Rückenschmerzen: Eine OP ist laut Studienlage selten sinnvoll

Sebastian
Immer mehr Menschen werden aufgrund von Rückenschmerzen in einer Klinik operiert. Den meisten konnte aber nicht geholfen werden, wie nun eine aktuelle Auswertung der Barmer GEK zeigte. Vielmehr seien manuelle oder konservative Therapien geeignet, um den Patienten zu helfen.

Millionen Menschen in Deutschland leiden immer wieder Mal an Rückenschmerzen. Die Beschwerden können verschiedene Ursachen haben und unterschiedlich intensiv ausfallen. Zwar nimmt die Zahl derjenigen, die deswegen in Krankenhäusern behandelt werden, hierzulande zu, doch Experten meinen, dass die Therapie in der Klinik oft weniger gut geeignet ist.

Bild: Stasique - fotolia
Bild: Stasique – fotolia

Immer mehr Patienten wegen Rückenschmerzen im Krankenhaus Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden unter denen Menschen hierzulande leiden. Manchmal sind es nur leichte Verspannungen, die zu den Kreuzschmerzen führen, in anderen Fällen kann aber auch ein schwerer Bandscheibenvorfall die Ursache sein. Die Behandlungsmethoden sind vielfältig, Gesundheitsexperten zufolge reichen konservative Therapien bei Rückenschmerzen oft aus. Trotzdem kommen immer mehr Patienten mit solchen Beschwerden in Deutschland ins Krankenhaus. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, wäre vielen Betroffenen laut Barmer GEK beim Arzt oder Therapeuten jedoch besser geholfen.

Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben 85 Prozent aller Deutschen haben irgendwann in ihrem Leben Probleme im Kreuz. Wobei Fachleute oft hervorheben, dass dabei nicht immer das Kreuz selbst Schuld ist, sondern unter anderemauch psychische Ursachen dahinter stecken können. Der SZ zufolge sind Rückenschmerzen in 15 Prozent der Fälle der Grund dafür, wenn Arbeitnehmer krank geschrieben werden. Und wenn sie früher aus dem Berufsleben ausscheiden, liegt das in 18 Prozent der Fälle an Leiden am Kreuz. Aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Krankenhausreport 2015 der Barmer GEK geht nun hervor, dass immer mehr Rückenschmerzpatienten Hilfe in einer Klinik suchen. Demnach stieg die Zahl solcher Krankenhausfälle von 2006 bis 2014 von rund 282.000 auf 415.000.

Mehr zum Thema:

Häufig kann Patienten in der Klinik nicht geholfen werden „Offenbar landen auch Patienten im Krankenhaus, denen dort nicht wirklich geholfen werden kann“, erklärte Barmer-Chef Christoph Straub. Etwa ein Drittel bekäme demnach in den Kliniken weder Operationen noch Schmerztherapien. Vielmehr würden stattdessen meist Röntgenaufnahmen oder Kernspintomographien angefertigt. „Für diese etwa 140.000 Patienten kann man von einer Fehlversorgung sprechen, die es dringend zu beseitigen gilt“, so Straub. Normalerweise wären für solche diagnostischen Leistungen niedergelassene Ärzte zuständig. Wenn sich Patienten dafür in eine Klinik begeben, koste die Behandlung mitunter deutlich mehr. Krankenkassen haben ein Interesse, die Zahl der Untersuchungen niedrig zu halten, für die der Besuch einer Klinik nicht notwendig ist. Von Straub wurde auch eine professionelle, fachübergreifende Versorgung durch niedergelassene Ärzte gefordert.

Rücken-Operation als letzter Ausweg Gesundheitsexperten sind der Meinung, dass in vielen Fällen bereits Rückenschmerzen-Übungen helfen können. Zudem raten sie häufig zu Entspannungsübungen zum Stressabbau, da die Beschwerden oft von Stress oder anderen psychischen Problemen herrühren. Doch viele Patienten irrten mit ihren Rückenschmerzen jahrelang durch das Gesundheitswesen, ohne dass ihnen geholfen werde, wie Straub erklärte. Oftmals werde für einen Teil der Patienten die Rücken-Operation als letzter Ausweg empfohlen. Allerdings streiten sich Experten darüber, wie man die Frage: Operation bei Bandscheibenvorfall: Ja oder Nein? beantworten sollte. Fakt ist jedoch, dass die Zahl solcher Eingriffe zwischen 2006 und 2014 um 12,2 Prozent gestiegen ist und die Zahl der Wirbelsäulenversteifungen um 83,1 Prozent.

Erwartungshaltung von Schmerzpatienten ist hoch Den Angaben zufolge folgten einer Bandscheiben-OP innerhalb von ein bis zwei Jahren immer öfter noch eine Versteifungs-OP. Der Barmer-Chef empfiehlt den Patienten angesichts der hohen Steigerungsraten vor einem Eingriff unbedingt eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. „Schließlich gilt Vorsicht, bevor das Skalpell angesetzt wird, denn nicht jede Operation an der Wirbelsäule ist notwendig und sinnvoll.“ Laut einer Umfrage der Barmer unter mehr als 900 Patienten sind viele mit der Behandlung im Krankenhaus nicht zufrieden. Lediglich etwa ein Drittel sei 18 Monate nach der Klinikbehandlung schmerzfrei. „Die Erwartungshaltung an die Behandlung im Krankenhaus ist bei Schmerzpatienten sehr hoch“, erläuterte die Studienautorin Eva Maria Bitzer von der Hochschule Freiburg. Daher müssten die Ärzte konsequenter aufklären, was eine Behandlung leisten könne. „Schmerzfreiheit gehört nicht unbedingt dazu.“ (ad)

Advertising