Schilddrüsenunterfunktion: Müdigkeit und Frieren

Astrid Goldmayer

Erste Anzeichen für Schilddrüsenunterfunktion können Müdigkeit und häufiges Frieren sein

07.02.2013

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) tritt am häufigsten bei Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf. Erste Anzeichen wie Blässe, Müdigkeit und häufiges Frieren sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden, da im Schlimmsten Fall ein lebensbedrohliches Myxödemkoma droht. Ein Bluttest gibt Aufschluss über Veränderungen der Schilddrüse.

Bei Schilddrüsenunterfunktion verringerte Bildung der Schilddrüsenhormone
Die Hauptaufgabe der Schilddrüse, die schmetterlingsförmig im Halsbereich liegt, besteht in der Bildung und Abgabe der Schilddrüsenhormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (L-Thyroxin). Beide haben großen Einfluss auf das Wachstum und die Entwicklung von Gehirn und Knochen. Zudem sind sie am Gesamtstoffwechsel, dem Sauerstoffverbrauch, der Wärmeproduktion, dem Nährstoffumsatz, der Herztätigkeit und vielen anderen Körperfunktionen beteiligt. Für die Hormonproduktion benötigt die Schilddrüse Jod. Häufig ist Jodmangel Ursache der Schilddrüsenunterfunktion, die zu geringerer körperlicher und geistiger Leistungsfähigkeit führen kann.

Wird eine Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt, können Herzrhythmusstörungen und Muskelschwund drohen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Myxödemkoma, das zwar sehr selten auftritt aber lebensbedrohlich ist. Hierbei zeigen sich neben verstärkten Symptomen der Schilddrüsenunterfunktion Bewusstseinsstörungen, Untertemperatur (Hypothermie), Krampfanfälle, Atemstörungen und Elektrolytentgleisung. Eine sofortige Klinikeinweisung ist zwingend erforderlich.

Anzeichen für Schilddrüsenunterfunktion
Erste Anzeichen für eine Veränderung der Schilddrüse können Müdigkeit, häufiges Frieren, Hustenreiz und Heiserkeit sein. Menschen, mit einer unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion wirken häufig blass, haben ein aufgedunsenes Gesicht und geschwollene Augen. Die Haut sieht trocken und schuppig aus und die Stimme ist heiser. Viele Betroffene leiden zudem unter einer unerklärlichen Gewichtszunahme und haben einen Räusperzwang sowie Hustenreiz und eine belegte Stimme. Bei diesen Symptomen ist der Gang zu Facharzt unerlässlich. „Eine Unterfunktion lässt sich leicht über das Blut erkennen und mit Medikamenten behandeln", erklärt Professor Hans-Jürgen Nentwich, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Köln, gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“. Es sei notwendig, die Medikamente ein Leben lang einzunehmen. Außerdem arbeite ein HNO-Arzt mit weiteren Spezialisten wie Endokrinologen und Internisten zusammen, falls es sich tatsächlich um eine Schilddrüsenveränderung aufgrund einer Entzündung (Hashimoto-Thyreoiditis) oder einer Unterfunktion handele.

Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion
Bei den Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion wird zwischen der angeborenen und der erworbenen Form unterschieden. Bei der angeborenen Schilddrüsenunterfunktion (Kretinismus), die durch eine Jodunterversorgung der Mutter in der Schwangerschaft, dem Fehlen oder der Fehlbildung der Schilddrüse oder einem Defekt der Hormonbildung (Enzymopathie) entsteht, zeigen Betroffene Entwicklungsdefizite in Bezug auf die Knochen- und Zahnreifung, das Körperwachstum bis hin zur geistigen und physischen Retardierung. Säuglinge werden als auffallend trink- und bewegungsfaul beschrieben und leiden zudem an Verstopfung. Um Kinder möglichst frühzeitig medikamentöse einzustellen, erfolgt die Frühdiagnose durch das gesetzlich vorgeschriebene Neugeborenenscreening in den ersten Lebenstagen. Die Medikamente werden lebenslang benötigt.

Die erworbene Schilddrüsenunterfunktion kann entweder auf Entzündungen der Schilddrüse sowie auf Folgen einer Schilddrüsenoperation, einer Strahlentherapie oder Jodmangel zurückzuführen sein (primäre Form). Zudem können Funktionsbeeinträchtigungen der Hirnanhangsdrüse Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion sein (sekundäre Form). (ag)

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Bild: Beßler/Havlena / pixelio.de