Salmonellen wirksam gegen Krebszellen

Fabian Peters

Forscher nutzen Salmonellen in der Krebstherapie und verzeichnen erste Erfolge

01.04.2011

Salmonellen könnten in Zukunft eine effiziente Waffe gegen Krebs bilden. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig berichten von ersten Erfolgen mit genetisch veränderten Salmonellen-Stämmen in der Krebstherapie. Das Forscherteam um Dr. Siegfried Weiß, Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Immunität“ am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, hat Salmonellen erfolgreich zur Behandlung von Krebs bei Mäusen eingesetzt. Die genetisch veränderten Stämme, der auch als Auslöser schwerer Lebensmittelinfektionen bekannten Bakterien, setzen sich in den Tumoren fest und zerstören diese, erläuterte Dr. Weiß den neuen Ansatz in der Krebstherapie.

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Modifizierte Salmonellen zerstören Tumore
Der Ansatz zur Krebstherapie mit Salmonellen ist dem Experten zufolge eigentlich kein Novum. Bereits „seit 150 Jahren ist bekannt, dass Bakterien Tumorzellen zerstören können“, berichtete Dr. Siegfried Weiß. Allerdings gelangt es in der Vergangenheit nicht, die Infektionsgefahr beim Einsatz von Bakterien gegen Krebs in den Griff zu bekommen. Durch die genetische Veränderung der Salmonellen ist dies jedoch laut Dr. Weiß heutzutage möglich. Die Wissenschaftler des HZI haben ihren Ansatz zur Krebstherapie mit Salmonellen nach eigenen Angaben bereits mehrfach erfolgreich an Mäusen erprobt. Dass die Salmonellen – wie auch zahlreiche andere Bakterien – sich gezielt in den Tumoren ansiedeln, geht nach Einschätzung der Experten wahrscheinlich darauf zurück, dass das abgestorbene Gewebe im Inneren von Tumoren den Bakterien eine geschützte und nährstoffreiche Umgebung bietet. Nach Aussage von Dr. Siegfried Weiß werden die Bakterien von Tumoren regelrecht angelockt. Bei intravenöser Verabreichung in der Nähe der Tumore machen die Bakterien die Blutgefäße durchlässiger und nach kurzer Zeit gelangen die Salmonellen mit dem Blut ins Tumorgewebe, erklärten die Forscher. Dabei dringen die genetisch modifizierten Stämme des Bakteriums Salmonella typhimurium nach Aussage der HZI-Experten auch in die sauerstoffarmen Bereiche des Tumorgewebes ein und zerstören dieses.

Weitere Optionen zum Einsatz von Salmonellen in der Krebstherapie
Nachdem die Krebsbekämpfung mit den modifizierten Salmonellen-Stämmen bereits mehrfach erfolgreich bei Mäusen getestet wurde, arbeiten die Forscher des HZI nun daran, die Wirkkraft der Bakterien zu verbessern und dabei das Risiko einer Blutvergiftung zu vermeiden. Außerdem werden nach Aussage der Wissenschaftler weitere Optionen zum Einsatz der Bakterien in der Krebstherapie geprüft. Zum Beispiel testen die Experten momentan, ob in die Zellen der Salmonellen eingepflanzte Toxine anderer Bakterien zur Behandlung von Krebs dienen können. Auch werde untersucht, ob Botenstoffe des Immunsystems durch den Einsatz der Salmonellen zur Stärkung der Abwehrkräfte gegen den Krebs mobilisiert werden können. Außerdem ist nach Aussage der Experten auch ein Einsatz der Bakterien zur Krebsdiagnose denkbar. Durch genetische Veränderung sollen die Bakterien leuchten und so die Lage und Größe von Tumoren beziehungsweise Metastasen sichtbar machen. Allerdings kann es laut Dr. Weiß noch Jahre dauern, bis die neuen Methoden klinisch eingesetzt werden können.

Klinischer Einsatz der Salmonellen erst nach Jahren möglich
Bereits seit sechs Jahren arbeiten die Forscher des HZI an einer neuen Krebstherapie auf Basis von Bakterien und nach Aussage von Dr. Weiß kann es weitere fünf Jahre dauern, bis der Prozess im Tierversuch beherrscht wird. Erst danach seien überhaupt klinische Erprobungen möglich, betonte der Experte. Allerdings sieht Dr. Weiß das neue Verfahren ohnehin eher als Ergänzung bzw. Ersatz der Chemotherapie – Chirurgische Eingriffe ließen sich auch auf Basis der neuartigen Krebstherapie nicht verhindern, betonte der Fachmann. Trotzdem hätte es nach Ansicht von Dr. Weiß „schon einen gewissen Reiz, wenn ausgerechnet diese Bakterien eines Tages zur Heilung einer so schrecklichen Krankheit wie Krebs dienen könnten“, denn bislang seien Salmonellen den Menschen nur „als Bedrohung ihrer Gesundheit“ bekannt. (fp)