Schlafkrankheit durch den Schweinegrippe-Impfstoff

Sebastian

29 Fälle der Schlafkrankheit im Zusammenhang mit dem Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix in Deutschland gemeldet

01.05.2012

Wissenschaftler vermuten seit längerer Zeit einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten der sogenannten Schlafkrankheit (Narkolepsie) und der zuvor erfolgten Verabreichung des Schweinegrippe-Impfstoffs „Pandemrix“. Einige europäische Studien sehen einen „kausalen Kontext zwischen dem Grippeimpfstoff und Narkolepsie“. Nach offiziellen Angaben wurden nun auch 29 Patientenfälle unter Geimpften in Deutschland gemeldet.

29 Fälle im Zusammenhang mit Schweinegrippe-Impfstoff
Neben anderen europäischen Ländern wurden nun auch in Deutschland Fälle gemeldet, die einen Zusammenhang zwischen dem Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix und einer ausgelösten Narkolepsie feststellten. Zwischen den Monaten Oktober 2010 und April 2012 wurden 29 Meldungen von Kliniken und Ärzten an das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) im hessischen Langen weitergeleitet. Unter den Patienten befinden sich gehäuft Kinder (19) und zehn Erwachsene. Nach dem Abebben der Influenza wird Grippeimpfstoff in Deutschland derzeit nicht mehr verwendet.

Wie ein Sprecher des Instituts mitteilte, läge bei „dreizehn Kindern und Jugendlichen eine gesicherte Diagnose vor. " Bei acht Erwachsenen konnte die Erkrankung ebenfalls gesichert diagnostiziert werden. Bei den Erwachsenen traten die Beschwerdebilder allerdings erst deutlich später auf, als bei den Kindern. In einem Erwachsenenfall lagen zwischen der Impfung und dem Auftreten von Symptomen rund 12 Monate. Das Institut ist hierzulande für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig.

Ursachen noch immer ungeklärt
Warum der Schweinegrippe-Impfstoff das Risiko der Schlafkrankheit erhöht, ist nach bisherigen Untersuchungen nicht wissenschaftlich erklärbar. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA vermutet, dass eine Interaktion mit genetischen Faktoren eine Rolle spielen könnte. Weiterhin vermuten die Experten, dass zusätzliche Einflüsse wie bestimmte Infektionskrankheiten, hier insbesondere Atemwegserkrankungen, mitverantwortlich sein könnten. Die genauen Mechanismen sind aber weitestgehend unbekannt und waren auch nicht durch bisher durchgeführte Studien ermittelbar.

Sehr seltene Schlafkrankheit
Narkolepsie ist eine sehr seltene Erkrankung. Laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) leiden rund 40.000 Menschen unter der Schlafkrankheit in Deutschland. Allerdings liegen bei nur rund 4000 Patienten eine gesicherte Diagnose vor. Das Paul-Ehrlich-Institut berichtet, dass in Deutschland eines von einer Million Kinder jährlich neu erkrankt. Bei Ausbruch leiden die Betroffenen in der Regel an plötzlichem Schlafzwang, dem Verlust der Muskelanspannung, einem unnatürlichen Schlafrhythmus sowie Schlaflähmungen. Üblicherweise variieren die Symptome in ihrer Häufig- und Heftigkeit. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, wie und warum die Erkrankung entsteht. Mediziner gehen davon aus, dass Umwelteinflüsse und genetische Vorbelastungen die wahrscheinlichen Auslöser sind.

Drei Studien, die in Schweden, Irland und Finnland durchgeführt wurden, hatten bereits unter geimpften Kindern und Jugendlichen erhöhte Erkrankungsfälle unter Kinder und Jugendlichen festgestellt. Laut der Studiendaten erhöht sich das Risiko nach einer Pandemrix-Impfung auf 3,6 bis 6 zusätzliche Fälle pro 100.000 Minderjährige. Eine Studie, die explizit dieser Frage auch in Deutschland nachgegangen wäre, existiert es bis heute nicht.

Impfstoff soll nicht mehr bei Kindern injiziert werden
Eine hundertprozentige Klarheit über die Fälle in Deutschland existiert demnach nicht. Weil der genaue Auslöser noch nicht bekannt ist, will sich das Institut nicht festlegen. "Es ist derzeit kein Mechanismus bekannt oder plausibel, wie eine Impfung eine so komplexe Erkrankung wie die Narkolepsie auslösen könnte.“ Das PEI rät aber nunmehr, den Impfstoff nur dann bei Kindern und Jugendlichen noch zu verwendeten, wenn die Schweinegrippe grassiere und kein anderer Wirkstoff zur Verfügung stehe. Die EMA hatte bereits im letzten Jahr die Verwendung des Impfstoffs stark eingegrenzt, und diesen nur dann empfohlen, wenn „dringend ein Schutz vor dem pandemischen H1N1-Influenzavirus erforderlich ist, jedoch kein trivalenter Grippeimpfstoff mit der entsprechenden Viruskomponente zur Verfügung steht.“ Eine ähnliche Studie wie in Finnland oder Schweden wird es in Deutschland erst einmal nicht geben. (sb)