Rüge für die WHO wegen Schweingrippe Panikmache

Heilpraxisnet

Der Europarat rügt die WHO für die "Panikmache" bei der Schweinegrippe
WHO weist die Vorwürfe zurück: "Kein Druck der Pharmaindustrie wegen H1N1"

Hat die Weltgesundheitsorganisation "WHO" eine Panikmache bei der Schweinegrippe unterstützt? Das jedenfalls warfen Experten der WHO am Dienstag bei einer Anhörung im Europarat in einer öffentlichen Anhörung mit dem Titel "Das Umgehen mit der H1N1- Pandemie: Ist mehr Transparenz nötig?" vor. Doch die WHO weist alle Vorwürfe von sich, es habe "kein Druck der Pharmaindustrie gegeben".

Während des Ausbruchs der Schweinegrippe des Erregers H1N1 mehrten sich kritische Stimmen bei Experten und Wissenschaftler. Die Frage lautete, ist die Schweinegrippe wirklich so gefährlich, wenn doch der Krankheitsverlauf im Vergleich zu anderen Grippe-Erregern recht mild verläuft. Und warum wurde die Schweinegrippe dennoch als sehr Gefährlich eingestuft? Diesen und anderen Fragen musste sich die WHO stellen. Ein nüchternes und kritisches Resümee vom Münsteraner Medizinprofessor Ulrich Keil: "Es werden unglaubliche Mengen an Geld verschwendet in Pandemien, die eigentlich gar keine sind". Der Medizin-Professor Keil berät die WHO seit 1973 und dennoch hinderte es den Experten nicht daran, mit der WHO hart ins Gericht zu gehen.

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Besonders umstritten war die Frage, warum der WHO-Generaldirektorin Margaret Chan, die Schweinegrippe im Juni 2009 zur "Pandemie" erklärte. Die WHO hatte damals die höhste Pandemie Stufe ausgerufen, woraufhin überall in der Welt die "nationalen Pandemiepläne" in Kraft traten. Unglaublich hohe Summen wurden weltweit ausgegeben, um Impfstoffe bei der Pharmaindustrie zu ordern. Allein in Deutschland wurden 50 Millionen Impfdosen bestellt. Die Bundesregierung forderte die Bevölkerung auf, sich zu impfen. Hatte die Pharmaindustrie dabei Einfluss auf die WHO gehabt? So sagte Prof. Keil: "Interessanterweise gab es da schon verbindliche Verträge mit Glaxo Smith Kline", einem der Impfstoffhersteller. In diesem Zusammenhang ist auch erwähnenswert, dass einige Staaten bereits in den Jahren 2006 und 2007 vertragliche Festlegungen mit einigen Pharmakonzernen getroffen hatten. So sagte der Flensburger Arzt und Epidemiologe Dr. Wolfgang Wodarg "die Firmen warteten praktisch nur auf dieses Geschäft".

Nach allen derzeitigen Erkenntnissen ist jedoch der Verlauf der Schweinegrippe im Vergleich zu anderen Grippe Erkrankungen recht harmlos. Im Schnitt sterben in Deutschland pro Jahr bis zu 20.000 Menschen an der "normalen" jährlichen Grippe. An der Schweinegrippe sind jedoch nur wenige Menschen verstorben. Dennoch verteidigte der WHO-Vizegeneraldirektor Keiji Fukuda die eingeleiteten Maßnahmen. Die Pandemie sei noch nicht vorbei, so Fukuda. Besorgniserregend sei die Tatsache, dass vor allem bei jungen Menschen die Schweinegrippe zu schweren Krankheitsverläufen und Todesfällen geführt habe, so Fukuda.

Doch diese Argumentation will der Leiter des Gesundheitsausschusses der Parlamentsversammlung im Europarat, Wolfgang Wodarg (SPD), nicht gelten lassen. Denn während eine Pandemie nach der ursprünglichen WHO-Definition zu hohen Erkrankungs- und Sterberaten führt, habe die WHO dieses Kriterium im Mai 2009 geändert, so Wodag. Damit sei es möglich gewesen, aus einer "stinknormalen Grippe" eine Pandemie zu machen. Die Folge war, dass sich Millionen von Menschen unnötigerweise impfen haben lassen. Zudem haben auch deutsche Gesundheitsbehörden sich an der Panikmache beteiligt. Obwohl schon im Oktober 2009 klar gewesen wäre, dass die Grippe eine harmlosen verlauf nehmen würde, hätte das Robert-Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut "wider besseres Wissen den Leuten gesagt, es könnte noch eine zweite Welle geben", so der SPD Politiker gegenüber dem Berliner Tagesspiegel.

Doch die WHO wehrt sich gegen solche Argumentation. Vor allem der Verdacht, die Pharmaindustrie hätte starken Einfluss gehabt, lässt die WHO nicht gelten. Dafür gebe es keine Indizien, WHO-Sonderberaters Fukuda. Es gebe keinen "unberechtigten Einfluss der Forschungsabteilungen der Pharmakonzerne auf die WHO, so der Sonderberater. Bei der Gestaltung der Transparenz gegenüber der Bevölkerung gibt der Fakura jedoch zu, "hier hätten die Dinge besser verlaufen" können.

Neben Vertretern der WHO wurde auch Vertreter der Pharmaindustrie angehört. Hier wehrt man sich energisch gegen den Vorwurf, man habe aus Profimaximierung gehandelt. Luc Hessel vom Europäischen Verband der Impfstoffhersteller sagte, man habe schließlich auf eigenes Risiko investiert. "Es war überhaupt nicht klar, wann ein ,return on investment’ erfolgen wird", so Hessel vor dem Europarat. (sb, 27.01.2010)