Schlafforschung: Risiko Zeitumstellung

Alfred Domke

Mehr Verkehrsunfälle und Herzinfarkte durch Zeitumstellung

27.10.2013

In der vergangen Nacht wurden hierzulande die Uhren eine Stunde zurückgestellt. Viele freuen sich über die gewonnene Stunde Schlaf. Doch die Zeitumstellung stelle auch eine Gefahr dar. So komme es danach zu mehr Verkehrsunfällen und Herzinfarkten.

Acht Prozent mehr Verkehrsunfälle
Die Zeitumstellung, die uns in der vergangenen Nacht eine zusätzliche Stunde Schlaf beschert hat, hat auch negative Seiten. So führe die Umstellung zu rund acht Prozent mehr Verkehrsunfällen. Außerdem würden danach auch die Krankenhauseinweisungen mit Verdacht auf Herzinfarkt steigen, wie die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) am Freitag in Berlin mitteilte. „Durch die Zeitumstellung erfährt der menschliche Organismus eine Art Mini-Jetlag“, so DGSM-Vorstandsmitglied Hans-Günter Weeß. Bis sich die Menschen an die veränderte Tageszeit und den anderen Hell-Dunkel Rhythmus angepasst haben, können mehrere Tage oder gar Wochen vergehen. Vor allem Alte und Kinder hätten damit oft Schwierigkeiten.

Mensch besitzt hochpräzise innere Uhr
Das Zurückstellen der Uhren hat uns zwar eine zusätzliche Stunde Schlaf gebracht, aber wie Weeß erläutert, besitze der Mensch eine hochpräzise innere Uhr, welche im Gehirn verortet und eng an den Hell-Dunkel-Rhythmus gekoppelt sei. Über diese Region des Gehirns werde unter anderem auch die Ausschüttung des Hormons Melatonin kontrolliert und beeinflusst. Dieses Hormon ist an der Steuerung vieler körpereigener Rhythmen beteiligt, etwa an Schlaf- und Wachphasen. Außerdem steuert Melatonin das Leistungsvermögen, die Körpertemperatur sowie Hunger- und Sättigungsgefühle mit.

Gedrückte Stimmung in der dunklen Jahreszeit
Der Schlafmediziner erklärte darüber hinaus, dass die Umstellung der inneren Uhr im Herbst etwas verträglicher sei als zu Beginn der Sommerzeit im Frühjahr: „Das liegt daran, dass sie immer etwas langsamer geht als der 24-Stunden-Tag.“ Somit würde es leichter fallen, später ins Bett zu gehen und einzuschlafen, als sich vor der sonst gewohnten Zeit hinzulegen. Aber auch die Zeitumstellung im Oktober könne mit Müdigkeit, Schlafstörungen und Kopfschmerzen einhergehen. Ein größeres Problem als die Uhrzeit, seien jedoch die kürzeren Herbst- oder Wintertage und das schwächere Tageslicht in diesen Jahreszeiten. Denn in der Folge davon könne es häufiger zu gedrückter Stimmung bis hin zu einer Winterdepression kommen. Wenn es soweit kommen sollte, stehen Betroffenen zahlreiche Hausmittel gegen Winterdepressionen zur Verfügung, die durch die dunkle Jahreszeit helfen können. (ad)

Bild: Rainer Sturm, Pixelio