern beliebten Nordseestränden unweit von Den Haag aufgetaucht.

Irritation der Haut und Atemwege
Ein Sprecher der zum Umweltministerium gehörenden Wasserbehörde Rijkswaterstaat erklärte, dass die rötlich leuchtenden Mikroorganismen zwar nicht giftig seien, aber Irritation der Haut und der Atemwege verursachen könnten. „Es erscheint uns darum besser, wenn Menschen nicht ins Wasser gehen.“ Den Angaben zufolge hielten sich die meisten Badegäste an die Warnung, die auch mit Schildern „Zee gevaarlijk“ (Gefahr im Meer) bekannt gegeben wurde. Manche wagten sich aber doch ins Wasser. Ein niederländischer Urlauber meinte gegenüber Reportern: „Das Schwimmen war herrlich.“

Mikroorganismen tauchen in den warmen Monaten auf
Später erklärte ein Sprecher des Niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ), das Badeverbot sei vielleicht eine zu starke Reaktion auf das Auftauchen der Meeresleuchttierchen gewesen. Es handelt sich dabei um Einzeller, die sich vor allem von Plankton ernähren und die Fähigkeit besitzen, Licht zu erzeugen. Sie treten sowohl an der niederländischen als auch an der deutschen Nordseeküste in den warmen Monaten immer wieder in großen Schwärmen auf. Meist verschwinden sie aber nach kurzer Zeit.

Chemikalien bedrohen Gewässer
Auch in Deutschland waren in der Vergangenheit schon Badeverbote ausgesprochen worden. So etwa vor einigen Jahren in Hannover für das Strandbad Maschsee. Dort waren damals bakterielle Verunreinigungen offenbar durch Ausscheidungen von Gänsen verursacht worden. Behörden hatten darauf hingewiesen, dass die Keime zu schweren Magen-Darm-Erkrankungen führen und Beschwerden wie Bauchschmerzen und Durchfall auslösen können. In erster Linie sind in den meisten Ländern jedoch Chemikalien und nicht tierische Ausscheidungen für die Verunreinigung von Flüssen und Seen verantwortlich. So gaben Wissenschaftler erst vor wenigen Monaten bekannt: Pflanzenschutzmittel gefährden viele Gewässer. Demnach ist die Konzentration von Pflanzenschutzmitteln auch in deutschen Gewässern oftmals höher als von den zuständigen Behörden zugelassen. (ad)

: Maria Antónia Sampayo, Instituto de Oceanografia, Faculdade Ciências da Universidade de Lisboa