Nächtliche Schichtarbeit senkt das Denkvermögen

Heilpraxisnet

Weniger Gedächtnisleistung durch nächtliche Schichtarbeit

05.11.2014

Ständige Schichtarbeit kann sich negativ auf den Körper auswirken. Einige Forschungsarbeiten weisen auf nachhaltige Schädigungen wie Diabetes und Stress hin. Offenbar leidet auch die Gedächtnisleistung, wie eine aktuelle Forschungsarbeit des Forschungsinstituts CNRS im französischen Toulouse zeigte. Laut Erkenntnisse soll bei Arbeitnehmern, die „jahrelang Schichtarbeit leisten oder in der Nacht arbeiten, die Gehirnleistung im Gegensatz zu Normalbeschäftigen mit regulären Beschäftigungszeiten kontinuierlich abnehmen“.

Wenn andere schlafen, arbeiten viele Menschen. "Das kann nicht gesund sein", sagen viele Menschen instinktiv. In der Tat, in Schichten und vornehmlich auch nachts zu arbeiten, produziert Stress, begünstigt Krebs, bringt Schlafprobleme, Übergewicht, Diabetes und auch Gedächtnisprobleme. Die Liste der möglichen Folgen eines Lebens gegen die so genannte „innere Uhr“ ist lang und gerade Frauen leiden oft stark unter der Unregelmäßigkeit. Diese wirkt sich jedoch laut einer aktuellen Studie des Forschungsinstituts CNRS in Toulouse nicht nur auf die körperliche Gesundheit aus, sondern offenbar auch auf die Gedächtnisleistung und das Denkvermögen.

Forschungsinstituts CNRS untersucht 3232 Personen in Langzeitstudie
Wie der Studienleiter Jean-Claude Marquié im US-Fachmagazin "Occupational and Environmental Medicine" berichtet, hatten an der Untersuchung insgesamt 3232 berufstätige und pensionierte Personen aus verschiedenen Branchen teilgenommen, die zu Beginn des Projekts zwischen 32 und 62 Jahre alt waren. Etwa die Hälfte der Probanden arbeitete dabei im Schichtdienst. Um die Auswirkungen dieses Arbeitszeitmodells zu untersuchen, wurden die Teilnehmer zu drei Zeitpunkten (1996, 2001 und 2006) verschiedenen Tests unterzogen, bei denen zum einen die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten sowie die Reaktionsfähigkeit und das Lang- und Kurzzeitgedächtnis geprüft wurden.

Gehirn erholt sich erst nach frühestens fünf Jahren wieder
Das Ergebnis: Bei den Menschen, die über mehrere Jahre in Schichten bzw. nachts gearbeitet hatten, zeigte sich eine deutlich schnellere Abnahme der kognitiven Fähigkeiten als bei Berufstätigen mit einem regelmäßigen Arbeitsrhythmus, so Jean-Claude Marquié weiter. Dies beträfe insbesondere die Arbeitnehmer, die länger als zehn Jahre im Schichtdienst gearbeitet hatten, denn „dies entspricht einem zusätzlichen altersbedingten Verlust der kognitiven Fähigkeiten von 6,5 Jahren in der jeweiligen Kohorte“ Die „Schädigungen“ ließen sich jedoch auch nach dem Ende der unregelmäßigen Arbeit nicht ohne Weiteres umkehren, erklärt Marquié. Stattdessen würde es mindestens fünf Jahre dauern, bis sich das Gehirn wieder von der zusätzlichen Belastung erholt habe.

Gesundheit von Schichtarbeitern sollte stärker in den Fokus gerückt werden
Die Ergebnisse müssten den Forschern nach jedoch nun durch weitere Untersuchungen verifiziert werden, schreiben die Wissenschaftler. Nichts desto trotz sollte die Gesundheit von Schichtarbeitern laut Marquié generell einen besonderen Stellenwert haben, indem beispielsweise die medizinische Betreuung sowie die Arbeitszeitregelung arbeitnehmerfreundlicher gestaltet würden. „Schichtarbeit beeinträchtigt chronisch die Kognition, was potenziell wichtige Folgen für die Sicherheit hat – nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft“, so die Forscher in "Occupational and Environmental Medicine". (nr)

Bild: Charlotte Spiess / pixelio.de