Rückenschmerzen, Burnout und Co: Höchste Anzahl Krankschreibungen seit 20 Jahren

Immer häufiger reichen Arbeitnehmer wegen psychischer Beschwerden oder Muskel-Skelett-Erkrankungen einen "gelben Schein" ein. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)
Nina Reese
Mehr Fehltage durch Rückenleiden und psychische Erkrankungen
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres haben sich die Arbeitnehmer hierzulande öfter krank gemeldet als in den Jahren zuvor. Das zeigt eine aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit. Demnach betrug der Krankenstand im ersten Halbjahr 4,4 Prozent – und war damit so hoch wie zuletzt in den 1990er Jahren. Mehr als jeder dritte Berufstätige habe der Analyse nach mindestens einmal einen „gelben Schein“ eingereicht. Der vergleichsweise hohe Krankenstand sei vor allem auf eine erhöhte Anzahl an Fehltagen aufgrund von psychischen Leiden und Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zurückzuführen, so die Mitteilung der DAK.

Mehr als jeder dritte Arbeitnehmer ist mindestens einmal krank geschrieben
Der Krankenstand war im ersten Halbjahr 2016 so hoch wie lange nicht. Wie aus einer aktuellen Analyse der gesetzlichen Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor geht, betrug dieser 4,4 Prozent und ist damit im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015 um 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Mit dem Begriff „Krankenstand“ wird die Anzahl der Arbeitnehmer bezeichnet, die in einem bestimmten Zeitraum in einem Betrieb krankgemeldet sind. Mehr als jeder dritte Berufstätige (37 Prozent) reichte der DAK zufolge mindestens einmal beim Arbeitgeber eine Krankschreibung ein.

Immer häufiger reichen Arbeitnehmer wegen psychischer Beschwerden oder Muskel-Skelett-Erkrankungen einen "gelben Schein" ein. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)
Immer häufiger reichen Arbeitnehmer wegen psychischer Beschwerden oder Muskel-Skelett-Erkrankungen einen „gelben Schein“ ein. (Bild: M. Schuppich/fotolia.com)

Berufstätige im Osten fehlen öfter und länger
Eine Erkrankung dauerte dabei im Schnitt 12,3 Tage, im Vorjahreszeitraum waren es noch 11,7 Tage. Beim Vergleich der Länder zeigte sich, dass Berufstätige in den östlichen Bundesländern mit einem Krankenstand von 5,5 Prozent häufiger und länger krankgeschrieben waren als im Vorjahreszeitraum (2015: fünf Prozent). Im Westen fiel der der Krankenstand mit 4,2 Prozent hingegen deutlich niedriger aus. Dies wirkt sich der Krankenkasse nach auf die Anzahl der Fehltage aus. Denn im Osten wurden mit 1.000 Fehltagen pro 100 Versicherten 32 Prozent mehr Ausfalltage dokumentiert als im Westen (758 Fehltage pro 100 Versicherte).

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind der häufigste Grund für Ausfalltage
Ausschlaggebend für den vergleichsweise hohen Krankenstand sei in erster Linie der Anstieg bei den Fehltagen aufgrund psychischer Beschwerden und Muskel-Skelett-Erkrankungen. Hier stieg die Zahl der Fehltage um jeweils 13 Prozent. Rückenleiden und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen sind insgesamt betrachtet der häufigste Grund für eine Krankschreibung. Jeder fünfte Fehltag ging darauf zurück (22 Prozent), wobei Männer etwas häufiger betroffen sind als Frauen. Auf Platz zwei folgen Krankheiten des Atmungssystems wie z.B. Asthma oder chronische Bronchitis mit einem Anteil am Gesamtkrankenstand von 17 Prozent.

Frauen deutlich häufiger von psychischen Leiden betroffen
Fast ebenso häufig wurden Arbeitnehmer im ersten Halbjahr 2016 wegen psychischer Leiden krank geschrieben (16% Anteil am Krankenstand). Frauen waren dabei aufgrund von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen fast doppelt so häufig arbeitsunfähig wie Männer. Die Ausfallzeit war bei diesen Diagnosen mit im Schnitt 35 Tagen besonders lang und übertraf sogar die durchschnittliche Erkrankungsdauer von Krebserkrankungen (32 Tage). Insgesamt sind diese drei Krankheitsarten damit für mehr als 50 Prozent der Fehltage verantwortlich.

Weniger Kranke aufgrund von Erkältungen
Eine starke Erkältungswelle wie Anfang 2015 war der DAK zufolge in diesem Jahr nicht zu verzeichnen. Im letzten Jahr hatten die klassischen Beschwerden eines grippalen Infekts wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit einen Anteil von 20,4 Prozent am Gesamtkrankenstand. 2016 erreichten diese Beschwerden einen Anteil von 17 Prozent. (nr)

Advertising