Sandstrahler-Jeans gefährden die Gesundheit

Heilpraxisnet

Lungenerkrankungen durch Killer-Jeans

Jeans die mit Sandstrahlern hergestellt werden, gefährden akut die Gesundheit der Arbeiter. Eine Initiative fordert angesichts der Ausmaßen einen sofortigen Stopp des speziellen Herstellungsverfahrens, denn tausende Arbeiter leiden bereits an gefährlichen und chronischen Lungenerkrankungen.

(29.11.2010) Die Bearbeitung von Jeans mit einem Sandstrahler verleiht der Kleidung einen modernen leicht abgetragenen Look. Doch für die Arbeiter in den Hersteller-Ländern wie Pakistan, China, Bangladesch oder Ägypten bringt die Tätigkeit mit dem Sandstrahler erhebliche gesundheitliche Risiken mit sich – tausende Arbeiter leiden bereits an gefährlichen Lungenerkrankungen.

Angesichts der wachsenden Zahl von Erkrankungen rufen die Kampagne für Saubere Kleidung (Clean Clothes Campaign = CCC) und ihre Bündnispartner zum weltweiten Stopp der Jeansproduktion mit Sandstrahltechnik auf. Denn der entstehende Staub greift die Lunge an, verursacht schwere Vernarbungen und kann die unheilbare, oft tödliche Lungenkrankheit Silikose auslösen. So seien zum Beispiel allein in der Türkei bereits 46 Todes- und 1.200 Krankheitsfälle zu verzeichnen gewesen, erklärte die CCC. Julia Thimm betonte im Namen des INKOTA Netzwerk e.V. und der CCC: „Wir fordern, dass die Firmen ihre Verantwortung für den entstandenen Schaden wahrnehmen und den Sandstrahlopfern medizinische Versorgung sowie angemessene finanzielle Entschädigungen zukommen lassen.“

Sandstrahler-Einsatz bereits in der Türkei verboten

Seit 2009 ist in der Türkei der Einsatz von Sandstrahlern in der Textilindustrie aufgrund der gesundheitlichen Risiken bereits verboten. Bis dahin war das Land Hauptproduzent für die mit Sandstrahl-Verfahren bearbeiteten Jeans. Doch von den über die Jahre rund 10 000 Arbeitern in der Branche, leiden heute vermutlich rund die Hälfte an Silikose, erklärte Yesim Yasin, Mitarbeiterin eines türkischen Hilfskomitees in Istanbul. Wobei ein Großteil der Erkrankungen bislang jedoch unentdeckt sei, da die Auswirkungen der Erkrankung sich oft erst im Verlauf von Jahren manifestieren, erläuterte die Expertin. „Das ganze Ausmaß des Problems wird erst mit der Zeit bekannt“, betonte Yasin, denn in den ersten Jahren haben Arbeiter oft keine Beschwerden.

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Seit dem Verbot in der Türkei gehen die Aufträge vermehrt in Ländern wie Pakistan, China, Bangladesch oder Ägypten, wo oft grundlegende Vorschriften des Arbeitsschutzes nicht eingehalten werden, erklärte die Experten der CCC. So lange entsprechende Sandstrahl-Verfahren in der Produktion eingesetzt werden, könne kein Jeans-Produzent garantieren, dass die Sicherheitsvorkehrungen, die für ein risikoarmes Sandstrahlen nötig wären, auch in den genannten Ländern eingehalten werden. Daher warnte die CCC gemeinsam mit zahlreichen internationalen Arbeitsrechtsinitiativen davor, dass tausenden Arbeitern in den entsprechenden Ländern der Tod drohe, wenn sie weiterhin Jeans unter den gegebenen Bedingungen mit Sandstrahlern bearbeiten müssen. Zudem haben das türkische Solidarity Committee of Sandblasting Labourers, die CCC und ihre Partnerorganisationen alle Jeans-Produzenten dazu aufgefordert fortan auf die Nutzung der Sandstrahltechnik zu verzichten und mit geeigneten Überprüfungsmechanismen sicherzustellen, dass der Verzicht auf das Sandstrahl-Verfahren in der gesamten Produktionskette eingehalten wird.

Erste Unternehmen haben bereits reagiert
Die ersten Unternehmen wie H&M, Levis oder C&A haben auf die Probleme bei der Sandstrahltechnik bereits reagiert und angekündigt die Verfahren in ihrer Produktion bis Ende 2010 abzuschaffen. Auch Lee, Wrangler und Benetton haben sich aufgrund des öffentlichen Drucks dazu bereit erklärt, die Sandstrahl-Verfahren bis Ende 2011 zu stoppen. In Bezug auf einen möglichen Schadenersatz für die geschädigten Arbeiter zeigten sich jedoch alle Unternehmen bisher zurückhaltend bis ablehnend. Aus gutem Grund, denn Zehntausende sind voraussichtlich betroffen und da Silikose nicht heilbar und oft tödlich ist, könnten hier erhebliche finanzielle Zahlungen fällig werden. Zahlreiche Firmen unter anderem sämtliche Luxusmarken wie Armani, Prada, Versace oder Dolce & Gabbana haben zu den Forderungen der CCC bislang überhaupt keine Stellung bezogen. „Dass einige Unternehmen handeln, reicht aber nicht, um den ganzen Sektor abzudecken“, erklärte Wyger Wentholt von der von der CCC am Samstag in Istanbul. Daher ermuntere die Kampagne für Saubere Kleidung die Regierungen dazu, „Importverbote für solche Jeans zu prüfen“, ergänzte Wentholt. Auch müsse die Industrie sich bereit erklären, die Behandlungskosten bereits erkrankter Arbeiter zu tragen, so eine weitere Forderung der CCC.

Bei rund fünf Milliarden Jeans, die jährlich weltweit produziert werden und dem Kostendruck bei der Produktion, ist es jedoch wahrscheinlich, dass viele Unternehmen ihre Produktionsverfahren nicht oder nur sehr zögerlich umstellen werden. So wird die Verwendung von Sandstrahlern zur Erzeugung des „Stone-Washed-Effekt“ voraussichtlich nicht so schnell zurückgehen, wie erhofft. Denn andere Verfahren, die den gleichen Effekt bei Jeans erzeugen, wie zum Beispiel Laserverfahren oder auch chemische Methoden sind erheblich teurer als der Einsatz von Sandstrahlern. Die schwerwiegendste Lungenerkrankung, die durch das Arbeiten mit den Sandstrahlern verursacht werden kann und vor der die CCC warnt, ist Silikose. Die eigentlich als Bergmanns-Krankheit bekannte Erkrankung wird durch die Inhalation und Ablagerung von mineralischem Staub, insbesondere Quarz-haltigem Staub, in der Lunge verursacht. Durch die Ablagerung kommt es zur Bildung von knotenartigem Gewebe und zum Vernarben der Lunge. Die Folgen sind Luftnot, Husten und Verschleimung, chronische Bronchitis und im schlimmsten Fall Tod durch Erstickung. Alle Unternehmen der Kleidungsindustrie sind daher nach Ansicht der CCC dazu aufgerufen hier moralische Verantwortung zu übernehmen und nicht den kleinen Subunternehmern, von denen viele in der Dritten Welt produzieren, freie Hand zu lassen. (fp, 29.11.2010)

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Bildnachweis: Dieter Schütz / pixelio.de