Sex kann Schlafprobleme lindern

Heilpraxisnet

Schlafstörungen bei jedem vierten Erwachsenen

07.03.2015

Schlafstörungen bereiten vielen Menschen erhebliche Probleme, wobei nicht nur die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit leiden, sondern auch gesundheitliche Beschwerden drohen. Im Schlaflabor kann den Betroffenen in der Regel geholfen werden, doch verzeichnen die Einrichtungen derzeit einen derartigen Andrang, dass mit erheblichen Wartezeiten zu rechnen ist. Hier lohnt ein Versuch, die Schlafstörungen mit Hilfe der Tipps von Experten eigenständig zu beheben Die Einnahme von Schlafmitteln, ist hingegen der falsche Weg.

„Etwa 25 Prozent der Bevölkerung berichteten im Bundes-Gesundheitssurvey 1998 (BGS98) über Schlafstörungen und 11 Prozent erlebten ihren Schlaf als häufig nicht erholsam“, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Mindestens jeder vierte Erwachsene ist demnach von Schlafstörungen betroffen. Die Schlafprobleme können dabei „für die Betroffenen und ihre Umwelt lebensgefährlich werden“, wenn beispielsweise die Steuer- und Überwachungstätigkeiten versagen oder die Betroffenen beim Autofahren Einschlafen, so das RKI weiter.

Andrang in den Schlaflaboren
In den vergangenen zehn Jahren hat die Zahl der Patienten, die ein Schlaflabor besuchen, „sehr deutlich zugenommen“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ Dora Triché vom Schlafmedizinischen Zentrum in Nürnberg. Diese Aussage werde auch von Thomas Penzel, Vorstandsmitglied der DGSM, bestätigt, der von einer Zunahme der Wartezeiten in den Schlaflaboren berichtet. 314 akkreditierte Schlaflabor und Schlafmedizinische Zentren listet die DGSM auf ihrer Internetseite. In diesen stehen durchschnittlich 3,5 „polysomnographische Messplätze“, also Betten mit Überwachung, zur Verfügung, so die Mitteilung der „dpa“. Zwar sei kein Anstieg der Schlafstörungen in Deutschland zu verzeichnen, aber die Aufmerksamkeit für diese Probleme habe sich deutlich erhöht, so Thomas Penzel in dem Beitrag der „dpa“.

Schlafstörungen sind ein Gesundheitsrisiko
Kurzfristig richtet der Schlafentzug keine Schäden an, doch werden Funktionen im Gehirn beeinträchtigt, was mit einer verminderten kognitiven Leistungsfähig einhergeht und auf diesem Wege schwerwiegende Folgen haben kann. Bei längerfristigen Schlafstörungen wird zudem der Körper in Mitleidenschaft gezogen. So erläutert beispielsweise Dora Triché, dass Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe unter einem erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall leiden. Denn die Atemaussetzer von fast einer Minute während des Schlafs würden stets mit einem kurzen Aufwachen der Patienten einhergehen, bei dem der Blutdruck und die Herzfrequenz deutlich steigen. „Das ist jedes Mal ein Mordsstress für den Körper“, wird Triché von der „dpa“ zitiert. Auch der Kölner Schlafexperte Alfred Wiater bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur, dass derartige schlafbezogene Atmungsstörungen erhebliche negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System, die Lebenserwartung und das Leistungsvermögen haben.

Ursachen der Schlafstörungen
Zu den Ursachen der Schlafstörungen erläutert die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM), dass Stress in erheblichem Maße zu Schlafproblemen beitrage. Aber auch der Kaffeekonsum, alkoholische Getränke, Nikotin und Störungen des Biorhythmus beispielsweise durch Schichtarbeit seien als mögliche Auslöser zu nennen. Bei Einhaltung der richtigen Schlafhygiene lassen sich die Schlafstörungen laut Angaben der DGSM jedoch oftmals beheben. In ihrem Patientenratgeber empfiehlt die Fachgesellschaft den Betroffenen zum Beispiel die Schlafumgebung angemessen zu gestalten. Ein ruhiger, abgedunkelter Raum und ein bequemes Bett seien hier wesentliche Voraussetzungen. Des Weiteren sollte das Schlafzimmer eher kühl als warm und für ausreichend frische Luft gesorgt sein, berichtet die DGSM.

Alkohol, Nikotin und Koffein meiden
Die Fachgesellschaft empfiehlt weiter, die Aufnahme von Stimulanzien wie Koffein, Alkohol oder Nikotin zu reduzieren beziehungsweise zu meiden. Koffeinhaltige Getränke sollten laut Angaben er Experten „drei bis vier Stunden vor der Schlafenszeit grundsätzlich nicht mehr eingenommen werden.“ Bei Rauchern könne eine Entwöhnung zu deutlichen Verbesserungen des Schlafs führen und beim Alkohol begünstige ungewohnter übermäßiger Konsum zwar unter Umständen das Einschlafen, doch im weiteren Verlauf sei mit vermehrtem Schlafstörungen und einem frühzeitigen Aufwachen zu rechnen.

Nicht im Bett wachliegen
In Bezug auf sportliche Betätigung stellt die DGSM fest, dass ausreichend körperliche Bewegung zwar allgemein förderlich für den Schlaf sei, doch bei zu geringem zeitlichen Abstand zur Schlafenszeit könne Sport auch Schlafstörungen auslösen. Im Gegenzug führe Bewegungsmangel allerdings ebenfalls häufig zu Schlafproblemen. Da Stress im maßgeblichen Zusammenhang mit Schlafproblemen gebracht wird, raten die Experten des Weiteren zum Erlernen von Stressvermeidungs- und -bewältigungsstrategien. Zudem werden einige verhaltenstherapeutische Ansätze dargelegt, mit deren Hilfe Schwierigkeiten beim Einschlafen entgegengewirkt werden kann. Weil das Schlafzimmer häufig mit quälenden Einschlafversuchen assoziiert werde und dies meist eine Verstärkung der Probleme mit sich bringe, rät die DGSM zum Beispiel keinesfalls im Bett wachzuliegen, sondern gegebenenfalls wieder aufzustehen. Das Bett sollte ausschließlich zum Schlafen und für sexuelle Aktivitäten genutzt werden, so die Fachgesellschaft weiter.

Blick auf die Uhr vermeiden
Den Angaben der DGSM zufolge ist eine Uhr in Sichtweite des Bettes für Menschen mit Schlafstörungen kontraproduktiv, da der Blick auf die Uhr einen Zeitdruck vermittle, der das Einschlafen zusätzlich behindere. Um sich vom Stress zu befreien, raten die Experten darüber hinaus zu Entspannungsübungen wie Meditation, Biofeedback oder Hypnose vor dem Schlafengehen. Ein Nickerchen im Tagesverlauf sollten Patienten mit Schlafstörungen grundsätzlich vermeiden, da dies in der Regel zusätzliche Beeinträchtigungen des Nachtschlafs mit sich bringt. Wenn möglich sollten die Betroffenen zudem täglich zu den gleichen Zeiten Aufstehen und ins Bett gehen, so die Empfehlung in dem Patientenratgeber der DGSM. (fp)

Advertising
>Bildnachweis: Alexandra H. / pixelio.de