Rückenschmerzen: Bandscheibe oder Wirbelkanal?

Heilpraxisnet

Starke Beinschmerzen sprechen für Spinalkanalstenose

22.01.2015

Rückenschmerzen gehören längst zu den sogenannten „Volkskrankheiten“, unter denen etwa jeder Achte quer durch alle Gesellschaftsschichten leidet. Ursachen stellen mangelnde Bewegung, stundenlanges Sitzen und einseitige Belastung dar. Bei 80 Prozent der Betroffenen verschwinden Beschwerden spätestens nach ein bis zwei Wochen wieder. Halten sie hingegen länger als sechs Monate an, sprechen Experten von chronischen Leiden. Probleme an den Bandscheiben zählen ebenso wie Verengungen im Wirbelkanal, sogenannte Wirbelkanalstenosen, zu den häufigsten Ursachen des chronischen Rückenschmerzes. Die Art der Symptome gibt dabei Aufschluss an welcher Erkrankung Betroffene leiden.

„Bei der Wirbelkanalstenose handelt es sich, um eine Verengung des Wirbelkanals“, erklärt Dr. Thomas Bierstedt, Wirbelsäulenchirurg und Facharzt für Neurochirurgie aus dem Orthopädisch-Neurochirurgischen Zentrum in Datteln und Recklinghausen. „Diese Verengungen entstehen unter anderem durch Vorwölbungen der Bandscheiben, verbreiterte Wirbelgelenke oder verdickte Bänder.“ Beim Bandscheibenvorfall reißt der Faserring der Bandscheibe und der gallertartige Inhalt dieser wölbt sich in den Wirbelkanal vor. Bei besonders großen Bandscheibenvorfällen kann es auch zu einer Kompression des Rückenmarks und damit zur Spinalkanalstenose kommen. Sie kommen jedoch nur sehr selten vor. Tritt der Bandscheibenvorfall im Bereich der Lendenwirbelsäule auf und drückt auf Nerven, stellen sich heftige Rückenschmerzen ein. Meist treten sie plötzlich auf und Bewegung verschlimmert die Schmerzen. Bei der Wirbelkanalstenose treten hingegen neben Rückenschmerzen vorrangig starke Beinschmerzen auf. „Oft klagen Patienten auch über neurologische Ausfallerscheinungen wie Sensibilitätsstörungen und motorische Ausfälle entsprechend dem betroffenen Segment“, erläutert Dr. Bierstedt. „Der deutlichste Unterschied in der Symptomatik ist jedoch, dass Betroffene mit Wirbelkanalstenose bereits bei kurzen Gehstrecken unter extremen Schmerzen in den Beinen mit zeitweiligen Ausfallerscheinungen wie Taubheit und Schwäche der Beine klagen. Diese bessert sich, wenn sie stehen bleiben und sich vorne überbeugen.“ Bei einer solchen Rumpfvorneigung weitet sich der Wirbelkanal und der Dauerdruck auf Nerven und Gefäße lässt nach. Auch deshalb sind Patienten oft nahezu Beschwerdefreiheit wenn sie Fahrradfahren.

Die gute Nachricht für Menschen mit den chronischen Schmerzen: Egal ob Bandscheibenvorfall oder Spinalkanalstenose – meist lassen sich die Beschwerden durch konservative Behandlungen mithilfe gezielter Bewegungstherapien, Wärmebehandlungen, Elektrotherapie und anderen physikalischen Anwendungen sowie Akupunktur und Neurostimulation behandeln. Nur bei schweren Bandscheibenvorfällen oder hochgradigen Verengungen im Wirbelkanal muss operiert werden. „Bei einer Wirbelkanalstenose entfernen wir Verengungen im Wirbelkanal chirurgisch und stabilisieren die Wirbelsäule mit einem dynamischen TOPS-Implantat“, verdeutlicht Dr. Bierstedt. „Diese flexible Wirbelsäulenstabilisierung sorgt dafür, dass der Patient nach der Operation in alle Richtungen beweglich und dauerhaft schmerzfrei bleibt.“ Auch bei Operationen an den Bandscheiben gibt es moderne Verfahren. (pm)

Advertising