SARS-ähnlicher Erreger infiziert Patient aus Katar

Fabian Peters

Großbritannien meldet Infektion mit einem möglichen SARS-Erreger

24.09.2012

In Großbritannien wurde bei einem 49-Jährigen Mann aus Saudi Arabien ein SARS-ähnliches Virus entdeckt. Rund zehn Jahre nach dem Ende der Pandemie, ist eine neue Variante des Erregers aufgetaucht, der im Jahr 2002 / 2003 zehntausende Erkrankungen am Schweren Akuten Respiratorischen Syndrom (SARS) verursacht hatte.

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„Am 22. September 2012 informierte das Vereinigte Königreich die WHO über einen Fall von akutem respiratorischem Syndrom mit Nierenversagen bei einer Person, die Saudi-Arabien und Katar bereist hatte“, so die aktuelle Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation. Die Behörden zeigten sich alarmiert. Allerdings sei derzeit keine vergleichbar schnelle Ausbreitung der SARS-ähnlichen Erreger wie bei der Pandemie im Jahr 2002 / 2003 zu erwarten. Nachgewiesen wurde die Infektion bei einem 49-Jährigen Mann aus Katar, der sich vor seiner Erkrankung in Saudi-Arabien aufgehalten hatte. Derzeit wird der Mann in einem Londoner Krankenhaus versorgt.

Erstmals wurden die typischen SARS-Symptome bei dem Patienten Anfang September festgestellt. Wenige Tage später folgte die Aufnahme auf einer Intensivstation in Doha (Katar). Nach nur zwei Tage wurde der Patient von dort aufgrund seines Beschwerdebildes per Luftrettung nach Großbritannien überführt. Die anschließenden Labortests der Health Protection Agency (HPA) Großbritanniens bestätigten das Vorhandensein eines neuartigen Coronavirus, so die Mitteilung der WHO unter der Überschrift „Erneute Coronavirus-Infektion in Großbritannien“. Zu der Familie der Coronaviren gehören auch die Erreger des Schweren akuten respiratorischen Syndroms, die im Zuge der Pandemie vor rund zehn Jahren weltweit mehr als 1.000 Todesopfer gefordert hatten. Damals erkrankten die Infizierten an einer atypischen Lungenentzündung mit hohem Fieber, Husten und schwerer Atemnot. Erschreckend schnell breiteten sich die Erreger aus und infizierten zahlreiche Menschen vor allem im asiatischen Raum. Durch das schnelle Einschreiten der WHO wurde das Ausmaß der Pandemie jedoch deutlich beschränkt und im Jahr 2004 erklärte die WHO schließlich das Ende der SARS-Epidemie.

Die Coronaviren waren damit jedoch keinesfalls endgültig verschwunden. Stets lauerte die Gefahr, dass ein neues Coronavirus auch Menschen infizieren könnte. Dies ist bei dem 49-jährigen Patienten in Großbritannien nun offenbar der Fall. Bevorzugt befallen die Coronaviren die Atemwege und beeinträchtigen dort die Funktion der winzigen Flimmerhärchen, die zur Reinigung der Lunge erforderlich sind. Hierdurch erhöht sich das Risiko einer rasch voranschreitende schweren Lungenentzündung, wie sie auch bei dem Patienten aus Katar zu beobachten war. Hinzu kommen oft weitere Beschwerden, wie in dem aktuellen Fall ein akutes Nierenversagen. Als Begleitsymptome sind neben Fieber und Husten vor allem Halsschmerzen, Kopfschmerzen sowie Muskel- und Gliederschmerzen bekannt.

Die Experten der britischen Health Protection Agency haben bei dem 49-jährigen Patienten das Virus sequenziert und isoliert. Anschließend wurden die nachgewiesenen Erreger mit einem Coronavirus verglichen, das zuvor vom Erasmus Medical Centre in den Niederlande im Lungengewebe eines verstorbenen 60-jährigen Mannes aus Saudi Arabien nachgewiesen wurde. Der Vergleich ergab eine fast 100-prozentige Übereinstimmung. Damit wurden die SARS-ähnlichen Erreger dieses Jahr nun schon zum zweiten Mal bei Menschen nachgewiesen, die sich zumindest zeitweilig in Saudi-Arabien aufgehalten hatten. Grund für eine Reisebeschränkungen besteht nach Ansicht der WHO dennoch bislang nicht.

Zur Sicherheit sollen in den kommenden Wochen allerdings sämtliche Personen, die mit den Infizierten Kontakt hatten, untersucht werden, ein Hinweis auf weitere Erkrankungen bestehe bisher jedoch nicht, so die offizielle Pressemitteilung. „Nachdem bisher nur zwei Fälle weltweit bekannt sind und es keine spezifischen Hinweise auf eine Ausbreitung gibt, bedarf es derzeit keiner besonderen Vorsichtsmaßnahmen für die Bevölkerung oder Rückreisende“, betonte der Leiter der HPA-Abteilung für Atemwegserkrankungen, John Watson. (fp)