Schlafapnoe: Schrittmacher therapiert Schnarchen

Heilpraxisnet

Schlafapnoe: Schrittmacher hilft bei ungesundem Schnarchen

19.05.2014

Nach Schätzungen schnarchen etwa zehn bis 30 Prozent der Erwachsenen im Schlaf. Dies ist nicht nur lästig, sondern kann auch ein Anzeichen für schlafbezogene Atmungsstörungen sein. Ein neuer Zungenschrittmacher könnte nun dabei helfen, die Atmung im Schlaf zu stabilisieren. Das Gerät ist jedoch nur für wenige Schnarcher geeignet.

Potentiell lebensbedrohliche Schlafapnoe
Millionen Menschen schnarchen im Schlaf. In Deutschland sollen nach Schätzungen etwa zehn bis 30 Prozent der Erwachsenen betroffen sein. Lautes Schnarchen kann ein ernst zu nehmendes Anzeichen für schlafbezogene Atmungsstörungen sein. Mediziner sprechen dabei von Schlafapnoe, bei der Betroffenen das Atemholen im Schlaf durch eine Verengung der Atemwege erschwert wird. Bei der Anstrengung, durch die verengten Atemwege Luft zu holen, entstehen die typischen Schnarchgeräusche. Die Atemaussetzer, die dabei auftreten, können Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigen. Die potentiell lebensbedrohliche obstruktive Schlafapnoe tritt bei rund fünf Prozent der Bevölkerung auf und betrifft vorwiegend übergewichtige Männer im mittleren Lebensalter.

Kein erholsamer Schlaf
Die verringerte Sauerstoffversorgung und wiederkehrenden Aufweckreaktionen des Körpers, die mit der Schlafapnoe einhergehen, werden von den Betroffenen selbst meist nicht bewusst wahrgenommen. Dr. Joachim Maurer, Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Universitäts-Hals-Nasen-Ohren-Klinik Mannheim, erklärte gegenüber „n-tv.de“: „Atemaussetzer versetzen den Körper in eine Art Rettungsreaktion mit der Ausschüttung von Adrenalin und vielen weiteren Auswirkungen.“ Der Schlaf ist in diesen Fällen alles andere als erholsam. Zudem schädigt ständig wiederkehrender Sauerstoffmangel mittelfristig die Blutgefäße und kann zu Bluthochdruck führen. Daher müssen Schnarcher mit Atemaussetzern behandelt werden.

Zungenschrittmacher macht Hoffnung
In den meisten Fällen werden dabei zur Therapie operative Maßnahmen ergriffen oder eine spezielle Schlafmaske (CPAP-Therapie) eingesetzt. Jetzt macht aber auch eine neue Behandlungsmöglichkeit Hoffnung: der Zungenschrittmacher. „Das Gerät ist ein Nervenstimulator, der etwas kleiner als eine Streichholzschachtel ist. Er wird wie ein Herzschrittmacher unterhalb des Schlüsselbeines implantiert“, so Maurer. Das Gerät erfüllt zwei Funktionen. Zum einen wird damit die Atmung gemessen und zum anderen sorgt ein schwacher Elektroimpuls dafür, dass der Zungenmuskel während dem Einatmen angespannt bleibt. Dadurch werde verhindert, dass die Zunge sich entspannt und deshalb nach hinten fällt und den Atemweg verschließt. Auf diese Weise werden sowohl die Atemaussetzer als auch die Schnarchgeräusche wesentlich reduziert. Der elektrische Impuls ist für den Patienten nur leicht beziehungsweise gar nicht spürbar.

Nur für wenige Patienten geeignet
„Durch die Operation entstehen keine irreversiblen Veränderungen der oberen Atemwege, Schlucken, und Sprechen bleiben unbeeinträchtigt“, so der Experte. Er betonte aber: „Das Gerät ist jedoch nur für eine kleine Patientengruppe von Schnarchern geeignet.“ So muss die Ursache für das Schnarchen und die Atemaussetzer die Erschlaffung der Zungenmuskulatur sein und die Patienten sollten auch nicht zu viele Atemaussetzer haben. Zudem ist der Zungenschrittmacher nur für die Personen geeignet, die mit den Standard-Therapien keinen Erfolg haben und ansonsten überhaupt keine Behandlung erfahren würden. „Der Einsatz des Zungenschrittmachers ist eine neue Behandlungsmöglichkeit, die nicht leichtfertig eingesetzt werden sollte“, so Maurer.

Therapie sicherer und wirkungsvoller machen
Noch werden die Patienten sehr streng ausgewählt. So dürfen sie beispielsweise keine Lungenkrankheit, keinen Herzschrittmacher und kein übermäßiges Übergewicht (Adipositas) haben. Nicht in allen Fällen werden die Kosten, die bei über 10.000 Euro liegen, von den Krankenkassen übernommen. „Auch wenn der Einsatz des Zungenschrittmachers vor allem im Vergleich zu anderen invasiven Methoden sehr vielversprechend ist, müssen in diesem Stadium noch mehr Informationen und Erfahrungen gesammelt werden, um die Therapie noch sicherer und wirkungsvoller zu machen“, erläuterte Maurer. „Deshalb werden alle Patienten besonders intensiv betreut.“ Die Überdruck-Beatmung bleibe jedoch vorerst die erste Wahl für die Behandlung von Patienten mit Schlafapnoe. (sb)