Schädliche Chemikalien in Textilien

Fabian Peters

Greenpeace: Schädliche Chemikalien in der Mehrheit der Kleidungsstücke

23.08.2011

In der Modeindustrie werden bis heute zahlreiche schädliche Chemikalien eingesetzt, die auch in den hierzulande verkauften Produkten der Markenhersteller nachzuweisen sind, so das Ergebnis einer aktuellen Greenpeace-Untersuchung. Für die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung in den Produktionsländern sind die Chemikalien eine ernsthafte Bedrohung, warnt die Umweltschutzorganisation.

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Bei den Produkttests von Greenpeace enthielten auch die Artikel der meisten Markenhersteller wie Adidas, Calvin Klein, Lacoste oder Nike Rückstände schädlicher Chemikalien. Bei der Untersuchung auf die Chemikalie Nonylphenolethoxylate (NPE) wurde diese in zwei Drittel der Kleidungsstücke nachgewiesen, berichtet Greenpeace. Da Nonylphenolethoxylate zu dem giftigen Nonylphenol abgebaut werden, welches sich in der Umwelt anreichert und so auch in die Nahrungskette gelangt, drohen vor allem in den Produktionsländern erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen der Bevölkerung sowie weitreichende Schädigungen der Umwelt, warnt Greenpeace. Die Umweltschutzorganisation forderte daher von den Modemarken, endlich auf den Einsatz der schädlichen Chemikalien zu verzichten

Zwei Drittel der Textilartikel Chemikalien belastet
Generell gilt die Textilindustrie als äußerst umweltbelastend, da je Kilogramm Stoff rund 100 Liter Wasser bei der Herstellung verbraucht werden, erklärte Greenpeace. Hinzu kommt der Einsatz potenziell gesundheitsschädigender Substanzen, wie zum Beispiel NPE. Daher hat die Umweltschutzorganisation 78 Markenartikel aus 13 unterschiedlichen Produktionsländern auf NPE untersucht. Das erschreckende Ergebnis: Rund zwei Drittel der Proben (52 Stück) wiesen NPE auf. So erreicht die schädliche Chemikalie auch hierzulande die Verkaufsregale, wie die in Deutschland untersuchten NPE-haltigen Artikel der Marken Converse, Kappa, Puma und Li Ning belegen. Dabei bleiben die in T-Shirts, Turnschuhen und anderen Produkten der Markenhersteller gemessenen Werte insgesamt jedoch im gesundheitlich unbedenklichen Bereich, erklärte Greenpeace.

Giftige Chemikalien gefährdet die Umwelt und die Gesundheit
Allerdings sind die in den Endprodukten nachzuweisenden NPE-Werte laut Aussage der Umweltschutzorganisation ein Indiz für den massiven Einsatz der schädlichen Chemikalie bei der Herstellung der Textilprodukte. Dies ist laut Aussage der Experten besonders bedenklich, da NPE zu dem giftigen Nonylphenol abgebaut wird, welches bereits in geringen Konzentrationen schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen kann. So gefährden die meisten Modemarken durch den Einsatz der Chemikalie NPE nicht nur die Umwelt, sondern auch die Gesundheit der Bevölkerung in den Herstellerländern. Denn das giftige Nonylphenol gelangt mit dem Abwasser der Fabriken in die Flüsse und Seen. Hier kann durch die erhöhte Konzentration der Chemikalie nicht nur ein Absterben zahlreicher Tierarten (zum Beispiel Fische, Muscheln) bedingt werden, sondern das Nonylphenol gelangt auf diesem Wege auch in die Nahrungskette.

Markenhersteller verwenden gesundheits- und umweltschädigende Substanzen
Laut Greenpeace waren unter anderem Produkte der Markenhersteller Adidas, Calvin Klein, Converse, G-Star-Raw, H&M, Lacoste, Nike, Kappa und Puma mit NPE belastet. Als einziger Textilhersteller kommt laut Greenpeace die Modekette Gap ohne NPE aus. Dem Greenpeace-Chemieexperten Manfred Santen zufolge zeigen die aktuellen Untersuchungsergebnisse außerdem, „dass die Anwendung gefährlicher Chemikalien in der Textilindustrie nicht nur auf China beschränkt ist.“ Der Einsatz potentiell gesundheits- und umweltschädigender Substanzen ist in der „Textilindustrie ist ein globales Problem“, erklärte Manfred Santen. Angesichts der verhältnismäßig stark gestiegenen chinesischen Löhne, hätten zahlreicher Textilhersteller ihre Produktion in noch ärmere Länder wie zum Beispiel Bangladesch oder Pakistan verlegt, erklärte der Greenpeace-Experte. Hier seien die Arbeitskräfte noch billiger und die Umweltschutzstandards noch niedriger als in China, berichtete Greenpeace. In der Europäischen Union (EU) ist der Einsatz von NPE bereits seit 2003 strengen Reglementierungen unterworfen.

Einsatz von Chemikalien in der Textilindustrie reduzieren
Die schädliche Chemikalie NPE wird Greenpeace zufolge vor allem in China, Bangladesch und Vietnam als Waschmittel eingesetzt. Allerdings findet NPE bis heute auch in großem Stil bei den Textilherstellern in der Türkei Verwendung. Die Türkei gilt als eines der wichtigsten Produktionsländern von Textilwaren im europäischen Raum. In den genannten Ländern bildet laut Greenpeace jedoch nicht nur der NPE-Einsatz ein erhebliches Risiko für Mensch und Umwelt. Die Textilbranche setzt hier auf einen ganzen Chemie-Cocktail bei der Herstellung der Modeartikel. Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace fordern daher seit Jahren den Einsatz giftiger Chemikalien in der Textilindustrie drastisch zu reduzieren. Die Modemarken zeigten sich bisher jedoch nicht bereit, die gesundheitsgefährdenden Substanzen aus ihrer Produktion zu verbannen.

Erste Markenhersteller kündigen Verzicht auf Chemikalien an
Greenpeace hat sich daher in einer aktuellen Kampagne dem Einsatz der umstrittenen Chemikalien gewidmet, um die Öffentlichkeit verstärkt auf die Schwierigkeiten in den Produktionsländern aufmerksam zu machen. Dabei wies die Umweltschutzorganisation zuletzt im Juli auf die Verunreinigung zweier chinesischer Flüsse (Jangtse, Pearl River) durch die ansässigen Textilfabriken hin. Die Experten von Greenpeace konnten in den Flussdeltas der beiden Flüsse zahlreiche unterschiedliche Umweltgifte nachweisen, die von den Fabriken aus in den Fluss gelangt waren. Die Textilfabriken dienen laut Greenpeace auch namenhaften Modeherstellern zur Produktion. Als Reaktion auf die Greenpeace-Kampagne haben die Hersteller Nike und Puma bereits angekündigt, bis 2020 ihre komplette Produktion umzustellen und gänzlich auf die schädlichen Chemikalien zu verzichten. (fp)