Schlafmangel gefährdet die Gesundheit

Heilpraxisnet

Gesundheitsgefahr durch Schlafmangel

14.09.2014

In unserer modernen hektischen Welt finden viele Menschen nicht mehr genug Zeit für ausreichenden Schlaf. Manche brüsten sich sogar mit ihrem niedrigen Schlafpensum. Doch Neurologen warnen: Chronische Müdigkeit setzt nicht nur die Denkleistung herab, sondern schädigt vermutlich langfristig das Gehirn.

Ein Drittel des Lebens verschläft der Mensch
Fast ein Drittel der Lebenszeit verbringt ein Mensch mit Schlafen. Manche halten das jedoch für Zeitverschwendung. Aus der Geschichte wird immer wieder über Persönlichkeiten berichtet, die mit sehr wenig Schlaf ausgekommen sein sollen. Napoleon, Leonardo da Vinci und Margaret Thatcher gehörten dazu, doch auch Mächtige der heutigen Politik-Elite wie Barack Obama oder Angela Merkel. Es gibt Personen, die brüsten sich gar mit ihrem niedrigen Schlafpensum. Die Kanzlerin sagt von sich selbst, dass sie „kamelartige Fähigkeiten“ habe: Sie habe eine gewisse Speicherfähigkeit, müsse dann aber wieder auftanken.

Gehirn reagiert empfindlich auf Schlafentzug
Allerdings reagiert das Gehirn empfindlich auf Schlafentzug. Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisleistung beispielsweise leiden ziemlich schnell. Auch die Entstehung von Demenz könne dadurch gefördert werden, wie Neurologen warnen. Die moderne Welt ist immer mehr geprägt durch Hektik und Stress. „In unserer Informationsgesellschaft schlafen wir ein bis eineinhalb Stunden kürzer als noch in den 1960er-Jahren“, erläuterte Geert Mayer, Neurologe und Chefarzt der Hephata-Klinik in Schwalmstadt einer dpa-Meldung zufolge.“Wir haben relativen Schlafentzug – alle.“

„Schlafstörungen sind eine Volkskrankheit“
Vom 15. bis zum 19. September sind die Vorgänge im Gehirn während des Schlafes auch Thema beim 87. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in München. Bis zu 7.000 Experten aus Neurologie, Neuropädiatrie, Neuropathologie, Neurochirurgie und Neuroradiologie werden sich dort auch mit Schlaganfall, Demenz, Multipler Sklerose, Epilepsie, Lähmungen, Schmerz- und Schwindelsyndromen und 200 weiteren Krankheiten befassen. Wie Kongresspräsident Wolfgang Oertel sagte, spiele Schlaf bei der Entstehung vieler Erkrankungen eine weit größere Rolle als angenommen. Die Bedeutung werde meist unterschätzt. Demnach können etwa zehn Prozent der Bevölkerung chronisch nicht ein- oder durchschlafen. „Schlafstörungen sind eine Volkskrankheit, werden aber lediglich als Befindlichkeitsstörung behandelt“, so Mayer. „Schlaf ist ein essenzieller Bestandteil des Lebens.“

Wenig Schlaf begünstigt Entstehung von Demenz
Auch neue Studien an Tieren stützen den Verdacht, dass zu wenig Schlaf über Jahre die Entstehung von Demenz begünstigt. Mayer erklärte, dass bestimmte Abbauprodukte im Gehirn im Schlaf abtransportiert würden und sich bei Mangel anhäuften. „Das kann zu einer Frühschädigung des Gehirns führen, die wir noch gar nicht merken.“ Auch wenn Schlafentzug kurzfristig keine Schäden anrichte, so werden jedoch Funktionen im Gehirn beeinträchtigt. So lassen Konzentration, Denk- und Merkleistung nach. Für Berufe wie Lokführer oder Busfahrer gibt es also aus gutem Grund Vorschriften in Sachen Lenkzeit. Politiker hingegen dürfen die Geschicke ihrer Bürger auch bei nächtlichen Verhandlungsrunden noch im Halbschlaf steuern.

Im Durchschnitt braucht ein Mensch sieben Stunden Schlaf
Auch das Lernen wird durch zu wenig Schlaf beeinträchtigt, da Gedächtnisinhalte im Schlaf abgespeichert und verfestigt werden. Ein Mensch braucht im Durchschnitt sieben Stunden Schlaf. „Es gibt aber genetisch bedingt Kurz- und Langschläfer. Manche Leute kommen mit fünf Stunden hin, andere brauchen neun Stunden“, erklärte Mayer. Ein Problem, das dabei auftauche sei aber: „Heute wissen viele Leute gar nicht mehr, wie viel Schlaf sie brauchen. Das ist ähnlich wie beim Essen: Die Selbstwahrnehmung fehlt.“ Seiner Meinung nach trage dazu auch die ständige Verfügbarkeit medialer Unterhaltung bei. „Man kann die ganze Nacht durch Fernsehen – früher kam um zwölf das Testbild.“ Zudem mangele es an einem Bewusstsein für die Bedeutung des Schlafes. „Bei jedem Kind sagt man: Es braucht den Schlaf. Bei den Erwachsenen scheint alles weggewischt.“

Höheres Krankheitsrisiko durch Schlafstörungen
Manche Menschen gönnen sich kaum Zeit zum Schlafen, andere wälzen sich nachts qualvoll herum. Krankheiten wie das Restless-Legs-Syndrom (RLS) oder die Schlafapnoe, bei der Atemaussetzer für schlechten Schlaf und spätere Tagesmüdigkeit sorgen, lassen die Betroffenen kaum zur Ruhe kommen. Dadurch werde oft die Tür für weitere Probleme geöffnet. So erhöhen Menschen, die zu wenig schlafen, das Risiko, auch an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie etwa Herzinfarkt, Übergewicht beziehungsweise Adipositas oder Diabetes zu erkranken. Wie Mayer erläuterte, ändere sich durch Schlafmangel der Stoffwechsel, die Insulinsensibilität nehme ab, und das Risiko für Diabetes Typ 2 steige. Oertel zufolge können Schlafprobleme zudem einer Depression um mehrere Jahre vorausgehen. Mayer fasste zusammen: „Menschen mit Schlafstörungen haben ein höheres Krankheitsrisiko und sterben früher.“

Wirksame Hilfen bei Schlafproblemen
Manche Menschen versuchen aber trotzdem immer wieder mit neuen Tricks den Schlafbedarf zu senken. In Mode seien derzeit polyphasische Schlafmodelle. Kurz und tief schlafen, schnell erholen, und so Zeit sparen. Mayer meinte, dass der traditionelle Mittagsschlaf sinnvoll sei, weil der Körper nachmittags die Temperatur senke und so in Schlafbereitschaft gehe. Er warnte aber: „Dass man mit 20 Minuten Schlafen mittags zwei Stunden Schlaf sparen kann, ist Quatsch.“ Wenn Schlafstörungen der Grund sind, dass Menschen nicht zur Ruhe kommen, können sie auf bewährte Hausmittel bzw. pflanzliche Naturheilmittel setzen. So können Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung eine sehr wirksame Hilfe für gesunden Schlaf sein. Da Stress ein häufiger Grund für Schlafprobleme ist, bieten sich zudem allgemein Methoden zum Stressabbau an. Viele schwören außerdem auf Baldrian, um ausreichend Schlaf zu finden. (ad)

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