Schaufensterkrankheit: Sport kann die Beschwerden lindern

Fabian Peters
Insbesondere ältere Menschen leiden an der Schaufensterkrankheit – Sport kann helfen
Die Schaufensterkrankheit ist ein weit verbreitetes Beschwerdebild, an dem insbesondere viele ältere Menschen leiden. Auf dem Symposium „Sport in der Gefäßmedizin“ informieren Experten des Universitätsklinikums Düsseldorf (UKD) über das Beschwerdebild und über mögliche Ansätze zur Linderung mittels sportlicher Aktivitäten.

Laut Mitteilung des Universitätsklinikums zählen die Beschwerden der Schaufensterkrankheit „für 1,3 Millionen Patienten (rund acht Prozent aller Menschen über 65 Jahre) in Deutschland zum Alltag.“ Typische Anzeichen seien heftige, krampfartige Schmerzen in der Wade, aber auch im Fuß, Oberschenkel und Gesäß, die beim Laufen oder Treppensteigen auftreten und beim Stehenbleiben rasch nachlassen. Helfen können spezielle Sportübungen, die auf dem Symposium zu „Sport in der Gefäßmedizin“ am Mittwoch dem 27. September von Experten der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie am UKD vorgestellt werden.

Wenn beim Gehen Schmerzen in den Waden auftreten, die beim Stehenbleiben schnell wieder nachlassen, kann dies auf die Schaufensterkrankheit hinweisen. Mit spezielle sportlichen Übungen lässt sich das Beschwerdebild lindern und das Risiko weiterer Komplikationen minimieren. (Bild: /fotolia.com)

Nur verkürzte Gehstrecken möglich
Schmerzbedingt sind die Gehstrecken bei Patienten mit der Schaufensterkrankheit (fachlich: periphere arterielle Verschlusskrankheit/pAVK) deutlich verkürzt und es müssen häufige Zwangspausen eingelegt werden, berichtet das UKD. Schuld an einer pAVK-Erkrankung seien Durchblutungsstörungen der Schlagadern in den Beinen, die sich jedoch durch spezielle Trainingsstrukturen und Übungen beheben lassen.

Langfristig drohen erhebliche Beschwerden
Bei einer pAVK führen laut Angaben des UKD „Ablagerungen (unter anderem von Kalk) dazu, dass sich die Beinarterien verengen oder komplett verschließen.“ Dies beeinträchtige den Blutfluss durch die Arterie und es komme zu einer Blutunterversorgung der Beine. In frühen Stadien der Erkrankung zeigen sich die bereits genannten Schmerzen und langfristig drohen „Gewebeveränderungen bis hin zur möglicherweise notwendigen Amputation oder Blutvergiftung durch Infektionen der Wunden“, berichtet das UKD.

Jeder vierte Patient betroffen
Den Zahlen aus aktuellen Studien zufolge ist davon auszugehen, dass in Deutschland etwa jeder vierte Patient im Alter über 65 Jahren von einer pAVK betroffen ist und dass etwa jeder zehnte Symptome zeigt, so die Mitteilung des UKD. Männer seien dabei viermal häufiger betroffen als Frauen und als besonders gefährdet gelten Diabetiker und Raucher: Bei ihnen sei das Risiko an pAVK zu erkranken deutlich erhöht.

Neue Wege für den Blutfluss schaffen
Zeigt sich bei den Betroffenen bereits eine Gehstreckenverkürzung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und –medizin (DGG) ein regelmäßiges Gehtraining, mit dem sich die Gehstrecke wieder verlängern und eine Operation oder gar Amputation verhindern lässt, berichtet das UKD. Wenn die Hauptarterien im Bein verschlossen sind, muss das Blut über einen anderen Weg dahin kommen, erläutert Professor Dr. Hubert Schelzig, Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovaskularmedizin am UKD. „Wir sagen unseren Patienten immer: Die Hauptstraße ist geschlossen, deshalb müssen wir die Nebenstraßen ausbauen“, so der Experte weiter.

Sporttherapie zur Stärkung der Gefäße
Laut Professor Schelzig könne gezielte Sportübungen dabei helfen, die sogenannten Kollateralgefäße durch Impulse zu stärken. So könne durch das strukturierte Gefäßtraining das Blut über die Nebengefäße der Hauptschlagadern fließen und quasi um die Verstopfung herumgeleitet werden, so dass das Bein wieder besser versorgt wird. Ein solches strukturiertes Gefäßtraining werde bereits seit dem Jahr 2014 vom UKD gemeinsam mit dem Verein für Gesundheitssport und Sporttherapie Düsseldorf-Ratingen e.V. angeboten. Einmal in der Woche finde dies auf dem Gelände des Universitätsklinikums unter der Anleitung eines lizensierten Gefäßsporttrainers statt.

Jedes Mal 100 Meter mehr auf dem Laufband
Teilnehmende der Sporttherapie berichten, dass sie jede Woche merken, wie der Kurs ihnen etwas bringt, so die Mitteilung des UKD. „Bei jeder Untersuchung kann ich auf dem Laufband 100 Meter weiter gehen“, wird Teilnehmer Wolfram Voßhage von dem Universitätsklinikum zitiert. Sein Teammitglied Andreas Gob ergänzt, dass Sport in der Gemeinschaft einfach mehr Spaß bringe und man die Übungen alleine zuhause ja doch nicht regelmäßig mache. „In der Gefäßsportgruppe haben alle ähnliche Beschwerden wie ich und verstehen meine Probleme“, so Andreas Gob in der Mitteilung des UKD. Dies motiviere ihn zusätzlich.

Auf dem diesjährigen Symposium des UKD werden neben den Sportkonzepten auch die allgemeinen Vorteile von Sport für das Herz-Kreislaufsystem thematisiert und es soll eine Aufklärungskampagne gegen Tabakkonsum als Hauptgrund der Arterienverkalkung vorgestellt werden, berichtet das Universitätsklinikum Düsseldorf. (fp)