Schlafkrankheit durch Schweinegrippe-Impfstoff

Fabian Peters

Schweinegrippe-Impfstoff mit erheblichen Nebenwirkungen: Das finnische Gesundheitsinstitut (THL) warnt vor dem Pandemrix-Impfstoff, da der Wirkstoff möglicherweise die Schlafkrankheit auslöst.

02.02.2011

Schlafkrank durch Schweinegrippe-Impfstoff? Das staatliche Gesundheitsinstitut (THL) in Helsinki kommt nach ersten Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass der Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix insbesondere bei Kindern möglicherweise Narkolepsie (Schlafkrankheit) auslösen kann.

Mehr zum Thema:

Der Schweinegrippe-Impfstoff könnte eine der Ursachen für den plötzlichen massiven Anstieg der Schlafkrankheit (Narkolepsie) vor allem bei Kindern in Finnland sein, so die Mitteilung der höchsten finnischen Gesundheitsbehörde. Ein Sprecher des THL betonte, die „wahrscheinlichste Erklärung“ für den Anstieg der Neuerkrankungen sei, dass der Impfstoff in Verbindung mit „einigen weiteren Faktoren“ zum Ausbruch der seltenen Narkolepsie geführt habe.

Zusammenhang zwischen Schweinegrippe-Impfung und Narkolepsie?
Erste Untersuchungsergebnisse des THL haben ergeben, dass sich im Alter zwischen vier und 19 Jahren das Risiko durch eine Schweinegrippe-Impfung an Narkolepsie zu erkranken, besonders stark erhöht. Die Pandemrix-Impfung steigere das Erkrankungsrisiko um das Neunfache, so die Warnung der Gesundheitsbehörde. Zwar seien bis zum angekündigten Abschlussbericht im August weitere Untersuchungen notwendig, doch die vorläufigen Ergebnisse deuten unmissverständlich auf einen Zusammenhang zwischen der Zunahme der Narkolepsie-Erkrankungen und den Impfungen mit Pandemrix hin, erklärte ein Sprecher der höchsten finnischen Gesundheitsbehörde.

Gesundheitsbehörden verzichten auf Pandemrix-Impfstoff
Im Jahr 2009 war in Finnland eine landesweite Impfkampagne gegen das H1N1-Virus gestartet worden. Die Gesundheitsbehörde sah, angesichts der Häufung von Fällen der Schlafkrankheit insbesondere bei Kindern, jedoch seit August 2010 davon ab, den Pandemrix-Impfstoff des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) weiterhin zu verwenden. GSK wehrt sich gegen die Vorwürfe und betonte die enge Zusammenarbeit mit den Behörden. Eine Sprecherin von GSK verwies darauf, dass weltweit 31 Millionen Dosen verimpft worden seien aber nur 161 Fälle von Narkolepsie auftraten, wovon 70 Prozent in Schweden und Finnland diagnostiziert wurden. „Das ist anscheinend auf diese Region beschränkt“, so die Aussage der Sprecherin von GSK. Ob dem so ist, bleibt dahingestellt. Denn auch dem Paul–Ehrlich-Institut (PEI), welches in Deutschland für die Sicherheit von Impfstoffen zuständig ist, wurden mehrere Verdachtsfälle von Narkolepsie nach Schweinegrippe-Impfungen gemeldet. Das PEI erklärte gegenüber dem „Tagesspiegel“, es würden zurzeit sieben Fälle untersucht, wobei in sechs Fällen Kinder zwischen 9 und 15 Jahren betroffen seien. Darüber hinaus werde auch der Fall einer 26-jährigen Frau geprüft, die möglicherweise nach einer Schweinegrippe-Impfung an Narkolepsie erkrankt sei.

Narkolepsie normalerweise extrem selten
Die Zahlen der durch Schweinegrippe-Impfungen begünstigten Narkolepsie-Erkrankungen scheinen insgesamt recht überschaubar, doch ist die Schlafkrankheit generell so selten, dass die Zahl der Verdachtsfälle eine massive Steigerung darstellt. Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) zufolge leiden in Deutschland insgesamt rund 40.000 Menschen unter Narkolepsie, wobei nur für etwa 4.000 Betroffenen eine entsprechenden Diagnose vorliege. Jedes Jahr erkrankt eines von einer Millionen Kindern in Deutschland neu, so die Aussage des PEI. Bei einer Anzahl von 5,6 Millionen Impfungen mit Pandemrix, wäre folglich von maximal einer zusätzlichen Erkrankung auszugehen. Die sieben gemeldeten Fälle, sprengen – sollten sie sich bestätigen – hier deutlich den Rahmen. In Finnland und Schweden ist die Zahl der Narkolepsie-Erkrankungen insgesamt aufgrund der niedrigeren Einwohnerzahlen deutlich geringer. Hier fallen die vermutlich durch den Pandemrix-Impfstoff verursachten 161 Neuerkrankungen im Verhältnis zu den Erkrankungen insgesamt entsprechend mehr ins Gewicht.

Symptome der Schlafkrankheit
Die Schlafkrankheit (Narkolepsie) ist im wesentlichen gekennzeichnet durch vier unterschiedliche Symptome, die meist in variierender Ausprägung auftreten. So bilden plötzlicher Schlafzwang und Kataplexien (Verlust der Muskelanspannung) sowie ein abnormer Schlafrhythmus und Schlaflähmungen (Schlafparalyse) die häufigsten Kennzeichen einer Narkolepsie. Den Schlafstörungen liegt dabei nach Aussage der Experten eine neurologische Erkrankung des Schlaf-Wach-Rhythmus zu Grunde, welche nicht durch ein allgemein höheres Schlafbedürfnis sondern vor allem durch eine tiefgreifende Störung der Schlafrhythmik geprägt wird. Für die Betroffenen bringt eine Erkrankung häufig erhebliche Einschränkungen im privaten und beruflichen Alltag mit sich.

Pandemrix-Impfstoff häufig wegen möglicher Nebenwirkungen kritisiert
Der Pandemrix-Impfstoff steht bereits seit seiner Einführung wegen möglicher Nebenwirkungen immer wieder in der Kritik. So wurde gelegentlich von allgemeine Hautreaktionen einschließlich Nesselsucht (Urtikaria) berichtet. Auch sei es in seltenen Fällen zu Nervenschmerzen (Neuralgie) und Krampfanfällen gekommen, heißt es auf dem impfkritischen Internetportal „www.impfschaden.info“. Auch von allergischen Reaktionen, die in seltenen Fällen zum Schock geführt haben, wird hier berichtet. Vereinzelt wurden auch Entzündungen der Blutgefäße und neurologischen Erkrankungen wie Entzündungen des Gehirns und des Rückenmarkes (Enzephalomyelitis) nach einer Pandemrix-Impfung gemeldet.

Skepsis gegenüber Schweinegrippe-Impfungen nicht unbegründet
Die durch das Ergebnis der höchsten finnischen Gesundheitsbehörde verdeutlichten Probleme bei einer Impfung mit Pandemrix, verdeutlichen, dass die Skepsis der Deutschen gegenüber Impfungen – und hier insbesondere gegenüber den Schweinegrippe-Impfungen – anscheinend nicht ganz unbegründet ist. Trotz des umfassenden Aufrufs zur Schutzimpfung hatten sich hierzulande nur verhältnismäßig wenige Menschen mit einer Schutzimpfung versorgen lassen. In den skandinavischen Ländern sind die Vorbehalte in der Bevölkerung gegenüber Schutzimpfung jedoch längst nicht so ausgeprägt wie in Deutschland und dementsprechend höher war die Impfquote bei den Schweinegrippe-Impfungen mit Pandemrix. Die Warnungen des THL legen jedoch den Schluss nahe, dass dadurch auch die erheblich höhere Zahl der Narkolepsie-Erkrankungen in Skandinavien begründet wird. (fp)