Ruhelosigkeit: Kinder bewegen sich viel – oftmals auch im Schlaf

Alfred Domke
Restless Legs Syndrom stört den Schlaf von Kindern
Millionen Deutsche leiden an Schlafstörungen. Auch viele Kinder sind betroffen. In manchen Fällen können Erkrankungen die Ursache dafür sein, dass die Kleinen nachts nicht zur Ruhe kommen – beispielsweise das sogenannte Restless Legs Syndrom (RLS).

Wenn sich die Beine im Schlaf bewegen
Kinder bewegen sich viel, auch im Schlaf ist das so und grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Es gibt aber auch Erkrankungen, wie zum Beispiel das Restless Legs Syndrom (RLS), bei denen es zur Störung des erholsamen Nachtschlafes durch die Bewegung der Beine kommt. Das berichtet die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. in einer Mitteilung, die vom Informationsdienst Wissenschaft (idw) veröffentlicht wurde.

Schlafstörungen sind weit verbreitet – auch unter Kindern. In manchen Fällen können Erkrankungen die Ursache dafür sein, beispielsweise das Restless Legs Syndrom. (Bild: S.Kobold/fotolia.com)

Restless Legs Syndrom bei Kindern
Das Restless Legs Syndrom kann Menschen aller Altersgruppen treffen.

„Diese Erkrankung kommt auch schon bei Kindern vor, wird aber oft nicht erkannt. Nur wenn die Unruhe am Einschlafen hindert, sind die Symptome schneller erkennbar“, erklärte Barbara Schneider, Oberärztin des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Kinderkrankenhaus St. Marien in Landshut.

„Oft sind es aber Missempfindungen, welche die Kinder berichten und nicht der Bewegungsdrang der für sie störend wirkt“, so die Expertin.

Dies werde meist als „Wachstumsschmerz“ fehl gedeutet. Wie häufig bei Kindern RLS-Symptome zu finden sind, versucht eine Studie gerade durch die Befragung von Grundschulkindern herauszufinden.

Erste Ergebnisse werden auf der 25. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) vom 9.-11. November 2017 in Münster vorgestellt.

Erkrankung kann nicht geheilt werden
Gesundheitsexperten zufolge kann RLS nicht geheilt werden. Bei der Behandlung steht häufig eine Verbesserung der Schlafqualität im Vordergrund.

Manchmal kommen hier Medikamente zum Einsatz. Doch auch natürliche Maßnahmen können zur Verbesserung der Schlafhygiene beitragen.

Neben leichtem Sport bieten sich dafür unter anderem Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung an.

Manche Menschen setzen auch auf chinesische Therapie bei unruhigen Beinen.

Parasomnien im Kindesalter
Während des Schlafes auftretende unerwünschte Aktivierungen des Nervensystems werden als Parasomnien bezeichnet. Diese können bewusst oder unbewusst ablaufen. Hierzu zählen Nachtschreck, Schlafwandeln und Alpträume.

Laut der AWMF-Mitteilung treten diese Parasomnien im Kindesalter häufig auf und haben zumeist keine organische Ursache.

„Eine Schwierigkeit beim Auftreten von Parasomnien ist es, epileptische Anfälle abgrenzen zu können, welche im Kindesalter auch nur schlafbezogen auftreten können und manchmal ein ähnliches Bild ergeben“, erläuterte Schneider.

Eltern sind durch die Schlafstörungen ihrer Kinder gleichermaßen betroffen. Andererseits können Eltern darauf hinwirken, Schlafstörungen ihrer Kinder zu vermeiden.

„Wichtig dabei ist zu verstehen, dass die Eltern den Haupteinfluss auf die Regulationsfähigkeit ihrer Kinder haben“, so die Kinder- und Jugendärztin.

Veranlagung für Schlafstörungen
Wenn man vermeiden will, dass kleine Kinder nicht schlafen, ist eine gute Elternschulung besonders wichtig.

Neueste Erkenntnisse aus der Genetik lassen aber auch vermuten, dass es in manchen Familien eine Veranlagung für Schlafstörungen gibt, die sich ins Erwachsenenalter fortsetzen kann.

Unsere Umwelt und die sich veränderten Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft sind der zweite Faktor, der eine entscheidende Rolle spielt.

Wie sehr sich die neue digitale Welt mit all ihren Möglichkeiten auf unseren Schlaf-Wach-Rhythmus auswirkt, und wie wir es schaffen in gesunder Weise den Schlaf nicht zu kurz kommen zu lassen, ist auch hier Gegenstand der aktuellen Forschung.

Menschliches Grundbedürfnis
Die DGSM, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Prävention, Diagnostik und Therapie von Schlafstörungen zu untersuchen und zu verbessern, fordert ein anderes Bewusstsein für das aus ihrer Sicht bisher unterschätzte menschliche Grundbedürfnis nach Schlaf.

Und das zu Recht. Denn Schlafstörungen können nicht nur Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen zur Folge haben, sondern auch schwerwiegende gesundheitliche Probleme.

Laut Gesundheitsexperten erhöhen Schlafstörungen das Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, psychische Erkrankungen wie Depressionen und die Schwächung des Immunsystems.

Des Weiteren zeigte eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Duisburg-Essen, dass Schlafstörungen auch das Schlaganfall-Risiko erhöhen können.

Betroffene sollten daher dringend etwas dagegen unternehmen.

Tipps für eine besseren Schlaf
Manchen können einige einfache Tipps zum richtigen Durchschlafen helfen.

Förderlich für einen erholsamen Schlaf ist eine gesunde Lebensweise und der Verzicht auf spätes Essen, Kaffee, Nikotin, Alkohol und intensiven Sport am Abend.

Hilfreich ist zudem, regelmäßige Schlafzeiten einzuhalten und im Falle von Übergewicht sein Gewicht zu reduzieren. Von Schlaftabletten oder Beruhigungsmitteln wird meist abgeraten, sinnvoll sind jedoch verschiedene Hausmittel bei Schlafstörungen.

Bewährt hat sich beispielsweise ein Beruhigungs-Tee aus Passionsblume oder Kamille, um Anspannungen zu lösen. Auch Entspannungstechniken zum Stressabbau können wirksam sein. (ad)