Rückwärts gerichtete Kindersitze haben mehr Schutz

Nina Reese

„Reboarder“ häufig die sicherere Variante für Kinder

18.03.2014

Wer sein Kind im Auto möglichst sicher transportieren möchte, sollte aus Expertensicht besser einen rückwärts gerichteten Kindersitz nutzen. Ein solcher „Reboarder“ würde im Vergleich zu einem nach vorne gerichteten Sitz generell mehr Sicherheit bieten, denn „bei einem Unfall wird das Kind in den Sitz gedrückt, und die Kräfte verteilen sich besser, so Andreas Ratzek vom ADAC gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Doch auch bei diesen Sitzen sollte unbedingt Vorsicht walten, denn aufgrund des teilweise schwierigen Einbaus sei das Risiko für einen unzureichend befestigten Sitz besonders hoch.

Reboard wird die Belastung über den ganzen Rücken des Kindes übertragen
Wer sein Kleinkind im Auto transportieren möchte, hat die Qual der Wahl: Während Babys bis zu einem Gewicht von 9 Kilo im rückwärts gerichteten „Maxi-Cosi“ mitfahren, muss bei älteren Kindern die Entscheidung getroffen werden, ob diese weiterhin rückwärts gericht (reboard) oder aber nach vorne schauend gesichert werden sollen. Aus Expertensicht ist hier der Reboarder vorzuziehen, da Kinder in diesen generell besser geschützt seien, so Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) gegenüber der „dpa“. Besonders bei einem Frontalcrash würde ein solcher Sitz demnach Vorteile gegenüber Sitzen bieten, in denen Kinder in Fahrtrichtung gucken, da die Belastung über den ganzen Rücken des Kindes übertragen werde statt die Wirbelsäule stark zu überdehnen.

Systeme für Kinder bis drei Jahre erhältlich
Bei den Reboardern handelt es sich meist um Sitze bis zu einem Körpergewicht von 13 kg, darüber hinaus gibt es aber auch Modelle, die für Kinder bis etwa 3 Jahre konzipiert sind. Der Zeitpunkt, um auf einen nach vorne gerichteten Sitz umzuwechseln, sei aus Expertensicht nicht an einem bestimmten Alter festzumachen, sondern von mehreren Faktoren abhängig. So sei es beispielsweise Zeit für einen „Richtungswechsel“ wenn das Kind im Reboarder mit den Beinen an die Rückbank stößt oder wenn ihm in dieser Sitzposition schlecht wird. Generell sollte ein Reboarder vor dem Kauf unbedingt ausprobiert werden, denn wie ADAC-Tester Ratzek erklärt, würde es gerade im Kleinwagen oft zu Platzproblemen kommen. Im Vergleich zu den vorwärts gerichteten Kindersitzen kostet das Sicherheits-Plus beim nach hinten schauen allerdings auch einiges mehr: Hier müssten laut Ratzek zwischen 300 und 500 Euro für Modelle wie „Cybex Sirona“, „Britax Fixway“ oder „Maxi Cosi Milofix“ eingeplant werden, wohingegen ein vorwärts gerichteter Kindersitz bereits für unter 100 Euro zu haben sei.

Bei Seitenaufprall kein Unterschied zum vorwärts gerichteten Sitz
Während Kinder also offenbar bei einem Frontalcrash im Reboarder deutlich sicherer aufgehoben sind, würde sich die Situation laut Andreas Ratzek bei einem Seitenaufprall anders darstellen, denn hier würden die rückwärts gerichteten Kindersitze keinen Vorteil bieten, so der Experte. Gerade bei einem „90-Grad-Aufprall“ könne ein solcher Sitz sogar nachteilig sein, da sich das Kind durch die Sitzposition in weiterer Entfernung zum Verankerungspunkt befindet, welcher meist zwischen Rücksitzlehne und Sitzfläche liegt. Hier hätten laut Ratzek Crash-Tests ergeben, dass die relativ langen Befestigungen teilweise brachen. Neben dem ist gerade bei den Systemen für Kinder über 13 kg Körpergewicht häufig ein komplizierterer Einbau erforderlich, durch den es schnell dazu kommen kann, dass ein Sitz nicht entsprechend gesichert ist und dadurch zu einer echten Gefahr für das Kind werden kann.

Isofix reduziert das Risiko von Fehleinbauten
Um die Gefahr von Fehleinbauten zu minimieren, empfehlen Experten bereits seit Jahren die Verwendung von „Isofix“, womit ein relativ einfach zu bedienendes Befestigungssystem für Kindersitze gemeint ist, bei dem eine feste Verbindung zwischen Karosserie und Kindersitz erreicht wird. Da es jedoch auch bei diesen Systemen deutliche Qualitäts-Unterschiede gäbe und zudem nicht jeder Isofix-Kindersitz in jedem Fahrzeug verwendet werden könne, sollte sich dem ADAC nach auch hier vor dem Kauf gründlich informiert werden. Neben der Sicherheit sollte dem Automobilclub zufolge auch der Aspekt „Schadstoffe“ nicht unberücksichtigt bleiben – auch wenn die Hersteller generell auf immer geringere Belastungen achten würden. So hatten die Tester im letzten Jahr im Rahmen eines Kindersitz-Tests 2 Kindersitze („Concord“, „Cybex“) wegen erhöhter Werte auf "befriedigend" abgewertet sowie den „Römer Max-Fix“ als "mangelhaft" eingestuft. (nr)

Bild: GTÜ / pixelio.de