Sawicki: Kommen Milliardenkosten für Versicherte?

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Sawicki: Kommen Milliardenkosten für die Versicherten ?

Wenn der Leiter des IQWiG, Peter Sawicki, im August gehen muss, befürchten Beobachter, dass die Kassen künftig teure Medikamente mit zweifelhaftem Nutzen erstatten müssen. So könnten Milliardenkosten entstehen, die auf die Versicherten zurückfallen.

Hintergrund ist der, dass der Leiter des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Peter Sawicki laut vorgreifenden Medienberichten wohl nun doch keine Verlängerung für seinen Arbeitsvertrag bekommt. Das Institut hat in der Vergangenheit unter der Leitung von Sawicki einige Medikamente und medizinische Leistungen durch negative Beurteilungen in Bezug auf Wirksamkeit und Preis indirekt vom Leistungskatalog der Krankenkassen ausgeschlossen. Das bedeutete für die jeweils betroffenen Pharma- oder medizinischen Unternehmen teilweise einige Millionen Euro Verlust.

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In einem Interview mit der Zeitung „die tageszeitung“ (taz) am 19 Januar 2010 gab Sawicki an, dass zum Beispiel bei einer Gerichtsverhandlung in der letzten Woche ein Richter gesagt habe, dass alleine durch eine, vom IQWiG bewirkte Preissenkung im Falle eines einzigen Medikamentes, das betroffene Unternehmen 25 Millionen Euro gekostet habe. Das waren folglich Einsparungen für die Krankenkassen und ihre Versicherten.

Die Medien berichteten bis vor einigen Tagen, dass im Koalitionsvertrag von Union und FDP schon festgeschrieben war, dass das Institut eine Umorientierung erfahren sollte. Die Arbeit des Institutes sollte sich mehr am Wirtschaftsstandort Deutschland ausrichten, war zu lesen. Das würde zukünftig bedeuten, dass darunter die Wissenschaftlichkeit leidet. Das Institut hat sich unter Sawitzkis Leitung seit Jahren einen international anerkannten Ruf wegen seiner neutralen Expertisen, die von hohen wissenschaftliche Standards untermauert sind, erworben. Eingeführt worden war diese unabhängige Institution von der rot- grünen Bundesregierung, um unabhängig nach Qualität und Wirtschaftlichkeit zu prüfen.

Die Einmischung der Politik in die Arbeit am IQWiG würde, glaubt man den Medienberichten, die Unabhängigkeit zerstören und damit auch dem internationalen Ansehen schaden. Der Begriff der „Industriefreundlichkeit“, der hinter der Einmischung der Politik, laut den großen deutschen Gazetten, stecken soll, bedeutet übersetzt, dass mehr Geld für wirkungslosere teurere medizinische Leistungen und Arzneien zu Gunsten eines Unternehmens ausgegeben werden würde. Was die Krankenkassen (Milliardenkosten für die Krankenkassen) und ihre Versicherten bezahlen würden.

Verknüpfung mit der Gesundheitspolitik
Bisher hat der neue Bundesgesundheitsminister, der Hannoveraner Phillip Rösler von der FDP, nur durch ein Mehr an Kosten zu Lasten der Versicherten und zu Gunsten von einzelnen Interessengruppen und Industrie auf sich aufmerksam gemacht.

Die Gesundheitspolitik einer gewählten Regierung muss sich an einer Verbesserung der Versorgung und Qualität der medizinischen Leistungen (Hartz-IV Gesundheitssystem) und einer Verringerung der Kosten für die Allgemeinheit messen lassen.

Das bedeutet auch, dass medizinische Forschungsinstitutionen wie das IQWiG unabhängig und seriös nach wissenschaftlichen und nicht klientelgefärbten Kriterien arbeiten können. Nicht nur im medizinischen Bereich ist dies das wirklich Erschreckende an den neuen Entwicklungen unter der schwarz- gelben Bundesregierung: Wir kommen weg von einer fundierten inhaltlichen Arbeit, hin zu einer von reinen Individualinteressen geprägten Ausrichtung.

Peter Sawicki wird nicht wegen „seines laxen und selbstherrlichen Umgangs mit Dienstwagen und Spesen“ im August gehen müssen, wie das Handelsblatt folgerichtig schreibt. Er wird sich wahrscheinlich ab August wegen einer von evidenzbasierten Grundsätzen geprägten „normalen“ Arbeitshaltung im Wissenschaftsbereich einen neuen Arbeitsplatz suchen müssen. (Thorsten Fischer, Heilpraktiker Osteopathie, 21.1. 2010)

Zum Weiterlesen

Interview in der taz vom 19. Janaur 2010 mit Peter Sawicki